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Fürther Wohltäter mit Langzeitwirkung

Anna und Karl Leupold haben mit Stiftung über den Tod hinaus ein Zeichen gesetzt - 05.12.2013 16:00 Uhr

Irmtraud Bauer (hinten v.li.), Bürgermeister Markus Braun, Hatto Bauer und Herbert Jungkunz verteilen Knusperhäuschen sowie Tüten mit den ausgewählten Kleidungsstücken an die Schulkinder.

04.12.2013 © Horst Linke


Leupolds ehemaliger Steuerberater Hatto Bauer verwaltet zusammen mit Schwiegertochter Irmtraud Bauer und den Beiräten Werner Rossmanith und Herbert Jungkunz eine florierende Einrichtung. Über vier Millionen Euro wurden in vier Jahrzehnten in Fürth bereits verteilt. Möglich, weil das Stiftungskapital in Höhe von fünf Millionen Euro gut angelegt wurde. Obwohl die rückläufigen Zinsen auch ins Kontor der Stiftung schlagen, können jährlich etwa 150000 Euro für wohltätige Zwecke ausgegeben werden.

Bedürftigen Menschen einen Teil des eigenen Wohlstands abzugeben, war schon immer ein Anliegen von Karl Leupold. Die einzige Tochter war bei einem Luftangriff im Zweitern Weltkrieg ums Leben gekommen. Deshalb sah sich der Fabrikant in seiner Heimatstadt nach anderen Adressaten seiner Fürsorge um. Das 1945 gegründete Unternehmen in der Königstraße 133 florierte. Inzwischen ist es jedoch verkauft.

Erklärter Stiftungszweck ist die Linderung von Notfällen minderbemittelter oder bedürftiger Personen, die Jugend- und Altersfürsorge, Ausbildungsförderung und Sportförderung. Dazu gehört seit Jahrzehnten schon eine Weihnachtsspende an Fürther Kinder. Weil sie in ein patentes Verteilungssystem eingebunden ist, fallen keinerlei Verwaltungskosten und sonstige Gebühren an.

Mit 15000 Euro können Schuhe und Textilien für Kinder aus weniger wohlhabenden Familien angeschafft werden. Die Spendenempfänger werden von den Lehrern der Fürther Grund- und Mittelschulen gezielt ausgesucht. Auch Kindertagesstätten und Förderschulen gehören zum Kreis der unterstützten Einrichtungen. Je nach Bedürftigkeit bekommt jede zwischen 400 und 1200 Euro zugeteilt.

Weil die Eltern am besten wissen, was ihren Kindern fehlt, gehen sie selbst mit ihnen auf Einkaufstour. Auf Seiten des Handels spielt in Fürth das Bekleidungsunternehmen C&A mit. Zwei Wochen lang werden vor Weihnachten täglich zwei Einkaufstermine reserviert, an denen sich Verkäufer um die Eltern mit ihren Kindern kümmern.

Damit alles mit rechten Dingen zugeht, werden die Namen der Begünstigten von den Schulen und Kindertagesstätten zuvor an C&A gemeldet. Die Rechnungen schickt das Bekleidungshaus an das städtische Schulreferat, das sie dann zur Überweisung der Stiftung weiterleitet. Die ausgewählten Kleidungsstücke werden von C&A-Mitarbeitern verpackt und können nach dem Bezahlen vor Weihnachten noch abgeholt werden.

Dieses System ist gar nicht so kompliziert, wie es den Anschein hat und bewährt sich vor allem in der Praxis bestens. Das bestätigt auch die Leiterin der Grundschule am Kirchenplatz, Claudia Meier-Niklis, die mit einigen Schulkindern zur symbolischen Spendenübergabe in das Bekleidungshaus am City-Center gekommen war. Bürgermeister Markus Braun lobte die unbürokratische Hilfe und das Vorbild Karl Leupold, der stets eine offene Hand für Notleidende gehabt habe. Seine Stiftung entfalte über das Grab hinaus segensreiche Wirkung. Die Kindergruppe vom Kirchenplatz interessierte sich indes mehr für die Lebkuchenhäuschen, die ihnen Hatto Bauer zur Feier des Tages als kleine Zugabe mitgebracht hatte.

Volker Dittmar

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