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Fürth soll neues Uni-Institut bekommen

Gute Nachricht mit Verspätung: Stadt profitiert wohl doch vom Geldregen des Freistaats - 14.08.2014 06:00 Uhr

Die Werkstoffwissenschaftler in der Fürther Uferstadt - hier Doktoranden bei der Forschungsarbeit - sollen Zuwachs bekommen. © Archivfoto: Horst Linke


Der OB beschreibt als regelrechten Schock, was er bei Ansicht der Projektliste in unserer Zeitung am Mittwoch empfand, „fassungslos“ sei er gewesen, seinen Augen mochte er kaum trauen: Als während der Kabinettssitzung in Nürnberg verkündet wurde, wer in Nordbayern vom warmen Münchner Geldregen für Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur profitieren wird, kam „jedes Kuhdorf“ vor, wie Jung im ersten Ärger schimpfte – doch von Fürth kein Wort.
Im hiesigen Rathaus rotierte man umgehend, kontaktierte ungehalten die Staatsregierung – und bekam schon bald Entwarnung aus dem Finanzministerium signalisiert: Im Bulletin, das man öffentlich gemacht hatte, sei Fürth nur versehentlich nicht aufgeführt worden – in der Projektliste aber komme die Stadt gleich zweimal vor: mit dem Bayerischen Polymerinstitut (BPI) und dem Gründer- und IT-Zentrum Nürnberg-Fürth.

„Verlässliche Unterstützung“

Man danke „dem fränkischen Finanz- und Heimatminister Markus Söder ausdrücklich für diese Entscheidung und die verlässliche Unterstützung“, ließ Jung daraufhin am Montag höflich wissen. Die peinliche Panne, die „zuvor irrtümlich unterbliebene Weitergabe der Standortentscheidungen für Fürth durch den Ministerrat“, spiele nun, da die Freude überwiege, „keine Rolle“ mehr.

Was genau für Fürth herausspringt, scheint allerdings noch nicht ganz klar, wie eine Nachfrage der FN ergab. Insbesondere die Nachricht, das „Gründer- und IT-Zentrum“ in Nürnberg und Fürth anzusiedeln, kommt wohl durchaus überraschend, denn bisher war nur Nürnberg als Standort im Gespräch. Er könne noch nicht viel dazu sagen, bekannte der Fürther Wirtschaftsreferent Horst Müller, er sei gerade dabei, sich in dieser Angelegenheit schlau zu machen.

Wenig zur Klärung trug auch eine Nachricht vom Montag bei: Ihr zufolge haben Nürnberger Stadträte inzwischen vom bayerischen Wirtschaftsministerium erfahren, dass für besagtes Gründerzentrum, ob nun in Nürnberg oder in Fürth, derzeit gar kein Geld im Staatshaushalt zur Verfügung stehe. Es werde wohl deshalb längere Zeit bei der Ankündigung bleiben, unken die Genossen in der Nachbarstadt.

Mehr Informationen gibt es zum für Fürth weit wichtigeren Polymerinstitut: Auf mehrere Standorte in Bayern soll es verteilt werden, einer davon sei in der Fürther Uferstadt vorgesehen – zusätzlich zu den dort schon ansässigen Materialforschungseinrichtungen. Diese befassen sich mit Kohlenstoffen und Metallen, hinzu kämen nun die Kunststoffe.

„Damit ist die gesamte Palette der wesentlichen Materialforschungen in Fürth konzentriert“, jubelt der OB. Gemeinsam mit der Röntgentechnologie und der zerstörungsfreien Materialprüfung des Fraunhofer-Instituts im Golfpark Atzenhof könne sich die Kleeblattstadt deshalb „in diesem Bereich weiter in der europäischen Spitzengruppe etablieren“.

Wie es in einem Konzept der drei beteiligten Universitäten Bayreuth, Erlangen-Nürnberg und Würzburg heißt, soll an der Entwicklung „multifunktioneller Polymere und polymerer Leichtbauwerkstoffe“ – also im weitesten Sinn Kunststoffe – sowie neuen Verarbeitungsprozessen gearbeitet werden. Diese könnten erhebliche Fortschritte in den Bereichen Klimawandel, Energie, Gesundheit und Kommunikation bringen. In einem Wissenschaftsverbund sollen Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler und Ingenieure kooperieren.
Über Zeitplan und Finanzierung ist der Stadt noch nichts bekannt.

 

WOLFGANG HÄNDEL

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