Fürther Kinomacher zieht es nach Neumarkt

12.6.2011, 16:00 Uhr

© Hans-Joachim Winckler

Als die FN anrufen, weilt Alfred Ach gerade in Spanien. Urlaub? Weit gefehlt, der Fürther Kinomacher ist gerade bei Figueras, einem Hersteller von Bestuhlungen, zu Besuch. Die elegantesten Sitzgelegenheiten für Kinosäle werden hier produziert, schwärmt Ach, der nach eigenen Angaben zurzeit auf Einkaufstour ist. Von Spanien aus geht es weiter nach Amsterdam, in Sachen Kinotechnik will Ach dort verhandeln.

Nach einer Zeit, in der die geschäftliche Perspektive für ihn eher düster aussah, stecke er jetzt wieder voller Energie: „Ich fühle mich wie Mitte 20“, sagt der 56-Jährige. Von Liebe zum Kino und Leidenschaft spricht der Mann, dessen Fürther Kinobetrieb allerdings nur noch vor sich hin dümpelt. Denn klar ist: Der 1956 errichtete und 1978 zum Center mit vier Sälen umgestaltete Bau an der Breitscheidstraße bleibt nicht erhalten, wenn das Einkaufszentrum entsteht. Alternativen im Umfeld haben sich für Ach zerschlagen.

Der Kinochef wagt deshalb kaum mehr Investitionen. Dieses Jahr aber werde er auf jeden Fall noch durchhalten, was danach kommt: Man weiß es nicht. Zumindest nicht im Fall Fürth, doch dazu später mehr.

© Johnston



Anders sieht es im Fall Neumarkt aus. Dort wird der Stadtrat Anfang Juli entscheiden, wer den Zuschlag für den gewünschten Bau eines Multiplex-Kinos auf dem ehemaligen Bauhofgelände der 35000-Einwohner-Kommune bekommt. Ach hat die besten Karten, seit sich ein eigens für dieses Vorhaben gegründeter Arbeitskreis kürzlich für ihn und sein Konzept ausgesprochen hat. Sieben Säle mit 900 Plätzen sind vorgesehen, fünf Millionen Euro soll das moderne Filmtheater kosten. Auch die Finanzierung sei gesichert, betont Ach, wer der Geldgeber ist, verrät er aber nicht; das bleibe sein Geheimnis. Noch dieses Jahr soll der Startschuss fallen.

„Das Konzept steht“

Zurück nach Fürth, wo Ach trotz seines Ausflugs in die Oberpfalz ebenfalls am Ball bleiben möchte — „schließlich wohne ich hier und war hier immer sehr engagiert“. Deshalb will er nun in der Südstadt einen Kinopalast hochziehen — so groß wie in Neumarkt, mit digitaler Technik, drei 3D-Sälen, einem Open-Air-Kino und Multifunktionssaal. „Das Konzept steht“, sagt Ach, als Standort hat er das ehemalige Quelle-Retourenlager an der Leyher Straße ins Auge gefasst. Verhandlungen mit dem Besitzer, einem Fonds namens Segro, laufen.



Im Gegensatz zu seinem jetzigen Domizil, wo Ach den Parkplatzmangel wegen häufiger Feste auf der Freiheit und das „fehlende Entgegenkommen“ der Stadt beklagt, gebe es im Umfeld des Südstadt-Komplexes Platz für Autos in Hülle und Fülle. Weitere Pluspunkte sieht Ach in der Nähe zur Südwesttangente, über die der Landkreis angebunden ist, und zum Westen Nürnbergs.

Was Ach ankündigt, klingt überraschend vollmundig, sein Ziel hat er schon ins Visier genommen: Nürnbergs Kino-Mogul Wolfram Weber will er Kundschaft abjagen, die jetzt noch in dessen Cinecittà strömt. Vor allem die vielen Fürther darunter möchte Ach zurückholen.

Am Standort Breitscheidstraße habe er hingegen das Interesse verloren. War er vor zwei Jahren noch als Betreiber eines neuen Kinos im Gespräch, das der — später gescheiterte — Sonae-Sierra-Konzern in seinem Shopping-Center plante, so sind die Aussichten inzwischen deutlich schlechter geworden.

Dem Vernehmen nach spielen zwar auch Investoren, die derzeit im Auftrag der Stadt um den Bau des neuen Einzelhandelskomplexes an der Rudolf-Breitscheid-Straße wetteifern, noch mit dem Gedanken an ein Lichtspielhaus; aus Kostengründen aber gilt es als unwahrscheinlich, dass sie die Investition tatsächlich wagen.

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