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In einem Steiner Keller geht’s immer rund

Kreisel, Stifte oder Schalen: Wolfgang Ehlert hat das Drechsel-Handwerk zu seiner Passion gemacht - 09.10.2016 09:00 Uhr

Schöne bunte Kreisel gehören neben Kugelschreibern zu den Lieblingsstücken des Steiner Hobby-Handwerkers. © Fotos: Hans-Joachim Winckler


In der einen Hand hält Wolfgang Ehlert ein längliches Stück Kantholz, in der anderen einen edlen Füller. Was beide miteinander zu tun haben? Nun, das eine ist aus dem anderen entstanden.

Drechsler aus Leidenschaft ist Wolfgang Ehlert, der eigentlich bei einer Krankenkasse arbeitet.


Der 49-Jährige ist im Brotberuf Angestellter bei einer Krankenkasse. Doch vor einigen Jahren hat der Waldbesitzer seine Leidenschaft für das Drechseln entdeckt. „Das ist wie eine Sucht“, sagt er lachend, „man kommt nicht mehr davon los.“

Im heimischen Keller in Stein hat sich Ehlert eine Werkstatt eingerichtet: klein, aber fein. Von jedem Standpunkt aus ist alles griffbereit. Schleifpapier in den unterschiedlichsten Stärken, Spannbacken, Bohrer in den verschiedensten Dicken, Drehmeißel und -röhren.

Apfel oder Buche

Fein säuberlich in Plastikkisten verstaut hat Ehlert verschiedene Holzsorten gelagert: Buche, Eibe, Apfel, Essigbaum und viele mehr. Mittelpunkt des Raumes ist aber eine große Drechselbank. 150 Kilogramm ist sie schwer und mit etlichen Gewichten noch zusätzlich beschwert.

„Masse ist alles“, erklärt Ehlert, und spätestens, wenn er die Maschine einschaltet, ist erkennbar, warum: Das eingespannte Stück Holz in der Achse wird mit großer Geschwindigkeit um sich selbst gedreht — und der Boden zittert gleich mit.

Dünne und lange Gegenstände, erklärt er, seien besonders schwierig herzustellen, weil sie stark vibrierten und so keine saubere Oberfläche entstehen kann. Aber, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu, „es gibt für alles Tricks“.

Und die hat sich der Hobbydrechsler durch Ausprobieren, in diversen Internetforen und -gruppen, aus Fachzeitschriften und vor allem bei den Drechselfreunden Franken (DFF) eingeholt und abgeschaut. „Wir treffen uns ein Mal im Monat in Neusles bei Gräfenberg, es gibt Vorträge und wir tauschen uns aus“, erzählt er über den Stammtisch.

Nach nur drei Jahren hat sich der Selfmade-Drechsler so viel Wissen und Erfahrung angeeignet, dass er selbst Vorträge hält und bei Veranstaltungen wie dem Stadtfest oder „Ganz Stein feiert“ Vorführungen macht und zum Beispiel Zauberstäbe drechselt, die besonders den Kindern ein staunendes Lächeln ins Gesicht zaubern. „Vor Weihnachten ist meist besonders viel zu tun – die Nachfrage nach Geschenken aus edlem Holz steigt ständig“, weiß Ehlert.

Wie alles begann, ist schnell erzählt: „Als Waldbesitzer habe ich mir eines Tages gedacht, dass man aus all dem schönen Holz eigentlich was machen müsste.“ Er meldete sich bei einem Grundlagenkurs bei einem Drechselmeister im Allgäu an und war begeistert. Gleichwohl war ihm auch klar: Da muss man dranbleiben. „Der erste Kreisel etwa, den ich gedreht habe, der war nicht gerade toll – aber wenn man das 100 Mal gemacht hat, dann werden sie perfekt.“

Wie viele Stunden genau Ehlert in seiner Werkstatt verbringt, vermag er nicht so genau zu sagen. „An einem freien Tag sind es schon mal sechs bis acht Stunden, oft bin ich auch nach der Arbeit nochmal zumindest kurz am Werkeln“, gibt er zu. Und auch, dass er mittlerweile schon ab und zu mal ein Zeitproblem bekomme – „es sind so viele verschiedene Arbeitsschritte zu machen und die Nachfrage ist groß.“

Sein Portfolio reicht von Füllern und Kugelschreibern über Flaschenverschlüsse und Schalen bis hin zu Muskatmühlen, Windlichtern und ganz speziellen Sonderanfertigungen. Zum Beispiel für Sohn Felix (10) und seine Playmobil-Figuren. Oder für eine Dame, die eine Handspindel zum Wollespinnen brauchte.

„Neulich war eine Vorhanghalterung aus Plastik bei uns im Haus abgebrochen – da habe ich das Ersatzteil eben aus Holz selbst gedrechselt“, sagt Ehlert, „warum soll man immer alles gleich wegschmeißen, wenn was kaputt geht, wenn man doch auf einfache und schnelle Art Sachen reparieren kann?“

Viel Tüftelei

Sein liebstes Kind sind allerdings neben den Füllern die Kreisel. Die intensive Farbe bringt er dabei bei laufender Maschine auf das Spielzeug auf. „Da musste ich viel tüfteln, bis ich die perfekte Technik hatte.“ Olivenbaum, Kirsche, Flieder, Eibe und Walnuss verarbeitet der 49-Jährige besonders gern. Bescheid weiß er natürlich über jede Holzart. „Das muss man als Drechsler einfach drauf haben.“ „Am meisten freue ihn, wenn er ein unscheinbar oder vergammelt aussehendes Stück Holz bearbeite und dann beim Abdrehen eine unerwartet schöne Maserung hervortritt.“

Eine Vitrine mit einem Teil seiner Drechselarbeiten ist in der „Spielboutique“ in der Steiner Hauptstraße zu finden. Mehr Infos über die Arbeiten von Wolfgang Ehlert gibt es im Internet unter www.drechselspass.de  

Claudia Wunder

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