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Gustavstraße: Pastoraler Appell für Frieden

Drei Geistliche fordern Anwohner, Wirte und alle Fürther auf, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren - 27.11.2012 22:00 Uhr

Keine vorweihnachtliche Sentimentalität, sondern ein dringender Wunsch: Volker Zuber (von links), Jörg Sichelstiel und Hans-Ulrich Pschierer hoffen, dass in der Gustavstraße endlich ein dauerhafter Friede einkehrt. © Hans Winckler


Sie leben und arbeiten im Herzen der Altstadt, da kommt man fast zwangsläufig ins Gespräch – mit Wirten, ihren Gästen und den Anwohnern. Und was Dekan Jörg Sichelstiel und den Pfarrern Volker Zuber und Hans-Ulrich Pschierer dabei zu Ohren kommt, erfüllt sie „mit Sorge“.

Der Streit um vermeintliche oder tatsächliche Ruhestörungen bei Festivitäten in der Altstadt sowie rund um den Kneipenbetrieb in der Gustavstraße hat sich in den vergangenen Jahren hochgeschaukelt. Es kam zu Sachbeschädigungen und sogar zu einer handfesten Auseinandersetzung. Manche Wirte sehen sich unter anderem durch ständige Beschwerden gegängelt, einzelne Anwohner fühlen sich inzwischen von Kneipengängern bedroht, die mit der Sache der Wirtsleute sympathisieren.

Die drei Altstadtpfarrer sind überzeugt davon, dass dieser Konflikt Anwohnern und Wirten schadet, aber auch den Händlern in der Gustavstraße und der gesamten „Stadtgesellschaft“. Fürth rühme sich, eine tolerante Stadt zu sein, sagt Hans-Ulrich Pschierer. Toleranz müsse sich aber gerade im Konfliktfall zeigen, indem man „schlichte Umgangsformen wahrt“ und dem Gegenüber nicht die Würde raubt.

Er habe in Gesprächen sehr viel „Emotion, Verletzung und Enttäuschung“ verspürt, sagt Dekan Jörg Sichelstiel. Es sei daher unabdingbar, zu den Sachfragen zurückzukehren und jegliche Polemik zu vermeiden. Als Grundlage für ein friedliches Miteinander sieht Sichelstiel den Kompromiss vom Mai 2011, den Gastronomen, Anwohner und Vertreter der Stadt gemeinsam erarbeitet hatten, beziehungsweise die „Nachbesserungen“ von Dezember 2011. Unter anderem darf seitdem im Freien nur noch bis 23 Uhr bewirtet werden.

Teil des Kompromisses war auch eine Wohlverhaltensklausel: „Beleidigungen und Verunglimpfungen des jeweils anderen in der Öffentlichkeit sind zu unterlassen“, hieß es. Daran müssten sich alle Beteiligten halten und auch auf Dritte – die Wirte etwa auf Gäste – einwirken, dies zu tun, fordern die Geistlichen. Schmähungen im Internet müssten gelöscht werden.

Um zu einer Lösung zu kommen, sollten alle Seiten prüfen, wo es bei der Umsetzung der geltenden Spielregeln noch Defizite gibt. Auch die Stadt Fürth sehen die Pfarrer dabei in der Pflicht. Im Grunde, sagt Hans-Ulrich Pschierer, gebe es doch einen gemeinsamen Nenner. Alle hätten viel getan, „damit die Gustavstraße schöner wird“. Die Anwohner, weil sie viel Geld in die Sanierung der Häuser gesteckt haben, die Wirte, weil sie mit ihrem Engagement die Straße zum lebendigen Mittelpunkt Fürths machen. „Da steckt viel Liebe zur Innenstadt drin“, so Pschierer.

Auch die Gustavstraße sei von Veränderungen betroffen. Der Volksentscheid, der Raucher Tag und Nacht vor die Türen der Kneipen zwingt, und die Aufstiegseuphorie rund um die SpVgg, die nicht nur freudetrunkene Massen in die Straße spülte, seien Herausforderungen für die Anwohner und die Wirte, sagt Volker Zuber, der schon seit über 20 Jahren Pfarrer von St. Michael ist. „Das kann man nur solidarisch bewältigen.“

Würden sie denn persönlich zwischen den Konfliktparteien vermitteln wollen? Jörg Sichelstiel atmet tief ein. „Bei einem Appell wie unserem besteht immer die Gefahr, moralisch zu reden, sich aber die Finger nicht schmutzig machen zu wollen“, sagt der Dekan. Er würde sich deshalb nicht verschließen, sollte man ihn um Hilfe bitten, zu sachlichen Gesprächen zu finden. Allerdings müsste das „der gemeinsame Wunsch von Anwohnern und Wirten sein“.

Sichelstiel hofft, dass sich das Blatt zum Guten wendet. Er habe den Eindruck, dass wirklich alle die Nase voll haben, jeder wolle bloß noch seine Ruhe: „Vielleicht bringt uns ja wenigstens das auf den richtigen Weg.“

Johannes Alles

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