Schwierige Feindesliebe

Fürther Dekan: Wäre ich Papst, würde ich mich auf den Weg in die Ukraine machen

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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18.3.2022, 14:15 Uhr
Der katholische Fürther Dekan André Hermany zur schwierigen Liebe zu Putin und einer Papst-Reise in die Ukraine.

© Hans-Joachim Winckler, NN Der katholische Fürther Dekan André Hermany zur schwierigen Liebe zu Putin und einer Papst-Reise in die Ukraine.

Herr Hermany, die Deutsche Bischofskonferenz hat kürzlich erklärt, Rüstungslieferungen an die Ukraine seien grundsätzlich legitim. Wie kam das bei Ihnen an?

Die klare Aussage der Bischöfe, dass jedes souveräne Land das Recht hat, sich notfalls auch mit Waffengewalt zu verteidigen, hat mich total überrascht. Denn demgegenüber steht das biblische Wort: Wenn dir einer auf die eine Wange schlägt, halt ihm auch die andere hin.

Die Kirchenleute haben in ihrer Erklärung allerdings eingeschränkt, dass die Kirche der Gewaltlosigkeit Jesu verpflichtet ist, und sie rufen diejenigen auf, die über Waffenexporte entscheiden, "präzise zu bedenken, was sie damit aus- und möglicherweise auch anrichten". Also was: Waffengewalt ja oder nein?

Ich bin froh, dass die Bischofskonferenz ein Aber hinzugefügt hat, indem sie die Entscheidungsträger ermahnt, zu bedenken, dass sie die Spirale der Gewalt damit antreiben. Es ist und bleibt eine Zwickmühle, der Widerspruch scheint mir hier unauflösbar. Wir Christen reden von Feindesliebe, aber es fällt sehr schwer, einen Putin zu lieben. Ich stoße da an meine Grenzen.

Töten für den Frieden? In Lwiw, Ukraine, stehen am 15. März ukrainische Soldaten während einer Trauerfeier in einer Kirche mit weiteren Personen um den Sarg eines ukrainischen Militärangehörigen, der im Einsatz ums Leben kam.

Töten für den Frieden? In Lwiw, Ukraine, stehen am 15. März ukrainische Soldaten während einer Trauerfeier in einer Kirche mit weiteren Personen um den Sarg eines ukrainischen Militärangehörigen, der im Einsatz ums Leben kam. © Bryan Smith, dpa

Der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill hat sich auf Putins Seite geschlagen. Die katholischen Bischöfe haben sich gegen seine Versuche gewandt, den russischen Einmarsch in das Nachbarland zu verteidigen. Verwegener Gedanke: Was hielten Sie von einer Papst-Reise in die Ukraine, auch wenn die römisch-katholische Kirche dort nur eine untergeordnete Rolle spielt?

Der Papst in der Ukraine? Das wäre ein unglaubliches Zeichen...

... zu verstehen als Zeichen des Friedens wie die Friedenstaube, nicht als konfessioneller Affront.

Natürlich. Ich vermute, Papst Franziskus würde so etwas aus Sicherheitsgründen nicht tun. Aber wenn Sie mich so fragen... Ich fand es ja schon ein tolles Zeichen, dass die Ministerpräsidenten von Polen, Tschechien und Slowenien die gefährliche Reise nach Kiew auf sich genommen haben. Ja, es wäre ein starkes Signal. Ich sage es mal so: Wäre ich Papst, ich würde mich auf den Weg machen.

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