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Gustavstraße: Thomas Jung will keine Zugeständnisse

Verein „Wir sind Fürth“ sieht Schmerzgrenze erreicht - 19.12.2012 09:00 Uhr

Mit einem Schweigemarsch durch die Gustavstraße protestierte der Verein „Wir sind Fürth“ gegen die Forderungen einiger Anwohner. Jetzt beklagt der Vereinsvorsitzende eine „kompromisslose Zerstörung“. © Distler


Es liegt wenige Wochen zurück, da bemühten sich drei Geistliche darum, Frieden in der Gustavstraße einkehren zu lassen. Weniger Emotionen, dafür mehr Sachlichkeit und einen respektvolleren Umgang miteinander forderten Dekan Jörg Sichelstiel und die beiden Pfarrer der Altstadtkirche St.Michael, Volker Zuber und Hans-Ulrich Pschierer.

Jetzt liegt der Klageentwurf eines Anwohners im Rathaus, der an das Verwaltungsgericht in Ansbach gehen wird, sollte die Stadt Fürth nicht für mehr Ruhe sorgen. Dekan Sichelstiel gibt zu, dass ihn das nicht glücklich macht. „Ich bedauere, dass nicht noch einmal der Versuch gemacht wurde, miteinander zu reden“, sagt er. Aber in der Auseinandersetzung stecke eine solche Dynamik, da sei es schwer, das Tempo herauszunehmen.

Die Gustavstraße, betont der Dekan, ist keine Kneipenmeile. Ebenso wenig sei sie eine reine Wohnstraße oder eine Straße für den Einzelhandel. „Es ist ein Mischgebiet“ – und gerade das mache ihre Besonderheit aus. Das bedeute auch, dass jeder seine Rechte hat, aber mit Einschränkungen leben müsse. Für Weihnachten wünscht er sich, dass Anwohner und Wirte die Zettel aus ihren Schaufenstern nehmen, mit denen sie auf den Streit aufmerksam machen. „Das wäre ein schönes Friedenszeichen.“

Weniger besinnlich liest sich die Stellungnahme von „Wir sind Fürth“. Wie berichtet, hatte der neugegründete Verein erst im November zu einer Demonstration für eine „lebendige Kleeblattstadt“ aufgerufen. Jetzt lässt der Vereinsvorsitzende Felix Geismann, der selbst in der Gustavstraße zu Hause ist, kein gutes Haar an den „Beschwerdeführern“, die sich „einseitig an keinen Kompromiss und keine Wohlverhaltensklausel halten“. Stattdessen nutzen ihm zufolge „Einzelne jedes wohlwollende Entgegenkommen der Stadt, Wirte und Gäste aus, um anschließend weitergehende Forderungen nachzulegen“.

„Ich bin nicht verärgert“

Ihm zufolge müsse die Stadtverwaltung einsehen, dass den unzufriedenen Anwohnern „an keinem Interessensausgleich mit Augenmaß liegt, sondern das Ziel nichts anderes als eine kompromiss- und rücksichtslose Zerstörung unserer Gast-Räume öffentlichen Lebens ist“. Für alle Gäste und Bewohner, die an einer lebenswerten Straße interessiert sind, sei mit dem „Freischankflächen-Schluss“ um 23 Uhr die Schmerzgrenze erreicht. Weitere Zugeständnisse dürfe es nicht geben, eben auch weil zu erwarten sei, dass sofort neue Forderungen auf den Tisch kämen.

Rathauschef Thomas Jung bestätigte gestern gegenüber den FN die Aussagen seines Rechtsreferenten Christoph Maier: Der Stadtrat bekommt im Januar den Klageentwurf vorgelegt mit der Frage, ob man an den aktuellen Regelungen festhalten wolle oder nicht. Er selbst werde den Stadträten nicht empfehlen, an der letzten „Kompromissentscheidung“ zu rütteln. Es habe in der Vergangenheit eine einseitige Entwicklung zugunsten der Gastronomie gegeben, räumt Jung ein, aber diese sei „korrigiert“. Die Stadt habe inzwischen erhebliche Zugeständnisse gemacht. „Ich bin nicht verärgert oder entrüstet, es ist das gute Recht dieser Anwohner“, sagt Jung. Gerichte seien auch dazu da, um Frieden zu schaffen.

Damit steuert alles auf eine juristische Auseinandersetzung zu. Gustavstraßen-Anwohner Marcel Schwalme sagte unser Zeitung, er werde die Klage nur zurückhalten, wenn er das Gefühl habe, dass sich der Stadtrat ernsthaft mit den Beschwerden auseinandersetzt. Gehe es aber im Januar lediglich darum, alles beim Alten zu belassen, dann werde die Klage „zwischen den Jahren“ oder in der „ersten Januarwoche“ abgeschickt.

Johannes Alles

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