Häusliche Gewalt: Corona verschärft die Lage

10.3.2021, 12:20 Uhr

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Laut Bundeskriminalamt starb 2019 fast an jedem dritten Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Die Corona-Krise hat das Problem noch einmal verschärft. Wir sprachen mit Eva Göttlein, Vorsitzende des Trägervereins des Frauenhauses Fürth.

Hat sich die Zahl der Hilfesuchenden erhöht?

Wir haben einen gleichbleibenden Zulauf im Frauenhaus, aber die psychosozialen Probleme wie zum Beispiel Depressionen nehmen bei den Frauen zu, die sich an uns wenden. In unseren Beratungs- und Interventionsstellen ist seit der Pandemie sehr viel mehr los, die Zeiten sind komplett ausgebucht.

Wie wirken sich Corona und Lockdown konkret aus?

Vorsitzende des Trägervereins des Frauenhauses Fürth.

Vorsitzende des Trägervereins des Frauenhauses Fürth. © Foto: Winckler

Der Beratungsalltag im Frauenhaus ist für das Team schwieriger geworden, natürlich müssen viele Tests gemacht werden, um die Mitarbeiterinnen und die Bewohnerinnen vor dem Virus zu schützen. Dadurch ist derzeit leider auch keine spontane Aufnahme möglich, die oft dringend nötig wäre. Es fehlen Notwohnungen für die Dauer der jeweiligen Quarantäne. Da sind jedes Mal wieder kreative Lösungen gefragt, die unser Team Zeit und Energie kosten. Tatsächlich musste schon einmal in einem solchen Fall eine Ferienwohnung zur Überbrückung auf unsere Kosten gemietet werden.

Die Beratungs- und Interventionsstelle ist ein ergänzendes Angebot gegen häusliche Gewalt, Stalking, Mobbing oder weibliche Genitalverstümmelung (FGM). Wie wird dort aktuell geholfen?

Die Gespräche werden zurzeit meist nur telefonisch geführt, bei Bedarf werden Dolmetscherinnen zugeschaltet. Allein der technische Aufwand erschwert natürlich die Beratung, zumal Telefonate die persönlichen Kontakte nicht ersetzen können. Die Corona-Pandemie behindert außerdem die Zugangswege zu unseren Kooperationspartnern, wie etwa dem Jugendamt und dem Gericht. Auch das macht unsere Arbeit sehr viel aufwendiger. Andererseits nimmt der Bedarf an Beratungen zu und die Fälle werden zunehmend komplexer.

Steht Covid-19 in einem direkten Zusammenhang mit dieser Entwicklung?

Ja, wir sehen, dass der langanhaltende Lockdown und die Kontaktbeschränkungen zwangsläufig zu einem engen häuslichen Umfeld führen, das kann Probleme unter Umständen verschärfen. Insgesamt haben wir deshalb eine sehr viel höhere Belastung für unser pädagogisches Team im Frauenhausalltag und in den Beratungsstellen, das ja alles dafür tut, unsere Frauen und ihre Kinder bestmöglich aus der Gewaltsituation zu lösen.

Info-Hotline für das Frauenhaus: (0911) 72 90 08 (rund um die Uhr besetzt). Im Internet: www.frauenhaus-fuerth.de

 

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