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"Fünf nach Acht": Hörspiel kommt aus Franken

Diddi Meyer und Sirius Kestel präsentieren ihre erste professionelle Produktion - 10.09.2019 10:00 Uhr

Die Macher des Hörspiels: der Fürther Filmtonmeister Sirius Kestel (li.) und der Nürnberger Medienwissenschaftler Diddi Meyer. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Manche nennen es Kino für die Ohren, andere sagen schlicht Hörspiel dazu. Die akustischen Inszenierungen haben Tradition, und viele, die zur Generation Y zählen, konnten sich im Kleinkindalter wahrscheinlich gar nicht vorstellen, ohne Gute-Nacht-Geschichte aus dem Kassettenrekorder einzuschlafen. Doch wer vor Jahren von Benjamin Blümchen und den drei Fragezeichen ins Reich der Träume begleitet wurde, dem steht heute der Sinn vermutlich nach Lausch-Stoff für Erwachsene.

So wie ihn Sirius Kestel aus Fürth und Diddi Meyer aus Nürnberg bieten. Ihr Hörspiel "Fünf nach Acht" ist kein Kinderkram. Doch worum genau es in ihrer ersten professionellen Produktion geht, die an diesem Freitag erscheint, damit halten sich die beiden noch zurück. Nur so viel wird erraten: Harry Ossmann moderiert jeden Dienstagabend um 20.05 Uhr eine Radiosendung, in der er seinen Anrufern gute Ratschläge gibt. Als sich der junge Emile bei ihm meldet, kommt Ossmann sehr schnell aus dem Konzept. Ein nervenaufreibendes Duell beginnt.

"Wir wollen frischen Wind in die deutsche Hörspiellandschaft bringen", sagt Sirius Kestel. Klingt nicht bescheiden, kommt aber von einem, der schon mit elf Jugendradio machte. Kestel ("Natürlich hab‘ ich als Junge ,TKKG‘ oder ,Fünf Freunde‘ gehört") machte schon als Schüler erste Hörspiele und beschäftigt sich seither mit allen Aspekten der Tontechnik. Im April hat der 26-Jährige in Ludwigsburg an der Filmhochschule sein Diplom als Filmtonmeister gemacht.

Zuvor hatte er beim Sichern alter Daten noch einmal frühere Konzepte für mögliche Produktionen durchgeschaut. "Mir fiel ein Satz ins Auge, und auf einmal wusste ich: Daraus will ich etwas machen." Und wie hieß der Satz? Kestel gibt nur so viel preis: "Ein Mann steht auf einem Hochhaus. . ." Aber er verrät, das ihm klar gewesen sei, mit wem er die Idee realisieren will: "Mir fiel Diddi Meyer ein, ich hab’ ihn im gleichen Moment angerufen."

Meyer und Kestel kennen sich aus dem Fürther Jugendmedienzentrum Connect, gemeinsam arbeiteten sie an mehreren Kurzfilmen. Diddi Meyer studierte Theater- und Medienwissenschaft sowie Soziologie, lernt derzeit an einer Berufsfachschule für Musik in Nürnberg und hat bereits mehrere Drehbücher geschrieben, unter anderem zu "Mordsmäßig", Sieger beim Mittelfränkischen Jugendfilmfestival. Mit Hörspielen hat sich der 23-Jährige bislang nicht beschäftigt: "Das war alles relativ neu für mich."

Das Ziel war ein Film ohne Bilder

An die Arbeit für "Fünf nach Acht" machte sich Diddi Meyer zunächst während seines Auslandssemesters in Kanada, in Costa Rica schrieb er dann das Script. Das Ziel hieß für ihn, "einen Film ohne Bilder" in Szene zu setzen. Alles soll im Kopf des Zuhörers Gestalt annehmen — und das ganz ohne klassische Mauerschau. Als Konsequenz aus diesem Ansatz kommt das Team fast komplett aus der Filmbranche: "Wir haben zum Beispiel keine klassischen Hörspielsprecher", sagt Kestel.

Emile, den jungen Mann, der sich im Rundfunkstudio meldet, spricht Sven Gielnik (25), der seit seinem Kino-Debüt in "Die Wolke" in vielen Filmen und TV-Reihen wie "Tatort" zu sehen war. Den Part des Radiomoderators hat Tobias Häusler übernommen, der exakt diesen Beruf beim WDR ausübt. Aus der Region kommt der Schauspieler Gerd Beyer, der unter anderem im Gostner Hoftheater Nürnberg arbeitet. Fürs Stadttheater Fürth hat er mehrere Klassenzimmer-Produktionen inszeniert und stand beim jüngsten Weihnachtsstück "Pünktchen und Anton" hier auf der Bühne.

Auf der Suche nach einer ganz besonderen Stimme fiel irgendwann bei Kestel und Meyer der Satz: "Der müsste wie Neville Longbottom klingen." Kurzentschlossen meldeten sie sich bei Matthias Kick, der in den ersten drei Harry-Potter-Filmen den Hogwarts-Schüler sprach. Kick, der mittlerweile auch als DJ bekannt ist, sagte zu und ist bei "Fünf nach Acht" dabei.

Am Freitag erscheint die CD

Wie sieht es mit der finanziellen Seite aus? Sirius Kestel beschreibt es so: "Das hat eine Stange Geld gekostet." Das Honorar läuft "auf Gewinnbeteiligungsbasis", sagt er. "Alle haben mitgemacht, weil sie das Projekt cool finden. Was uns im Vorfeld sehr bekräftigt hat." Der Ludwigsburger Hörspielverlag "Wolfy-Office" wurde als Label und Vertriebspartner gewonnen. 

Diddi Meyer und Sirius Kestel freuen sich jetzt auf "Hörer, die nicht nebenbei hören und den Stoff als kontroverse, diskussionswürdige Erwachsenengeschichte aufnehmen."

Bestellt werden kann "Fünf nach Acht" im Buchhandel und bei Online-Anbietern. Direkt zu haben ist die Audio-CD (ISBN: 978-3964434081) ab Freitag bei der Buchhandlung Edelmann (Fürther Freiheit 2 A). 

SABINE REMPE

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