Gustavstraße: Picknick-Protest auf nassem Pflaster

4.8.2014, 16:04 Uhr
Trotz der widrigen Umstände ließen sich die Protestierenden in der Gustavstraße nieder, um ein Zeichen gegen die immer strengeren Auflagen in der Kneipenmeile zu setzen.

© Foto: Mark Johnston Trotz der widrigen Umstände ließen sich die Protestierenden in der Gustavstraße nieder, um ein Zeichen gegen die immer strengeren Auflagen in der Kneipenmeile zu setzen.

Mit einem Picknick auf dem Pflaster der Gustavstraße protestierten sie gegen die Entscheidung des Ansbacher Verwaltungsgerichts, das Ende für die beliebte Veranstaltung auf 22 Uhr festzulegen. Die verärgerten Wirte hatten darauf mit einer Absage reagiert.

Irgendwann wollten sie einfach nicht mehr länger warten. Bis kurz vor halb sieben Uhr abends haben die Picknick-Protestler in den Kneipen oder unter den großen Sonnenschirmen davor ausgeharrt und auf ein Ende des Regens gehofft. Dann machten ein paar Mutige den Anfang – und wenig später war ein 100 Meter langer Abschnitt der Straße fest in der Hand der Picknicker.

Eine Kühltasche voller Leckereien, Klappsitze, Decke: Rita Faupel-Linneweh und ihre Freundinnen haben alles eingepackt, was man für diesen Anlass braucht. Fröhlich bieten sie jedem, der an ihrer kleinen Runde vorbeikommt, Käsehappen, Salami oder Brote mit selbstgemachtem Pesto an – in einer Hand immer den Regenschirm. Das schlechte Wetter, haben sie beschlossen, wird sie auf keinen Fall abhalten.

„Wir sind das gallische Dorf der Neuzeit“, sagt Faupel-Linneweh und meint damit die große Masse derer in der Gustavstraße, denen es reicht. Mit den widerspenstigen Galliern aus den „Asterix“-Comics verbindet sie an diesem Abend weniger die Vorliebe für die gepflegte Völlerei als der Hang zum Aufbegehren. Was den Galliern die Römer, sind den vier Frauen „die, die das Weinfest verbieten wollen“, wie Faupel-Linneweh sagt. Man dürfe sich nicht alles gefallen lassen, pflichtet ihr Fritzi Wirth bei. Sie kennt die Gustavstraße seit über 20 Jahren, hat deren Entwicklung von einer vielbefahrenen Bundesstraße – „ein Graus“ – zu einem „sozialen Netzwerk und absoluten Hotspot der Stadt“ hautnah miterlebt.

Diesen Status wollen sie und die anderen Teilnehmer des Picknicks, die sich via Facebook organisiert haben, unbedingt erhalten. „Wir sind heute hier, weil wir uns mit den Wirten und allen, die die Gustavstraße lieben, solidarisch erklären“, betont Bianca Sachrau und prostet mit einem Plastikbecher den anderen zu. Schließlich soll die Aktion Spaß machen und nicht blanke Verbitterung vermitteln.

Die ist auch bei Manuel Kreitschmann nicht zu spüren, der das Picknick unter dem Motto „Wir sind die Gustavstraße“ initiiert hat. Zwar sucht er lange vergeblich nach einem Megaphon, um sich für die Teilnahme bedanken zu können, der Stolz auf die trotz der garstigen Witterung gelungene Aktion ist aber auch so zu spüren. „Wenn das Wetter ein wenig mitgespielt hätte, wären heute doppelt so viele gekommen“, ist er sicher.

Mit einer einmaligen Protestaktion sei es jedoch nicht getan. „Das werden wir sicher wiederholen“, kündigt Kretschmann an. Für viele sei das Maß einfach voll, gegängelt fühlt man sich durch einige wenige Kläger und die Gerichte. Das Aus fürs Weinfest habe nun „den Ausschlag gegeben“, auf die Straße zu gehen.

Ziel sei es, weiterhin Aufmerksamkeit zu erregen und den Gesetzgeber zu einer einheitlichen Regelung der Ausschankzeiten im Sinne der Wirte und ihrer Gäste zu drängen.

Am Ende der zweistündigen Demo war es dann das Wetter, das mit dem sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont und dem Ende des Regens als Symbol herhalten durfte.

 

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