Fürther Lebenslinien auf zwei Kontinenten

5.1.2017, 19:52 Uhr
Ein Fest, vier Generationen: Tevrat Bayazit und seine Frau Emriye (Mitte) — hier mit einem Teil ihrer Großfamilie — feierten eiserne Hochzeit. Er war 1969 als Gastarbeiter in den Westen gekommen.

Ein Fest, vier Generationen: Tevrat Bayazit und seine Frau Emriye (Mitte) — hier mit einem Teil ihrer Großfamilie — feierten eiserne Hochzeit. Er war 1969 als Gastarbeiter in den Westen gekommen. © Ulrich Schuster

Als Tevrat Bayazit sich vor einer halben Ewigkeit aufmachte, um in Deutschland sein berufliches Glück zu suchen, ging er ohne seine Ehefrau. Emriye blieb 1969 zunächst in der Heimat an der türkischen Schwarzmeerküste. Vier Jahre später kam sie mit den Kindern, einem Jungen und drei Mädchen, nach. Die Gastarbeiterfamilie schlug in Deutschland Wurzeln, am Dienstag feierte das Paar in der Fürther Südstadt – nach 65 Ehejahren – eiserne Hochzeit.

Zueinander gefunden hatten sie noch in ihrem Heimatort Ordu auf einer der zahlreichen Hochzeiten, die traditionell groß gefeiert wurden. 18 war sie damals, er nur ein Jahr älter. Schon wenig später heirateten sie. Heute sind sie 84 und 85. Ihren vier Kindern haben sie nicht weniger als zehn Enkel und zehn Urenkel zu verdanken.

Tevrat Bayazit arbeitete viele Jahre bei AEG in der Montage und Kontrolle. Emriye zog es, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, zum Spiegelfabrikanten Flabeg. Heute verbringen sie fünf Monate des Sommers in ihrer alten Heimat, die im Übrigen berühmt ist für den Haselnussanbau. Auch der Hersteller eines bekannten Brotaufstrichs deckt dort seinen Bedarf.

Für die Wintermonate kehrt das Paar stets aufs Neue nach Deutschland zurück. In Ordu, sagen sie, sei es dann auch nicht so viel wärmer. Das Geheimnis ihrer langen Ehe bringt Tevrat Bayazit mit diesen Worten knapp, aber präzise auf den Punkt: „Ich war damals verliebt, ich bin heute noch verliebt.“

Zum Gratulieren schaute auch Bürgermeister Markus Braun vorbei. Er überbrachte die Glückwünsche der Stadt Fürth, in der Tevrat und Emirye Bayazit längst eine zweite Heimat gefunden haben.

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