HLG: Bäume sind der Turnhalle im Weg

Johannes Alles
Johannes Alles

Fürther Nachrichten

E-Mail

28.11.2019, 06:00 Uhr
„Der sogenannte Neubau ist eine Katastrophe“: HLG-Direktor Martin Pfeifenberger ließ bei der Versammlung kein gutes Haar an dem maroden Bauwerk aus den 1970er Jahren.

© Wolfgang Händel „Der sogenannte Neubau ist eine Katastrophe“: HLG-Direktor Martin Pfeifenberger ließ bei der Versammlung kein gutes Haar an dem maroden Bauwerk aus den 1970er Jahren.

Die Front verlief quer durch die HLG-Aula. Auf der einen Seite die Anwohner, inzwischen als Bürgerinitiative organisiert, mit ihren Vorbehalten gegenüber der gigantischen Schulbaumaßnahme. Auf der anderen Seite Lehrer und Eltern, die auf einen raschen Baustart drängen. Beide Seiten bekamen binnen der zwei Stunden Raum, um ihre Position zu vertreten und Fragen zu stellen. Vier Punkte dominierten die Debatte.

Blick in die Jakobinenstraße: Die alten Bäume am Straßenrand, das hat eine Prüfung durch die Stadtverwaltung ergeben, sind nicht zu retten. Die geplanten Neubauten beanspruchen zu viel Platz, heißt es.

Blick in die Jakobinenstraße: Die alten Bäume am Straßenrand, das hat eine Prüfung durch die Stadtverwaltung ergeben, sind nicht zu retten. Die geplanten Neubauten beanspruchen zu viel Platz, heißt es. © Wolfgang Händel

Die Bäume: An den Stämmen der alten Bäume am Straßenrand hatten Anwohner schon im Sommer Kärtchen befestigt mit der Aufschrift: „Hilfe, ich soll wegen eines Turnhallen-Monsters gefällt werden!“ In Zeiten des Klimawandels herrscht Unverständnis darüber, dass die Neubaupläne es nicht vorsehen, das wertvolle Grün zu erhalten. 


Im Oktober dann kündigte der Oberbürgermeister an, alle 15 Bäume an der Jakobinenstraße retten zu wollen. Nach einer entsprechenden Prüfung kam nun die Kehrtwende: „Es wäre schön, das zu schaffen, aber wir müssen ehrlich sein, wir können nicht von einem Erhalt ausgehen“, sagte Baureferentin Christine Lippert bei der Bürgerversammlung, „wir benötigen das gesamte Baufeld.“


Überleben werden nur die Bäume an der Otto-Seeling-Promenade. Lippert versprach aber, die Stadt werde nach Abschluss der Arbeiten vor Ort viele neue Bäume pflanzen, und zwar durchaus große Exemplare. „Wir wollen nicht, dass Sie auf eine Wand schauen müssen“, sagte Jung den Anwohnern in Bezug auf die Turnhalle. Damit auch in Zukunft Bäume die Jakobinenstraße säumen können, wird wohl die Fahrbahn verengt.

Die Halle: Die Anwohner fordern, das nahe Humbser-Sportgelände bei den Planungen für eine neue Turnhalle einzubeziehen, um „die Bebauung zu entzerren“. Auch dies hat das Rathaus geprüft, das Ergebnis: Auf dem Humbser-Areal, wo derzeit eine kleine marode Halle steht, könnte durchaus eine Dreifach- oder sogar eine Sechsfachhalle gebaut werden, auch wenn man dadurch nahe an das Überschwemmungsgebiet rücken würde. Schulreferent und Bürgermeister Markus Braun machte jedoch klar: Für die Kinder und Jugendlichen des Schulzentrums Tannenplatz braucht es neun Halleneinheiten – und das vor Ort, will man die Schüler nicht mit Bussen durch die Stadt karren. 


Das heißt: Würde am HumbserSportplatz eine Sechsfachhalle gebaut, braucht es trotzdem noch eine Dreifachhalle am Gymnasium. Die alte HLG-Halle in diesem Fall stehen zu lassen, ist für ihn keine Option: Sie müsse weichen, um das riesige Bauvorhaben wie geplant in mehreren Phasen und ohne eine Auslagerung der Schule abwickeln zu können.

 
Offen bleibt vorerst die Frage: Entsteht die Sechsfachhalle am HLG und die kleinere Variante am Humbser-Gelände oder umgekehrt? Das, so der Oberbürgermeister, habe der Stadtrat zu entscheiden. Er selbst sei in diesem Punkt leidenschaftslos. Schulleiter Martin Pfeifenberger plädierte für eine Sechsfachhalle am Gymnasium, da eine der beiden neuen Hallen während der weiteren Baumaßnahme als Ausweichquartier für Mensa und Ganztagsbetreuung dienen könnte. Fest steht inzwischen: Nach Angaben der Stadt kann die Halle dreieinhalb Meter tiefer in die Erde gesetzt werden als zunächst geplant. 

Die Containerlösung: Die Bürgerinitiative würde die Bauzeit – geplant sind Minimum sechs Jahre – liebend gern deutlich verringern. Möglich wäre das, so Anwohner, würde die Stadt andernorts ein Ausweichquartier aus Containern hochziehen, das HLG vorübergehend auslagern und am alten Standort aus einem Guss bauen. 


Keine gute Lösung, findet man im Rathaus, denn: Zum einen gehöre der Stadt schlicht kein freies Grundstück in Zentrumsnähe, zum anderen würden für den Containerbau immense Kosten entstehen, die nicht förderfähig wären. Auch der Schulleiter sprach sich dagegen aus. Bliebe der Altbau weiter in Betrieb, wäre das Gymnasium lange Zeit auf zwei Standorte verteilt, klagte Pfeifenberger. Dass Anwohner am Montagabend mehrfach kritisierten, man könne Schülern und Lehrern unmöglich sechs Jahre Baulärm zumuten, rief den OB auf den Plan: Niemand könne der Schulleitung vorwerfen, nicht das Wohl der Kinder und des Kollegiums im Blick zu haben. Man habe sich gemeinsam und sehr bewusst für den Ausbau im laufenden Betrieb entschieden. 

Der Zeitplan: In den „kommenden Wochen“, so Lippert, beschließt der Stadtrat, wo die Drei- und wo die Sechsfachhalle entsteht. Danach könne man sich an einen echten Entwurf für den Schulneubau machen, bislang befinde man sich noch im Stadium des Vorentwurfs. Bis Ende 2020 hofft man, detaillierte Planungen vorlegen zu können, inklusive Fassadengestaltung. Ende 2021, so die Hoffnung, könnte der Bau beginnen.


Die Bürgerinitiative drängt darauf, in die Detailplanung eingebunden zu werden. Das Rathaus hat zugesagt, mit ihr alle vier Monate an einem Runden Tisch neue Entwicklungen besprechen zu wollen.

 

9 Kommentare