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Fürther Busse: Weniger Fahrgäste und viele Verspätungen

Linke: Teure Ticketpreise schrecken ab - Warten auf ein Beschleunigungskonzept - 10.12.2014 11:00 Uhr

Ärgern sich die Kunden über die Ticketpreise oder die verspäteten Busse? Bei der infra kann man bislang nur spekulieren. Von der Neuen Mitte erhofft man sich einen Schub.

08.12.2014 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Die Fahrgast-Zahlen wurden bereits im Sommer im Bau- und Werksausschuss präsentiert, damals waren sie eher Nebensache. Sie waren enthalten in einer Studie, die sich mit der chronischen Verspätung der Fürther Busse beschäftigte und mit der Frage, was zu tun ist, damit sich die Kunden wieder auf die Fahrpläne verlassen können.

Die Statistik ist den Linken in Erinnerung geblieben, die Entwicklung scheint eindeutig: Die Zahl der in Fürther Bussen beförderten Personen war demnach jahrelang stabil, bis sie plötzlich von 20.288.000 Fahrgästen im Jahr 2010 auf 17.319.000 Fahrgäste im folgenden Jahr sank. 2013 waren es dann nur noch 17.196.000 Personen. Auch die Zahl der Fahrten pro Einwohner nahm ab: von 177 auf 141. Die Ursache ist für die Linken klar: Die Ticketpreise seien schuld daran, dass die Busse weniger genutzt werden.

Bei der infra sieht man das nicht so. Er habe noch keinen Beleg dafür, dass sich die Preissprünge auf die Fahrgastzahlen ausgewirkt haben, sagt Klaus Dieregsweiler, der Leiter der infra Verkehrssparte, auf FN-Nachfrage. Mehr noch: Für ihn ist noch nicht einmal klar, dass die Fahrgastzahlen so deutlich gesunken sind. Die Experten, die im Auftrag der Stadt die Studie anfertigten, hätten sich auf Verkaufsdaten gestützt, erklärt Dieregsweiler. Diese Zahlen aber seien ungenau. Für Monatstickets etwa werde immer ein bestimmter Durchschnittswert an Fahrten angenommen. Der Wert sei möglicherweise überholt.

Bei der infra stützt man sich dagegen auf eigene hochgerechnete Fahrgastzählungen – die allerdings, wie Dieregsweiler zugibt, auch „mit einigen Unschärfen behaftet sind“. Präzise, von einem Gutachter abgesegnete Zahlen gebe es stets erst Jahre später, heißt es. Dennoch zeigt auch die Statistik der infra, dass in den vergangenen Jahren weniger Menschen in die Busse stiegen. Die Nutzung der U-Bahn hingegen blieb seit 2010 stabil.

Dieregsweiler vermutet daher andere Gründe hinter dem Rückgang als die Ticketpreise. Während das U-Bahn-Angebot in den vergangenen Jahren ausgeweitet wurde, sei das Bus-Angebot beschnitten worden. Strecken wurden verändert, vielerorts fungiert der Bus als Zubringer zur U-Bahn. Auf dem Abschnitt zwischen Rathaus und Klinikum beispielsweise seien früher viel mehr Busse verkehrt als heute. „Man hat gedacht, wenn man die U-Bahn verlängert, kann man den Bus verkürzen“, sagt er, aus seiner Sicht sei das nicht richtig gewesen. Buslinien spielten für die innerstädtische Erschließung eine größere Rolle als die U-Bahn, meint er.

Man kann freilich auch einen anderen Schluss ziehen: Möglicherweise hat das innerstädtische Einzelhandelsangebot, das sich verschlechterte, weniger Menschen angelockt. Dieregsweiler rechnet damit, dass der Busverkehr von der Neuen Mitte profitiert. „Alles andere wäre sträflich.“

Darüber hinaus dürften sich manche auch angesichts der regelmäßigen Verspätungen auf allen Fürther Buslinien das Busfahren abgewöhnt haben. Ein „nachvollziehbares“ Ärgernis, so Dieregsweiler, das die infra unbedingt aus der Welt schaffen will. „Deshalb war die Schwachstellenanalyse für uns so wichtig.“ Jene Studie, die im Sommer im Bauausschuss vorgestellt wurde.

Für die Verspätungen der Busse gibt es laut infra verschiedene Gründe: die vielen Baustellen; die gestiegene Einwohnerzahl, die zur Folge hat, das mehr Autos auf den Straßen sind; und fehlende Möglichkeiten, dem Busverkehr Vorrang zu gewähren, etwa durch Busspuren oder sogenannte „intelligente Ampeln“, die mit Hilfe von Sensoren erkennen, wenn sich Busse nähern und auf grün schalten.

Die Schwachstellenanalyse zeigte, dass – wie erwartet – Hauptverkehrsadern wie die Königstraße, die Schwabacher oder die Popppenreuther Straße die größten Verzögerungen bescheren. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, um die Probleme zu beheben, soll ein Beschleunigungskonzept zeigen, das die Stadtverwaltung nach dem Willen des Bauausschusses in der nächsten Zeit erarbeiten soll.

Claudia Ziob

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