Sonntag, 29.03.2020

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Fürth auf dem Weg zur Inklusion: Neue Broschüre

Wegweiser für Menschen mit Behinderung soll übersichtlich daherkommen - 21.02.2020 21:00 Uhr

„Sie werden behindert“: Damit Behindertenstellplätze seltener von den Falschparkern belegt werden, wurden sie 2019 mit leuchtend blauer Farbe markiert. © Wolfgang Händel


Übersichtlichkeit geht vor Vollzähligkeit. Nach diesem Grundsatz ist der neue Wegweiser für Menschen mit Behinderung entstanden. "Die vorherige Version hat einen fast erschlagen mit Informationen", begründet Verena Satzinger die Reduzierung aufs Wesentliche.

Als Mitarbeiterin von Nina Brötzmann, der Fürther Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung, hatte Satzinger vor fast einem Jahr mit der Recherche für das Übersichtswerk begonnen. Herausgekommen sind gut 90 Seiten, die Siegfried Reimann vom Behindertenrat mit zwei Worten adelt: "Wunderbar gemacht."

Neben allgemeinen Informationen zu Beratung, Interessenvertretung oder Selbsthilfe bietet das handliche Werk Hinweise zu Handlungsfeldern wie Bildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit oder Alltag und Freizeit. Die entsprechenden öffentlichen wie privaten Stellen sind in der Regel mit Adresse, Telefonnummer und Homepage aufgezählt. Piktogramme ermöglichen außerdem einen schnellen Überblick darüber, inwieweit die Örtlichkeiten und Einrichtungen barrierefrei zu erreichen sind.

Ein Menschenrecht

Sozialreferentin Elisabeth Reichert begrüßt den Wegweiser als weiteren Schritt zur Inklusion. Diese sei keine moralische Verpflichtung, sondern schlicht ein Menschenrecht. "Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert", bringt es Reichert auf den Punkt. Und die Zahl der Betroffenen ist größer als mancher glaubt.

So weist die letzte Statistik aus dem Jahr 2016 über 19.000 Fürtherinnen und Fürther mit einem Behinderungsgrad von mindestens 30 Prozent aus. Leider gebe es noch immer zu viele Strukturen in Stadt und Gesellschaft, die diese Bürger daran hindern am täglichen Leben teilzuhaben, so Reichert. Der mit einer Auflage von 5000 Exemplaren gedruckte Wegweiser solle dazu beitragen, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. "Jeder sollte ihn einmal in die Hand nehmen und darin blättern", sagt Verena Satzinger. Ziele seien nicht nur Barrierefreiheit und Inklusion, sondern "Begegnung, Austausch und Spaß".

Das Informationsheft ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Stadt und Lebenshilfe, die in den Aktionsplan Inklusion "Fürth für alle" mündete. Über 120 Einzelmaßnahmen wurden seinerzeit in Workshops konzipiert, der Wegweiser ist eine davon. Andere sollen folgen. "Wir wollen davon alles, was möglich ist, umsetzen", macht Michaela Vogelreuther, Leiterin des Amts für Soziales, Wohnen und Seniorenangelegenheiten, deutlich.

Der Wegweiser für Menschen mit Behinderung ist unter anderem im Rathaus, verschiedenen Ämtergebäuden und der Fachstelle fübs kostenlos erhältlich. Auf der Internetseite der Stadt soll er demnächst zum Herunterladen bereit stehen.

Armin Leberzammer

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