Mittwoch, 05.05.2021

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Fürth dankt ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern

Fest in der Mevlana-Moschee - Hilfsbereitschaft bleibt beachtlich - 24.10.2017 21:00 Uhr

Auch beim gemeinsamen Kochen im Haus der Volkshochschule werden Vorurteile überwunden und die Integration gefördert.

23.10.2017 © Foto: vhs


Noch rund 500 Menschen kümmern sich in Fürth auf vielfältige Weise um die noch etwa 1000 Flüchtlinge in der Stadt. "Ein Riesenschatz für die Stadt", wie Oberbürgermeister Thomas Jung sagt. Zum dritten Mal schon veranstaltete die Stadt einen Dankeschön-Abend für die Helfer und brachte dabei einmal mehr zum Ausdruck, dass sie große Stücke auf diese bürgerschaftliche Willkommenskultur hält. Nach der Comödie und dem VIP-Bereich des Ronhofs kam man nun also im Quartier des türkisch-islamischen Kulturzentrums zusammen. Ein angesichts des politisch angespannten Verhältnisses mit der Türkei nicht unproblematischer Schauplatz.

Doch auch hier demonstriert Fürth Überlegenheit über Anfeindungen. In einer Erklärung, die Sozialreferentin Elisabeth Reichert eingangs der Feier im Beisein des türkischen Konsuls aus Nürnberg verlas, betont der Vorstand des Kulturzentrums, dass ihm die Integration der Muslime in die hiesige Gesellschaft wichtiger sei als die Politik und dass ihn die Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei mit Sorge erfüllen.

Mehrere 100 Flüchtlinge unterschiedlicher Religionszugehörigkeit werden nach Reicherts Angaben von Ehrenamtlichen des Kulturzentrums unterstützt. Inzwischen steht allerdings nicht mehr die Nothilfe für mittellose Neuankömmlinge im Fokus, sondern die Integration. Und es passt Willkommenskultur in Fürth, die auch überregional als vorbildlich wahrgenommen wurde, dass bereits einige ehemalige Flüchtlinge dem Helferkreis angehören.

In sechs Arbeitsgruppen kümmern sich die Helfer um die Schwerpunkte Wohnen, Gesundheit, Bildung, sozialer Zusammenhalt, Qualität des Ehrenamtes und Integration in Regelangebote. Zu den neuen Projekten gehört die vom Bayerischen Sozialministerium unterstützte Ausbildung von Integrationslotsen im Freiwilligenzentrum. Die ersten zehn Teilnehmer haben nach einer viertägigen Schulung dieser Tage bereits ihr Zertifikat erhalten — darunter auch drei junge Flüchtlinge aus Syrien. Als Koordinator fungiert der kommunale Integrationsmanager Richard Linz.

Netzwerk im Stadtteil

Auch der Aufbau von Netzwerken aus verschiedenen Hilfseinrichtungen in Stadtteilen mit einem größeren Anteil sozial schwacher Bewohner soll dazu beitragen, dass das Miteinander aller gelingt und sich niemand benachteiligt fühlt. An einer ersten Fachtagung im September haben sich 80 Helfer beteiligt. Das Konzept soll am morgigen Mittwoch dem Stadtrat vorgestellt werden.

Auf die Herausforderung der Fluchtbewegung hat die Stadt im März bereits mit der Formulierung von neun Integrationsleitsätzen reagiert. Und eine Fürther Stiftung stellte zur Umsetzung der Vorgaben 10 000 Euro für 20 Projekte bereit. "Wenn man die Menschen näher kennen lernt, dann ist man nicht mehr so vorurteilsbeladen", beschreibt die Sozialreferentin eine Voraussetzung für das Miteinander. Im Hinblick auf die Situation der Flüchtlinge betont Jung an die Adresse der vielen ehrenamtlichen Helfer: "Nicht die Behörden, sondern in erster Linie Sie haben mit ihrem Einsatz dafür gesorgt, dass das Problem bewältigt werden konnte." Auch die Integration könne nur dann funktionieren, wenn die Ehrenamtlichen dabei bleiben. Bislang, so erläutert Reichert, hätten neue Freiwillige die Abwanderung von Helfern immer noch ausgleichen können.

Mächtig ins Zeug gelegt haben sich die Angehörigen des türkisch-islamischen Kulturzentrums für die Bewirtung der rund 160 Gäste. Ein opulentes Büfett stand bereit, und der türkische Musiklehrer Ali Kemal sorgte mit seinen Songs und seiner Gitarre für Unterhaltung. Die Harmonie der Feier in der guten Stube der Fürther Türken übertönte einen Abend lang sogar die außenpolitischen Dissonanzen.

VOLKER DITTMAR

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