Innenstadt: Schmucke Fassaden und höhere Mieten

9.2.2011, 09:00 Uhr
Ein Container mit Bauschutt steht vor dem Gebäude in der Hirschenstraße 23: Für den Oberbürgermeister (links, im Hintergrund) ist das ein erfreulicher Anblick.

Ein Container mit Bauschutt steht vor dem Gebäude in der Hirschenstraße 23: Für den Oberbürgermeister (links, im Hintergrund) ist das ein erfreulicher Anblick. © Hans-Joachim Winckler

Früher gehörte die Hirschenstraße zu den Straßen, in die Thomas Jung einen Gast lieber nicht führte. Wenn der Oberbürgermeister selbst einen Blick in die Straße riskierte, sah er „eine der verwahrlosesten Ecken der Stadt, wie man sie sonst in ostdeutschen Städten vorfand — und zwar nur in den schlechtesten.“

Heute gerät Jung ins Träumen, wenn er durch diese Straße radelt, vorbei an Containern voller Bauschutt. Jung genießt den Anblick, er zeigt ihm, dass sich hier etwas tut, dass hier — auch durch die Investitionen der Stadt in den Bau des Technischen Rathauses und in die Sanierung des Volkshochschulgebäudes — eine Entwicklung angestoßen wurde, ein „unumkehrbarer Trend“ zur Aufwertung des Viertels.

„Die Straße wird uns noch viel Freude machen“, frohlockt der Oberbürgermeister, und er denkt dabei an „die vielen neuen Familien“, die einmal in den sanierten Wohnungen leben werden, „parallel zur Fußgängerzone“. Eine „Chance für die Einkaufsstadt Fürth“ sieht Jung darin — weil diese Familien andere sein werden als jene, für die die Innenstadtlage bisher interessant war.

Schöne, teure Gustavstraße

Es ist abzusehen, dass die künftigen Mieter über ein größeres Einkommen verfügen müssen als die meisten, die hier bisher zu Hause waren. Ähnlich war es in der Gustavstraße. Mit jedem Haus, das saniert wurde, stieg die Attraktivität des Viertels — und stiegen die Mieten, von 3,50 Euro pro Quadratmeter auf jetzt 6,80 Euro, wie Jung auswendig weiß. Der Migrantenanteil hingegen sank, von rund 50 Prozent auf „jetzt unter 30“. Eine ähnliche Entwicklung wünschte sich Jung auch für die westliche Innenstadt mit ihrer „zu einseitigen Sozialstruktur“. Und es sieht ganz so aus, als würde sich sein Wunsch erfüllen.

Mehr als zehn Millionen Euro haben private Hausbesitzer und Investoren laut Jung in den letzten Jahren in die Hand genommen, um Gebäude in oder in Nähe der Hirschenstraße auf Vordermann zu bringen. Fassaden wurden saniert und attraktive Wohnungen geschaffen, viele davon mit neuen Balkonen. Zurzeit sind Arbeiter etwa in der Rosenstraße 1 zugange, wo auf 850 Quadratmetern elf Wohnungen entstehen. Generalüberholt wird demnächst auch das quecksilberverseuchte Gebäude in der Hirschenstraße 23, in dem vier Ladeneinheiten und 13 Wohnungen herzurichten sind. Die fürs Jahr 2012 geplante Straßensanierung soll weitere Hausbesitzer zum Handeln bewegen. „Das ist wie ein Puzzle, wenn einige anfangen, ziehen die anderen nach“, sagt Ralf Röder, Leiter der Bauaufsicht.

Weniger Nischen für Künstler

Schon jetzt ist die Innenstadtlage begehrt, viele der Wohnungen gehen bereits vor der Fertigstellung weg, sagt Stefan Laskarides, Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, der weiß, dass etliche der neuen Mieter aus anderen Städten kommen. Einige Fürther mussten sich dafür von ihrer gewohnten Umgebung verabschieden. Wer sich die Miete in den bereits sanierten Wohnungen nicht leisten kann, muss umziehen, in die Häuser der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) auf der Hardhöhe zum Beispiel oder in die Kalbsiedlung.

Die Aufwertung, die das Viertel erfahre, sei unbedingt „begrüßenswert“, sagt Jung, aber sie habe einen unschönen Nebeneffekt: „Die Nischen werden weniger.“ Auch Künstler, die ihre Ateliers in der Innenstadt hatten, müssen sich nach Alternativen umsehen. „Hier müssen wir über Möglichkeiten nachdenken“, gesteht der OB, der die Künstler nicht verlieren will. Auch sie machen Fürth ja schöner.

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