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Fürth zieht Zügel an

Stadt verbietet Kunststofffenster an Baudenkmälern - 18.04.2009

Die Altbausanierung - wie hier am Schießplatz - hat im mit Baudenkmälern reich gesegneten Fürth noch immer Konjunktur. Bei der Fensterwahl kennt die Stadt nun kein Pardon mehr. © Thomas Scherer


Der Bauausschuss hat einen unter Oberbürgermeister Wilhelm Wenning (CSU) gefassten Beschluss von 1996 revidiert, der Kunststofffenster in denkmalgeschützten Gebäuden ausdrücklich zugelassen hatte. Damit hatte sich Fürth umgehend den Groll des Landesamtes für Denkmalpflege eingehandelt. Drei Gebietsreferenten liefen gegen die landesweit außergewöhnlich freizügige Regelung Sturm.

Mit dem Hinweis auf entsprechende Gerichtsurteile gelang dem jetzigen Gebietsreferent, Oberkonservator Uli Walter, der Durchbruch. Seine Mahnung, dass sich die Denkmalstadt Fürth mit dem Tolerieren von Kunststoff «außerhalb des Denkmalschutzgesetzes und letztlich der rechtsstaatlichen Ordnung» stellt, ließ im Baureferat die Alarmglocken schrillen. Als sich im Landtag dann auch noch das Wissenschaftsministerium hinter die Forderung nach Holzfenstern stellte, wurde kräftig zurückgerudert.

Erleichtert über die Wende ist vor allem Stadtheimatpfleger Alexander Mayer, der seit Amtsantritt 2004 noch bei jeder Stellungnahme zum Einbau von Kunststofffenstern an Baudenkmälern sein Veto eingelegt hatte. Stereotype Begründung: Aufteilung, Profil und Material der neuen Fenster entsprächen nicht dem historischen Vorbild. Meist war der Einwand jedoch erfolglos, da er für die Stadt keinen bindenden Charakter hat.

«Kunststoffprofile sind in der Regel nicht so feingliedrig wie Holzrahmen und fügen sich nicht so gut ins Gesamtbild von Altbauten», erläutert Mayer. Das Argument, Kunststoff sei haltbarer und daher preiswerter als Holz, lässt Mayer nicht gelten. Noch sei überhaupt nicht erwiesen, dass Kunststoff wirklich dauerhafter ist. Es gebe zudem sehr robuste Holzarten wie Lärche sowie Anstriche, die nicht mehr so schnell verwitterten wie früher.

Da pflichtet ihm Ralf Röder, Technischer Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, bei. Gleichwohl nimmt er die bisherige Fürther Praxis in Schutz: «Wir haben halt einen Kompromiss gesucht zwischen den Wünschen der Altbau-Sanierer und des Denkmalschutzes.» Für den Stadtheimatpfleger war Fürths Alleingang schon immer «unglaublich».

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt auch nach der Kurskorrektur: Alle bisher genehmigten Kunststofffenster an Baudenkmälern können bleiben. Bestandsschutz nennt man das, und der gilt schließlich auch bei Ladenreklame, die von der Stadt – wie berichtet – ebenfalls im Sinne der alten Bausubstanz neu reglementiert wurde. Dass die Stadt nach Schwabacher Vorbild den Bestandsschutz in Frage stellt, damit rechnet der Fürther Heimatpfleger nicht.

Röder wiederum sieht die Neuerung gelassen. Er befürchtet keine Proteststürme der Altbau-Sanierer. Der Ärger werde wohl nicht so heftig werden wie der über die neuen Vorschriften für Werbeanlagen der Geschäftsleute. Hier wie dort gilt allerdings: Wer ohne Genehmigung Umbauten vorgenommen hat, muss diese wieder entfernen. Der Mann von der Gebäudewirtschaft wirbt bei Bauherren um Verständnis: «Fürth nennt sich stolz Denkmalstadt, da ist es doch nur recht und billig, wenn wir einen gewissen Qualitätsstandard setzen.» 

Volker Dittmar

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