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Futter und eine Hecke: Wie Vögel den Frost überstehen

Auch Tiere und Pflanzen leiden unter den eisigen Temperaturen - 28.02.2018 11:00 Uhr

Einen eisigen Anblick hat der Frost am Wehr an der Foerstermühle hinterlassen. Tieren und Pflanzen setzt das Wetter derzeit zu. © Foto: Hans Winckler


Bussarde, die über dem Wiesengrund kreisen, ein Biberbau, der einzufrieren droht, und Singvögel, die sich im Garten um die Futtersäule scharen: Wenn Herbert Schlicht in diesen Tagen draußen ist, hat er stets die Tierwelt im Blick – auch wegen der "gewaltigen Kälte", die den Fürther Naturschutzwächter zuweilen schlottern lässt. Ganz ungefährlich sind die Minusgrade nämlich nicht, zumindest, wenn sie noch länger anhalten.

Dann leiden die Vögel unter dem kargen Nahrungsangebot. "Insekten gibt es in dieser Jahreszeit noch keine", sagt Schlicht. Und aus den zugefrorenen Böden lassen sich auch keine Würmer oder Maden ziehen. Schlicht empfiehlt Garten- und Balkonbesitzern deshalb, zuzufüttern. Vögel, die zu wenig Futter bekommen, belastet die Kälte nämlich noch stärker. Nur mit einem gefüllten Bauch können die Tiere ihren Kreislauf stabil halten.

Hecke schützt

Wichtig ist auch ein Ort, der sie vor dem eisigen Wind schützt, sagt Schlicht, der bedauert, dass solche Plätze in den zunehmend leergeräumten Landschaften immer seltener zu finden sind. Dabei kann schon eine Hecke oder ein buschig gewachsener Efeu die kalte Luft etwas abhalten.

Noch besser aber seien kleine Ritzen und Spalten, wie sie früher in den Häuserfassaden selbstverständlich waren. "In den sanierten Gebäuden von heute gibt es sie leider nicht mehr", sagt Schlicht. Abhilfe schaffen können Nistkästen im Garten. Allerdings nur, wenn man sie im Herbst sauber macht und das alte Nest entfernt. Dann dienen sie den Vögeln als halbwegs warmer Rückzugsort. Ansonsten verharren die Tiere mit aufgeplustertem Gefieder, das die Körperwärme besser speichert und ihnen hilft, Energie zu sparen.

Etwas besser dürfte es den Vögeln ergehen, die derzeit auf der Rückkehr von ihrem Winterquartier im sonnigen Süden sind. Bekommen sie, im wahrsten Wortsinn, Wind von der derzeitigen Kälte in ihrer Heimat, machen sie kehrt und fliegen zurück in wärmere Gebiete, wo sie genügend Nahrung finden.

Auch Tiere, die Winterschlaf halten, etwa Igel und Fledermäuse, verlängern einfach ihre Ruhephase, bis die Frostperiode vorbei ist. Im Gegenzug kann besonders mildes Wetter die Tiere auch vorzeitig erwachen lassen. "Ich habe an einem sonnigen und warmen Tag im Februar Fledermäuse herumfliegen sehen", erzählt Schlicht. Gibt es aber noch nicht genügend Insekten, kehren sie in ihr Winterquartier zurück.

Gefahr für Palmen

Mit dem Wetter kämpfen derzeit auch die Pflanzen. Wobei Rudolf Schmid hauptsächlich für nicht-heimische Arten eine Gefahr sieht. Gewächse etwa, die aus mediterranen Gefilden kommen, wie der Rhododendron oder bestimmte Palmenarten. Ihnen könnte der Frost schon zusetzen, sagt der Vorsitzende des Fürther Kleingartenvereins Siebenbogenbrücke.

Wer aber im Herbst gut vorgesorgt hat – beispielsweise indem er Erde um den Wurzelballen seiner Rosenstöcke angehäufelt hat –, muss kaum Verluste im Garten befürchten. "Die Hauptwurzel bei Rosen liegt recht tief", erklärt Schmid. Bis sie leiden, müssten die Minusgrade schon sehr lange anhalten. Eine kurze eisige Phase dagegen richte jetzt noch eher wenig Schaden an.

Anders sieht das freilich aus, wenn die Kälte zur Austriebsphase der Pflanzen im April noch mal zurückkommt. Im vergangenen Jahr sei diesen Wetterkapriolen fast die gesamte Apfelblüte zum Opfer gefallen, erinnert sich Schmid.

Überhaupt setze den Pflanzen im Winter Trockenheit oft mehr zu als Kälte. Heuer allerdings habe es genug geregnet, erst jetzt sei es zu trocken. Deshalb rät Schmid, behutsam zu wässern, sobald die Quecksilbersäule des Thermometers auf über null Grad steigt.

Schmid, der seit über 25 Jahren einen Kleingarten an der Siebenbogenbrücke beackert, kennt ein sicheres Zeichen dafür, dass die Saison wieder beginnt. "Sie startet, wenn man die Erde wieder riechen kann", sagt er, und es ist ihm anzuhören, wie sehr er sich darauf freut. Dann steht zunächst der Schnitt von Hecken und Bäumen an. Damit musste er heuer länger warten – doch dem Frost gewinnt er auch etwas Gutes ab: "Sicherlich hat er einiges Ungeziefer erfrieren lassen." 

Gwendolyn Kuhn

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