Sonntag, 17.11.2019

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Fürths Awo hat ein neues Aushängeschild

Der Wohlfahrtsverband hat ein Quartier für betreutes Wohnen eingeweiht - 23.10.2019 21:00 Uhr

Dieser Tage wurde die endgültige Fertigstellung des neuen Quartiers in der umgebauten ehemaligen Metz-Zentrale gefeiert. Die neuen Außenanlagen laden zur Begegnung ein. © Thomas Scherer


Das bedeutet nicht nur eine räumliche Verbesserung, sondern zeugt auch von einer geänderten Einstellung der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Handicap.

Der frühere Heimcharakter hat einer individuellen Note Platz gemacht. Die mit Kochgelegenheit und Bad ausgestatteten Einzelapartments werden den Ansprüchen der Bewohner besser gerecht als die bisherigen Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbädern. © Thomas Scherer


Inklusion statt Ausgrenzung lautet das Motto. Es hat auch Pate gestanden, als die Awo das zwischenzeitlich von der Raiffeisenbank genutzte Metz-Verwaltungsgebäude zur Umwandlung in ein Quartier für ambulant betreutes Wohnen erwarb.

Das Waldheim Sonnenland musste geräumt werden, weil der 30-jährige Erbpachtvertrag auslief. Jetzt will die städtische Wohnungsbaugesellschaft das ehemalige Schullandheim für allgemeine Wohnzwecke mit Balkonen versehen und aufstocken. Das benachbarte Waldkrankenhaus ist vor Jahren schon in ein exklusiven Wohnquartier umgewandelt worden.

Bereits im April vergangenen Jahres wurde die einstige Metz-Zentrale bezogen. Nicht nur die 31 Bewohner des Waldheim Sonnenlands fanden hier eine neue Basis für ein selbstbestimmtes Leben, sondern auch 17 hilfsbedürftige Menschen aus stationären Einrichtungen der Umgebung. Sie sind zwischen 20 und 70 Jahre alt und kämpfen alle mit psychischen Problemen. Unterstützt werden sie von einem Dutzend Sozialpädagogen und Heilerziehungspflegern. Das großzügig dimensionierte Gebäude bietet auch Platz für Gruppenräume.

Das eigene Reich

48 modern eingerichtete Apartments mit Küchenzeilen und Bädern sind in der früheren Metz-Zentrale ausgebaut worden: eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Waldheim Sonnenland, wo es nur Doppelzimmer und acht Gemeinschaftsbäder gab. Zudem war das Essen für alle Bewohner vorgegeben.

"Der frühere Heimcharakter hat nun einer individuellen Wohnform Platz gemacht", sagt Einrichtungsleiterin Gerlinde Lechner-Beierlein, die mit ihrem Team auch noch für 80 ambulant betreute Wohnungen in Stadt und Landkreis und eine Werkstatt zur Arbeitstherapie in der Karolinenstraße zuständig ist. Alles zusammen trägt den Namen "Netzwerk seelische Gesundheit".

Die Fertigstellung der Außenanlagen in der Ritterstraße zog sich sehr in die Länge. Zum einen, weil dafür neue Geldquellen gefunden werden mussten, zum anderen, weil die Baufirmen ausgelastet sind. Die Ausgaben lagen schließlich um die Hälfte über den veranschlagten Kosten. "Psychisch Kranke fallen häufig durch das Raster der auf körperliche und geistige Behinderung zugeschnittenen Spendenaktionen", klagt Lechner-Beierlein. Aus der Misere hat der Awo schließlich die Stiftung der ehemaligen Fürther Senatorin Christel Beslmeisl für soziales Engagement geholfen. Mit einem bedeutenden Zuschuss konnte im Hof ein mit Strom und Wasser ausgestatteter Pavillon als Bewohnertreff geschaffen werden. Vor dem Gebäude wiederum entstand ein Stadtgarten mit Sitzgelegenheiten: Raum zur Begegnung mit Menschen aus der Nachbarschaft. Und weil sie eben vorgeschrieben sind, mussten auch etliche Parkplätze angelegt werden.

Die acht Wohnungen im Erdgeschoss sind barrierefrei und für mehrfach behinderte Menschen geeignet. Aus dem ehemaligen Foyer ist ein Versammlungsraum geworden. Das neue Quartier trägt dem 2018 in Kraft getretenen Bundesteilhabegesetz Rechnung, das im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention Menschen mit Handicap die individuelle Beteiligung am öffentlichen Leben ermöglichen soll. Dazu wird das bisherige Fürsorgesystem von Eingliederungshilfen abgelöst, deren Leistungen am persönlichen Bedarf orientiert sind.

Volker Dittmar

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