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Fürth würde Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer aufnehmen

Die Seebrücke will von der Kleeblattstadt aus gegen das Ertrinken kämpfen - 10.07.2019 05:13 Uhr

Woche für Woche sterben auf dem Mittelmeer Menschen, die aus ihren Ländern flüchten. © Olmo Calvo/AP/dpa


Das Bündnis wählt ganz bewusst drastische Worte: "Das Sterben nimmt kein Ende", schreibt die Seebrücke Fürth und nennt Zahlen: Täglich kämen sechs Menschen im Mittelmeer ums Leben, deshalb wolle man "nicht länger zuschauen und schweigen".

In der Kleeblattstadt gibt es die Seebrücke erst seit Juni, doch ihr Anliegen, Geflüchtete vor dem Ertrinken zu retten, bewegt zahlreiche Menschen. "Nach kurzer Zeit haben wir schon viele Unterstützer gefunden", lässt das Bündnis in einer Pressemitteilung wissen. Neben Parteien wie den Grünen, den Linken und Die Partei zählen dazu auch Organisationen wie das Fürther Friedensforum, das Haus Frieden, das Bündnis gegen Rechts, das Sozialforum und der Protestgarten.

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Die Seebrücke organisierte am Samstagnachmittag am Rathausplatz eine Demonstration. Die Teilnehmer forderten sichere Häfen für Flüchtlinge statt menschenverachtender Politik.


Doch damit geben sich die Aktivisten nicht zufrieden. Sie suchen noch mehr Mitstreiter "aus allen Bereichen des Lebens": natürlich Privatleute, aber auch Firmen, weitere Organisationen und Parteien sowie Künstler und Musiker. Vorrangig gehe es um ein Statement – darum, mit dem eigenen Namen für die humanitären Ziele der Seebrücke zu stehen. Obendrein seien auch "Sach- und kleine Geldspenden" willkommen sowie Ideen für "kreative Aktionen" in der Öffentlichkeit. Apropos: Für den 26. Juli ist um 17 Uhr eine Demonstration geplant. Startpunkt ist der Dreiherrenbrunnen in der Fußgängerzone.

Sicherer Hafen

Dass sich Fürth bereits im Februar – wie inzwischen viele deutsche Kommunen – per Stadtratsbeschluss zum "sicheren Hafen" erklärt hat, begrüßt das Bündnis ausdrücklich. Damit signalisierte das Rathaus, Geflüchtete aus der Seenotrettung aufnehmen zu wollen. Die Seebrücke möchte die Stadt dabei unterstützen, "diesem Beschluss Taten folgen zu lassen".


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Doch so einfach ist das gar nicht, auch wenn die Bundesrepublik bereits die Absicht erklärt hat, einen großen Teil der Menschen aufzunehmen, die sich zuletzt auf den Schiffen "Sea-Watch 3" und "Alan Kurdi" befunden haben. "Wir können nicht einfach einen Bus nach Italien schicken und diese Leute abholen", sagt Fürths Sozialreferentin Elisabeth Reichert. Die Zuweisung innerhalb Deutschlands verlaufe nach einem festen Schlüssel. Zunächst würden die Menschen auf die Bundesländer verteilt, innerhalb Bayerns dann auf die sieben Regierungsbezirke.

Sollten dann tatsächlich einzelne Geflüchtete aus der Seenotrettung nach Mittelfranken kommen, sei es Aufgabe der Bezirksregierung, diese jenen Städten zuzuweisen, die sich – wie Fürth – bereit erklärt haben, zusätzlich zur offiziellen Verteilungsquote von Migranten auch Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Die Bezirksregierung wisse, beteuert Reichert, dass sie in diesem Fall auf Fürth zählen kann. Mehr könne man bis jetzt kaum tun.

Ein Versäumnis

Allerdings erstaunt es, dass Fürth nicht auf der Internetseite www.seebruecke.org unter den bayerischen Städten erscheint, die sich zum sicheren Hafen erklärt haben. Genau das hatte der Stadtrat im Februar doch beschlossen? Ein Versäumnis, sagt Reichert. Sie habe wegen eines Trauerfalls Anfang des Jahres mehrere Wochen lang gefehlt, da sei das wohl liegengeblieben. Das Rathaus habe aber jetzt alles in die Wege geleitet, "damit unsere Absicht auch auf dieser Homepage sichtbar wird". 

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