Freitag, 20.09.2019

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Fürther Elektronik-Experte zieht den Stecker

Tüftler-Laden B + D muss wegen fehlender City-Center-Laufkundschaft schließen - 27.03.2018 21:00 Uhr

Seit 1979 an Bord: Andreas Hübner erlebte bereits die Anfänge von B+D Eletronic in der Amalienstraße mit. 2001 übernahm er das Geschäft in der Königstraße neben dem Heinrich-Schliemann-Gymnasium. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Als Andreas Hübner angefangen hat, war er 19. Jetzt ist er 57 Jahre alt. Er stieg als Lehrling bei B+D Electronic ein. Das war 1979, ein Jahr, nachdem Peter Barisch, ein Radio- und Rundfunktechniker, und Erich Duschner, ein Elektromeister, den Betrieb gegründet hatten.

Die ersten Buchstaben der Nachnamen der Gründer, kombiniert mit den anglizistischen Cs im Zusatz "Electronic", gaben einem Laden den Namen, der alles anbot: von der Steckdose über Rundfunkzubehör, Radio- und TV-Geräten bis hin zu elektronischen Bastelartikeln aller Art. Standort war ursprünglich die Amalienstraße 19.

Andreas Hübner, der einen Teil seiner Kindheit in Großhabersdorf verbracht hatte, wollte eigentlich den Beruf des Elektronikers erlernen. "Aber dann wurde ein Einzelhandelskaufmann draus." In der kleinen Werkstatt hinter dem Verkaufsraum reparierte Peter Barisch damals noch Radiogeräte und Röhrenfernseher, Hübners anderer Chef, Erich Duschner, war viel in Sachen Installationen unterwegs. "Also hab’ ich im Laden die Stellung gehalten."

Er hielt sie 40 Jahre lang. Nach Abschluss der Lehre blieb er als Angestellter, und 2001 übernahm er das Geschäft, aus dem Duschner bereits ausgestiegen und das zu dem Zeitpunkt schon fast 20 Jahre direkt neben dem Heinrich-Schliemann-Gymnasium beheimatet war.

"Sinnloses Zeug"

Auch hier, in der Königstraße 107, gibt es eine Werkstatt. Aber oft gebraucht wurde sie nicht mehr. Denn, so erzählt Hübner: "Ab Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre kamen Reparaturen aus der Mode."

Ein wichtiges Geschäftsfeld wurde in den achtziger Jahren der CB-Funk. Andreas Hübner erinnert sich an "endloses Gequatsche von Leuten, die sich ,Sigmar’ nannten oder ,Hero‘", über "sinnloses Zeug" auf Kanälen, die die Deutsche Post freigeschaltet hatte. Die Bastler, die Sprechfunkgeräte in ihren Opel Kadett und Zusatzantennen an Kofferraumdeckel pfriemelten, sagt er, besorgten sich die nötigen Bauteile bei B+D Electronic. Und ähnlich sei das mit den ersten Computerfreaks gewesen, die sich ihre PCs aus Steckkarten, Mainboards, Prozessoren und Speicherbausteinen selbst zusammenschraubten. "Interessierte Studenten, die sich für kleines Geld was bauen wollten.

Das City-Center spülte auch dem Fachgeschäft auf der anderen Seite der Königstraße einst Kundschaft zu. Doch mit dem langsamen Sterben des Einkaufszentrums, sagt Hübner, lief auch für ihn das Geschäft immer schlechter. "Und heute kann man nicht mehr davon leben."

Deshalb und aus gesundheitlichen Gründen hört Andreas Hübner jetzt auf. Noch ist der Laden voll mit Klinken- und Bananenbuchsen, Cinch-Steckern, Kabeln, Batterien und Widerständen aller Art. Andreas Hübner hofft, dass er noch Abnehmer findet für seine Schätze, deren Wert nur Kenner ermessen können, oder dass er einen Nachfolger findet. Er hat sich arbeitssuchend gemeldet und wünscht sich vor allem einen Job, der ihm Zeit lässt für sein großes Hobby, das Vespa-Fahren.  

Birgit Heidingsfelder

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