Fürther Erfolgsmodell macht Schule

3.3.2011, 19:00 Uhr
In Fürth kümmert sich das Palliativ-Care Team um schwerstkranke Menschen.

In Fürth kümmert sich das Palliativ-Care Team um schwerstkranke Menschen. © Oliver Berg/dpa

167 Patienten wurden von den sechs am Projekt beteiligten Ärzten und den sieben Pflegekräften ambulant versorgt. Das waren mehr als ursprünglich erwartet. Schließlich hatte man gänzlich auf Werbung verzichtet. Von einer Punktlandung spricht der ärztliche Leiter Dr. Roland Martin Hanke.

Als erste Organisation ihrer Art in Bayern hatte das vom Personalwohnheim des Fürther Klinikums aus operierende Team vergangenes Jahr einen kassenübergreifenden Vertrag zur jetzt gesetzlich vorgeschriebenen, spezialisierten ambulanten Palliativversorgung unterzeichnet und auf Anhieb ohne Übergangsregelungen umgesetzt. Sämtliche Mitarbeiter verfügen über die nötigen Qualifikationen, Dienstautos, Diensthandys und I-Pads zur Online-Dokumentation ihrer Leistungen. „Unsere Software ist landesweit zum Vorbild geworden“, freut sich Hanke.

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass zehn Prozent aller Schwerstkranken speziell betreut werden sollen. In Fürth ist das nur mit Hilfe des Palliativ-Care Teams möglich. Die Patienten kommen je zur Hälfte aus Stadt und Landkreis. Eine gute Nachricht hatte Staatssekretärin Melanie Huml aus dem Bayerischen Gesundheitsministerium zu ihrer Stippvisite beim Fürther Team mitgebracht: Das Klinikum sei bereit, einen palliativmedizinischen Dienst und eine Palliativstation zuzulassen. Das wäre laut Hanke eine wichtige Ergänzung zur ambulanten Teamarbeit. Die meisten Kliniken im Freistaat verfügten bereits über Palliativstationen.

Das Fürther Team arbeitet eng mit den Haus- und Klinikärzten zusammen, die für ihre Patienten im Bedarfsfall eine Spezialversorgung bei den Kassen beantragen. Nur zwei Anträge wurden im ersten Jahr der Arbeit des Fürther Palliativ-Care Teams abgelehnt. In 37 Prozent der Fälle gab es eine Vollversorgung, bei 56 Prozent eine Teilversorgung. Der Rest verteilte sich auf Koordinationsleistungen und Beratungen. Die durchschnittliche Betreuungsdauer lag bei 20,6 Tagen.

Hervorgegangen ist die gemeinnützige GmbH in Fürth aus dem 1990 gegründeten Hospizverein. Verstärkt seit 2005 werden in Stadt und Landkreis Schwerstkranke betreut, um ihnen ein würdevolles Leben ohne unnötiges Leid zu ermöglichen – etwa durch gezielte Schmerztherapie. Aber auch mitleidende Angehörige werden fachkundig unterstützt.

Die meisten Patienten leiden an Krebs. Aber auch Erkrankungen des Nervensystems und der Atmung sind häufig. Da 60 Prozent der Einsätze im Landkreis geleistet werden, ergeben sich pro Versorgtem Fahrzeiten von 3,9 Stunden bei einer durchschnittlichen Strecke von 142 Kilometern. Insgesamt 1532 Einsätze schlugen im vergangenen Jahr zu Buche.

Das Palliativ-Care Team Fürth kann angefordert werden, sobald es um die häusliche Mitversorgung, unter anderem bei schwersten Schmerzen, unstillbarer Übelkeit und Atemnot, bei großen Krebswunden und ethischen Konflikten geht. Ansprechstelle ist das Büro am Fürther Klinikum. Über die zentrale Telefonnummer (0911) 27777055 wird die 24-Stundenbereitschaft der Ärzte und Pflegekräfte organisiert.

Palliativ-Care Team Fürth GmbH, Personalwohnheim II, 6. Stock, Klinikum Fürth, Jakob-Henle-Str. 1. E-Mail: buero@pct-fuerth.de, Homepage:www.pct-fuerth.de