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„Hinter einer Zeitung steckt harte Arbeit“

Die vom Spiegel prämierten Redakteure des Schulmagazins „Et Cetera“ im Gespräch - 09.07.2014 21:00 Uhr

Lion Schulz (li.) kümmert sich um Layout und Fotos, Björn-Hendrik Otte um Texte und Anzeigen: Zweimal im Jahr geben sie „Et Cetera“ heraus. © Winckler


Wozu brauchen Schüler in Zeiten von WhatsApp und Facebook noch eine gedruckte Schülerzeitung?

Lion Schulz: Es ist schön, etwas in der Hand zu halten. Die Kommunikation über Facebook und WhatsApp erfolgt in Fetzen und die Zeitung ist ein geschlossenes Produkt, das man durchblättern kann.

Björn-Hendrik Otte: Gerade im Unterricht ist es von Vorteil. Auch eine Zeitung kann der Lehrer wegnehmen, wenn man sie unter der Bank liest. Aber wenn das Handy wegkommt, ist es ärgerlicher. Und was mir bei gedruckten Sachen gefällt: dass sie nach Zeitschriftenstand riechen.

Ist es viel Arbeit neben der Schule?

Otte: Schon, vor allem kurz vor dem Druckdatum sitzt man auch mal bis in die Nacht da oder arbeitet das Wochenende durch.

Schulz: Es ist ein Aufwand, aber der ist es wert. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn man das Heft am Ende in der Hand hält.

Wie sucht ihr eure Themen aus?

Otte: Eine richtige Planung gibt es nicht, es sind eher spontane Einfälle. Auf das Thema des letzten Heftes, Humor, sind wir zum Beispiel gekommen, weil ein Lehrer die Schülerzeitung nicht kaufen wollte. Der Grund war wohl spontan einsetzende schlechte Laune.

Ihr habt prominente Interviewpartner, wie den Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Wie reagieren die Leute darauf, dass ihr von der Schülerzeitung kommt?

Otte: Oft hat man schon irgendeinen Zugang zu den Leuten, zum Beispiel über Bekannte. Und in der Regel haben sie auch einen lokalen Bezug und sind dafür sehr offen. Wir haben nie die Erfahrung gemacht, dass man uns nicht ernst nimmt.

Wie seid ihr zu der Auszeichnung durch den Spiegel gekommen?

Otte: Man muss sich am Anfang des Schuljahres bewerben, dann gibt es einen Termin, bis zu dem die Zeitung erschienen sein muss. Das war der Tag, an dem wir sie selber bekommen haben. Lion hat sie dann per Eilpost weggeschickt. Wir haben also 25 Euro Porto bis nach Hamburg gezahlt. Aber das hat sich gelohnt, wir haben 700 Euro Preisgeld vom Spiegel bekommen.

Was für Eindrücke habt ihr bei der Preisverleihung in Hamburg sammeln können?

Schulz: Ich fand gut, dass sie uns Raum gegeben haben, auch ehrlich was zu sagen, und uns nicht nur PR-mäßig wie Marionetten hingestellt haben. Wir durften die Redaktion anschauen, es gab einen Workshop mit Redakteuren und wir waren vormittags in der Blattkritik. Erst haben zwei Schülerjournalisten vor der versammelten Mannschaft die vergangene Ausgabe kritisiert und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Dann wurde die Diskussion eröffnet. Es war die Ausgabe zum Thema Bewegung mit der blonden, hüpfenden Frau auf dem Cover. Da fiel öfter der Name Apotheken-Rundschau. Ich habe dann zu einem Redakteur gesagt: ,Der Spiegel platziert sich damit in einer Ecke am Kiosk, wo er nicht hingehört. Aber das ist ja Ihre Sache, wenn Sie ihn dahin schieben.‘ Danach hat mir jemand gesagt, dass das der Chefredakteur war.

Und wie hat er reagiert?

Schulz: Er hat gelacht.

Otte: Auch wenn sie es nicht offen gezeigt haben, war ihnen, glaube ich, schon bewusst, dass das nicht ihr bestes Cover war.

Man liest nicht viel Gutes über die Zukunftsaussichten im Journalismus. Habt ihr trotzdem vor, dort zu arbeiten?

Schulz: Es gab die Geschichte auf der Preisverleihung, von einem wirklich guten Schülerzeitungs-Journalisten, der schon oft gewonnen hat – und als er gefragt wurde, ob er mal als Journalist arbeiten will, hat er gesagt: Nein, da verdient man zu wenig Geld. So ist das bei mir nicht, obwohl es im Fotojournalismus noch härter ist. Aber es ist noch lange hin. Ich gehe erstmal ins Ausland, dann möchte ich Psychologie studieren.

Otte: Mich zieht es eher zum Fernsehen, früher habe ich immer gesagt, ich möchte mal „Wetten, dass..?“ moderieren. Ob ich das schaffe, weiß ich nicht (lacht). Studieren will ich BWL oder Jura .

Schulz: Bei fünfzig Prozent in meinem Abi-Jahrgang ist der Traumberuf trotzdem irgendwas mit Medien. Das Problem ist, dass viele nur das Endprodukt kennen und nicht wissen, dass dahinter viel harte Arbeit steckt, auch wenn es Spaß macht.

Otte: Wenn man seit der fünften Klasse bei der Schülerzeitung arbeitet, dann ist das wie ein achtjähriges Praktikum. Man weiß, was dabei rauskommt, aber man weiß auch, was man dafür machen muss.

Interview: Alexander Pfaehler

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