Donnerstag, 17.10.2019

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Gemeinde- und Wohltätigkeitsverein wird 125 Jahre alt

Ausstellung im Museum Cadolzburg: Das erste Geld kam aus der Glücksbude - 22.09.2019 21:00 Uhr

Joachim Siwek und Luise Zempel in der Ausstellung: Dort zu sehen ist auch die Puppe in der Originaltracht einer der Schwestern. © Foto: Sabine Rempe


Eine Idee für den finanziellen Anschub wurde von den Honoratioren auch gleich in Angriff genommen: Man entschied sich, eine "Glücksbude" aufzustellen, als Anreiz für alle Bürger, die gute Sache zu unterstützen.

Was vor 125 Jahren begann, wird 2019 gefeiert. Dazu gehört auch ein Blick zurück: Der Evangelische Gemeinde- und Wohltätigkeitsverein Cadolzburg, wie er nun seit mehr als acht Jahrzehnten heißt, beleuchtet seine diakonische Arbeit ab kommenden Mittwoch im Historischen Museum am Pisendelplatz mit Fotos, Dokumenten, Erinnerungen.

Angefangen hatte es einst mit einer "Kinderbewahranstalt" in der Löffelholzstraße. Ein Name, der heute nicht gerade nach Spiel und Spaß klingt, aber damals Wesentliches mit sich brachte. Schließlich war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon in jenen Tagen nicht selbstverständlich. In der neuen Einrichtung wurde von nun an für die Buben und Mädchen gesorgt, während die Eltern arbeiteten.

1907 kann stolz ein Neubau eingeweiht werden: "Kleinkinderschule" nennt der sich jetzt, zwei Jahre darauf beginnt eine Diakonisse aus Neuendettelsau als Schwester. In der Ausstellung dokumentieren historische Fotos diese Zeit. In Reih und Glied, den Blick ernsthaft und unbewegt auf die Kamera gerichtet, hocken die Jüngsten fürs Gruppenbild aufgereiht. Der Vereinsvorstand, der sich ebenfalls ablichten ließ, tut es ihnen gleich und hat sich würdevoll fürs Erinnerungsbild postiert. Dabei präsentieren die fünf Männer nebenbei auffallend prächtige Bartkreationen.

Der Aufgabenbereich wuchs stetig. 1913 stellt der Verein eine Landpflegerin ein, die sich um Kranke kümmert. Joachim Siwek, der sich federführend um die Ausstellung des Diakonievereins bemüht hat, weiß: "Die Schwester fuhr immer mit dem Fahrrad von Haus zu Haus." Erst 1985 bekam Schwester Hanna Schmidt aus Puschendorf ein Auto als Dienstfahrzeug. In der Schau erinnert die Originaltracht einer Schwester an die Arbeit der Frauen.

Die "Glücksbude", die schon in der Gründungsversammlung eine Rolle spielte, wird immer wieder aufgebaut. In den 20er-Jahren wird die finanzielle Situation auch für den Verein immer schwieriger. Die desaströse Inflation führt dazu, dass der Jahresbeitrag für den Diakonieverein kurzfristig auf unfassbare zwei Milliarden steigt. Nach der Einführung der Reichsmark kann die Bude wieder aufgestellt werden und die Bürger engagieren sich für den Verein.

Richtungsweisend waren die 80er-Jahre. Der Ende der 60er in der Schulstraße 2 eingerichtete Kindergarten platzte damals aus allen Nähten, erinnert sich Joachim Siwek. Man entschloss sich, noch einmal zu bauen, um alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen.

Das Diakoniezentrum in der Oberen Bahnhofstraße wird 1989 eingeweiht. Heute sind hier zwei ambulant betreute Wohngruppen untergebracht, eine Tagespflege-Einrichtung und eine Kindertagesstätte mit Krippe und Kindergartengruppen. "Damals wurde diskutiert, ob es ein guter Plan sei, Alt und Jung so nah beieinander anzusiedeln", weiß Joachim Siwek und lobt: "Heute gibt es gar keinen Zweifel daran, wie schön und anregend das für alle ist."

Viele bunte Aufnahmen erzählen im Museum jetzt vom Leben in allen Einrichtungen der Diakonie. Mittendrin tummeln sich auch ein paar Wollratten mit besonderem Auftrag, die das Strickteam Cadolzburg um Luise Zempel beigesteuert hat.

Gefeiert wird das 125-jährige Bestehen des Diakonievereins auch an diesem Sonntag, 10.30 Uhr, mit einem Festgottesdienst in der Markgrafenkirche.

Sabine Rempe

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