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Gibt es bald Mehrwegbecher bei Laufveranstaltungen?

Spülstationen wären nötig - Auch die Läufer müssten umdenken - 05.04.2019 11:00 Uhr

Testlauf: Die bunten Trinkbecher am Versorgungsstand des Down-Syndrom-Marathons im Südstadtpark wurden vor Ort geleert und von den Helfern immer wieder gespült. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Ein Selbstläufer war die Innovation nicht. Im Vorfeld des Down-Syndrom-Marathons am 24. März im Südstadtpark kämpfte Veranstalterin Anita Kinle schon vereinzelt mit der Skepsis ambitionierter Läufer.

Dass man sich am Versorgungsstand nicht mehr einen Trinkbecher schnappen kann, den man nach dem Leeren unterwegs dann einfach wegwirft, passte ihnen gar nicht ins Konzept. Doch mit etwas Überzeugungsarbeit waren die Bedenken schnell besiegt. Für die gute Sache der Müllvermeidung zum Umweltschutz begeisterten sich schließlich alle. Die Becher konnten in Tonnen geworfen werden.

"Das macht uns Mut"

"Dass alles so reibungslos geklappt hat, macht uns Mut, noch mehr für die Umwelt zu tun", sagt Anita Kinle im Rückblick. Sie plant, die Neuauflage der Benefiz-Laufveranstaltung zur Unterstützung von Menschen mit Down-Syndrom gänzlich ohne Müll über die Bühne zu bringen. Also auch ohne Tischdecken, Tüten und Einwegverpackungen für Nahrungsmittel.

Kinles Vorstoß gibt auch Bernd van Trill zu denken, dem Organisator des Fürther Metropolmarathons. Ob es schon bei der nächsten Veranstaltung Anfang Juni Konsequenzen gibt, weiß er noch nicht. Schließlich hat er es mit zehnmal so vielen Läufern zu tun wie Anita Kinle und auch mit höheren Temperaturen, die mehr Durst machen. "Von den rund 100.000 Einwegbechern, die wir vorrätig haben, werden 50.000 bis 60.000 verbraucht", erläutert Bernd van Trill die Materialschlacht.

Dass Plastik-Einweggeschirr schon ab 2021 europaweit verbannt werden soll, bereitet dem Organisator des Metropolmarathons keine schlaflosen Nächte. Er rechnet damit, dass der Großhandel, der die Fürther Laufveranstaltung beliefert, schon Alternativen entwickelt. Nicht nur aus Kostengründen hat van Trill bisher keine Pappbecher gewählt. "Die können bei feuchtem Wetter leicht einen für Läufer gefährlichen Schmierfilm auf der Straße bilden", erklärt er seine Bedenken.

Der Aufwand zum Spülen an den vielen Versorgungsstationen des Metropolmarathons hält van Trill von Mehrwegbechern ab. Für Probleme sorge auch der Zeitdruck, unter dem ehrgeizige Läufer stehen. Das Mitnehmen der Trinkbecher sei nur bei entspannten Veranstaltungen wie dem Fürther Gourmetlauf eine Option.

Perfektion als Hindernis

Dass ein Umdenken für mehr Umweltschutz auf breiter Front eingesetzt hat, davon berichtet auf FN-Anfrage Willi Wahl, Breitensport-Vizepräsident des Bayerischen Leichtathletik-Verbands. Er hat sich auch den Fürther Down-Syndrom-Marathon sehr genau angesehen. Als größtes Hindernis für Verbesserungen betrachtet der Adelsdorfer allerdings die deutsche Perfektion. So sei aus Gründen der Hygiene einer Laufveranstaltung bei Androhung von 20.000 Euro Geldbuße bereits auferlegt worden, die Trinkbecher abzudecken.

 

Volker Dittmar

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