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Gefragte Wegbegleiter ins Berufsleben

Die Schülercoaches sind zum »Leuchtturm-Projekt der Jugendarbeit« geworden - 07.05.2010

Der Vater der Schülercoaches: Peter Held aus Cadolzburg. © al


»Wenn wir noch mehr Coaches hätten, könnten wir die Betreuung bereits eine Klasse früher starten«, wirbt Held um zusätzliche Unterstützer. Bislang werden Mädchen und Jungen in der Regel ab der achten Jahrgangsstufe betreut - derzeit etwa 100 Jugendliche im Landkreis. »Je eher desto besser«, findet Ute Eberlein, Lehrerin an der Hauptschule Cadolzburg.

In der sechsten Klasse beginne für die Kinder altersbedingt oft eine Gratwanderung, mit der Gefahr abzurutschen. Mit dem Projekt »Der Schülercoach«, das mittlerweile in einer eigenen Stiftung aufgegangen ist, sei sowohl den Schülern als auch der Schule geholfen. Eberleins Chef, Schulleiter Norbert Autenrieth, stimmt seiner Kollegin zu: »Ein Schülercoach kann Mädchen und Jungen erreichen, die von der Schule die Schnauze bereits voll haben.«

Gegenüber den Ehrenamtlichen schlüpfen sie aus ihrer Schüler- beziehungsweise Tochter- oder Sohn-Rolle. Die Erfolge seien erstaunlich. Die Leistungsbereitschaft steige, »vom Verhalten ganz zu schweigen«, so Autenrieth.

Handel und Industrie tun sich inzwischen immer schwerer, freie Ausbildungsplätze zu besetzen. Gleichzeitig suchen viele junge Frauen und Männer oft vergeblich nach einer Lehrstelle - nicht selten, weil es ihnen am Leistungswillen mangelt.

Sie werden in Berufsvorbereitungsjahren oder Maßnahmen der Arbeitsagentur »geparkt«, um sie so nachträglich für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu qualifizieren. Das Schülercoach-Projekt hat einen anderen Ansatz: Es setzt bereits Jahre vor dem Schulabschluss an.

»Auch bei uns im Landkreis gibt es ,Knaller‘, bei denen wir nicht weiter kommen«, macht Peter Held deutlich. Das Problem nicht ausbildungsfähiger Jugendlicher sei kein rein großstädtisches mehr. Dass seine Stiftung von der Politik in München und Berlin meist nicht mehr als warme Worte erhält, ärgert ihn zwar, aber entmutigen lässt er sich davon nicht. Nachhaltigkeit ist das Ziel seines Dreisäulenmodells »Persönlichkeit - Schule - Beruf«. Dabei kooperieren je ein Schüler und ein Coach »wie auf einem Tandem«.

»Diese 1:1-Betreuung ist die absolute Besonderheit dieses Erfolgsmodells. Dadurch wurden die Schülercoaches zu Leuchttürmen in der Jugendarbeit im Landkreis Fürth«, lobt auch Landrat Matthias Dießl das Projekt im fünften Jahr des Bestehens. Und weil es generationenübergreifend ist, habe es zudem einen hohen gesellschaftspolitischen Stellenwert. In der Tat profitierten nicht nur die Jungen von der Erfahrung der Alten, meint Ute Eberlein: »Was da zurückkommt, ist unglaublich.« Wahre Freundschaften entwickelten sich, außerdem sei es befriedigend, wenn man Jugend und Gesellschaft helfen könne. Aktiv werden können nicht nur Bürger im Rentenalter. »Jeder ist willkommen, der sein Leben selbst im Griff hat und willens ist, Kindern zu helfen«, erklärt Held. Bei Problemen helfen die monatlichen Arbeitskreise der Coaches weiter. ARMIN LEBERZAMMER

Wer sich für ein Engagement in der Stiftung »Der Schülercoach« interessiert, kann sich auf zwei Veranstaltungen am Montag, 10. Mai, in der Hauptschule Cadolzburg (Breslauer Straße 1) und am Dienstag, 11. Mai, in der Hauptschule Zirndorf (Volkhardtstraße 5) informieren. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. 

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