Montag, 18.11.2019

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Frisch gestrichen: Orchester Ventuno in Cadolzburg

Das Fürther Streicherensemble zog die Zuhörer in St. Otto in den Bann. - 25.07.2019 11:00 Uhr

Gut drauf: Rebekka Wagner und Anne Maertens, hier bei der Probe in der Musikschule Fürth, waren die Solistinnen in Johann Sebastian Bachs Konzert für zwei Violinen. © Hans-Joachim Winckler


Er möge doch bitte, äußerte Diplomat und Musikfan Gottfried van Swieten, seiner Kunst freien Lauf lassen, "ohne auf Schwierigkeiten Rücksicht zu nehmen, die daraus für die Ausübung notwendig entstehen müssen." Carl Philipp Emanuel Bach tat wie befohlen und warf, wir schreiben das Jahr 1773, in Hamburg sechs Symphonien aufs Papier, deren avantgardistischer Bauplan selbst Kollege Mozart erblassen ließ.

Aller Ehren wert ist der Offensivdrang, der Schmackes, die Attacke, mit der das Orchester Ventuno die erste Hamburger Symphonie wuppt und damit vom Start weg in St. Otto für gespannte Aufmerksamkeit sorgt. Rund 100 Zuhörer ziehen an diesem Abend das kleine Cadolzburger Spektakel dem pompösen Nürnberger Freiluftspektakel vor und tun sehr gut daran. Selten genug, derart viele Fürther Talent- und Kulturförderpreisträger zugleich zu erleben.

"Zugleich" heißt hier auch: Dem gemeinsamen musikalischen Gespräch dieser 15 Damen und Herren nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen — Violinen- und Bratschengruppe stehen — zuzuwenden macht einen Heidenspaß. Vom-Blatt-Spiel-Routine, Dienst nach Vorschrift, schon wieder Bach: Nichts davon ist zu spüren, über allem liegt ein kommunikativer Spirit, als spiele man das alles zum ersten Mal.

Mozarts Adagio und Fuge c-moll widerlegt die Nachrede, der Salzburger sei spieltechnisch ein Fliegengewicht. Ventuno meistert die allerhöchst vertrackte Fuge auch noch in jenem Moment, als für eine Millisekunde die Karambolage droht. Der stets aufmerksame Primarius Bernd Müller aber bewahrt die Ruhe. Und wie groß ist erst die Spielfreude, als es mit Tschaikowskys Streicherserenade ins Romantik-Vollbad geht. Der Walzer: Italienurlaub pur. Das Unisono des Kopfsatzes: ein süffig servierter Roter. So muss das klingen.

Mit luftig-frischem, aber nicht hetzendem Drive und Akkuratesse sind Anne Maertens und Rebekka Wagner in Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert unterwegs. Aber da ahnte man eh schon, dass Barock, Klassik und Romantik beim Orchester Ventuno, in dieser Form eine Top-Adresse der Fürther Kulturszene, in sehr guten Händen liegen.

Matthias Boll

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