Gut überbrückt: Ansturm auf Fürths alternative Tafel

30.4.2020, 16:00 Uhr

© Hans-Joachim Winckler

Wo sonst Jugendliche der Berufshilfe an den Werkbänken Bohren, Fräsen und Drehen lernen, stapeln sich gerade mehr als 200 Plastiktüten mit Lebensmitteln. Im Hof der Kinderarche haben die Organisatoren dieser besonderen Hilfsaktion eine Theke aufgestellt und mit schützender Plexiglasscheibe versehen.

Schon eine Stunde, bevor die Ausgabestelle der alternativen Tafel an diesem Dienstag öffnet, stehen die Menschen vom Hof in der Hirschenstraße bis weit vor in die Theresienstraße. Zwar wirkt die Schlange durch den Sicherheitsabstand länger. Dennoch zeigt sie, dass die Organisatoren mit ihrer Idee, während der Schließung der Fürther Tafel in die Bresche zu springen und Bedürftige mit dem Notwendigsten zu versorgen, ins Schwarze getroffen haben. Waren es beim ersten Mal noch etwa 50 Personen, die sich hier mit dem Nötigsten versorgten, kamen eine Woche später schon über 120.

 

"Wir haben genug in Reserve"

 

Diesmal, so schätzt Niklas Haupt vom Fürther Bündnis gegen Rechts, das gemeinsam mit dem Fanprojekt Fürth sowie den drei SpVgg-Fan-Gruppierungen Horidos, Stradevia und Sportfreunde Ronhof die alternative Tafel stemmt, werden die tags zuvor gepackten 200 Tüten kaum ausreichen. Aber mit leeren Händen muss keiner gehen. "Wir haben genug in Reserve." Die Lebensmittelspenden, betont Haupt, stammen überwiegend von Privatpersonen. Vor allem in der unmittelbaren Umgebung habe man mit Flyern intensiv geworben und sei auf große Resonanz gestoßen. Auch die United Kiltrunners und der Frankenkonvoi haben einiges beigetragen. Vom Freiwilligenzentrum Fürth (FZF) kamen Masken – inzwischen haben über 40 Helferinnen über 1200 Stück hergestellt –, die Bedürftigen nehmen sie gerne.

© Hans-Joachim Winckler

Die Menschen, die zur alternativen Tafel kommen, sind froh, dass sich jemand um ihre Not kümmert in der Zeit, in der die übliche Versorgung über die Tafeln weggebrochen ist. "Wir hatten bis Ostern nichts mehr bekommen", sagt Herbert Vogel, der aus Zirndorf gekommen ist, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. "Unsere Tafel musste von heute auf morgen schließen, und der Kühlschrank war leer." Der 60-Jährige lebt von Hartz IV und verdient sich sonst etwas als Fahrer für die Diakonie dazu. Aber auch das fällt zurzeit weg. "Was die jungen Leute hier machen, ist einfach super", lobt er.

Das Warten in der Schlange nehmen alle – darunter viele Ältere, aber genauso Familien mit Kindern, geduldig in Kauf. Viele kommen mit kleinen Einkaufstrolleys, andere schleppen die schweren Taschen so aus dem Hof. Am nächsten Dienstag wird die alternative Tafel noch einmal öffnen, danach, so der Plan, wird die Fürther Tafel übernehmen.

Zwei Tage später, am Donnerstag, 7. Mai, öffnet sie ihre Ausgabestellen wieder. Seit 17. März waren sie geschlossen – aus Angst, das Coronavirus zu verteilen und aus Sorge um die eigenen Mitarbeiter. "Beinahe alle unsere Helfer sind schon älter und gehören der Risikogruppe an", sagt die Fürther Tafel-Vorsitzende Traudel Cieplik. Ihre Kunden, in der Stadt und im Landkreis sind es fast 4000, hat sie mit Aushängen an den Vergabestellen auf die alternative Tafel und die Heilsarmee aufmerksam gemacht, wo seit Mitte April Lebensmittel verteilt werden.

Gut geklappt habe dieses Angebot, sagt eine dankbare Cieplik, die dem jungen Team zumindest mit Ratschlägen unter die Arme greifen konnte. Darüber hinaus vermochte sie keine Unterstützung anzubieten, etwa indem ihre drei Fahrer Lebensmittel-Spenden hätten abholen können. Dafür stehen der Tafel zum Wiedereinstieg jüngere Hilfskräfte aus dem FZF zur Seite. Sie sollen die Lücken füllen, die sich beim Personal unter Umständen auftun. Denn: Noch weiß Cieplik nicht, ob alle ihre Mitarbeiter kommende Woche eingesetzt werden können und wollen.

 

Keine vorgepackten Tüten

 

Die Ausgabestellen werden dann ein wenig anders arbeiten als vor der Pandemie. Auch hier gilt Maskenpflicht für alle und der Mindestabstand muss eingehalten werden. Außerdem dürfen nicht mehr als zwei Personen gleichzeitig eintreten. Dafür können sich die Berechtigten mit einem Tafel-Ausweis ihre Ware selbst aussuchen. Auf vorgepackte Tüten, so Cieplik, wolle man möglichst verzichten.

Dass die Tafel in Fürth später als in anderen Städten wiedereröffnet, erklärt sie mit ihren meist betagteren Mitarbeitern. Um sie zu schützen, habe man etwas länger geschlossen gehabt. Auch die Größe der Einrichtung habe eine Rolle gespielt. Mit der Langenzenner Tafel etwa, die unabhängig von ihrem Fürther Pendant agiert und ihren Betrieb durchgängig aufrecht erhalten hat, könne man sich nicht vergleichen.

Auf die anstehende Wiedereröffnung freuen sich laut Cieplik nun nicht nur die Kunden, sondern auch die Supermärkte und Discounter, die Lebensmittel spenden.

Die Fürther Tafel öffnet wieder am Donnerstag, 7. Mai, um 12.30 Uhr. Am Freitag findet von 13.30 bis 15.30 Uhr die erste Ausweisbearbeitung statt. Die alternative Tafel nimmt noch Spenden (nur haltbare Lebensmittel) am heutigen Donnerstag und kommenden Montag von 17 bis 19 Uhr in der Kinderarche, in den Kirchengemeinden und bei der Gaststätte Boca entgegen.

Keine Kommentare