"Integreat": Fürther App bietet neue Heimat in der Hosentasche

Gwendolyn Kuhn
Gwendolyn Kuhn

Lokalredaktion Fürth

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2.10.2020, 16:00 Uhr
„Integreat“ heißt die App, die Stadt und Landkreis gemeinsam erstellt haben. Sie soll Migranten helfen, sich zurechtzufinden.

„Integreat“ heißt die App, die Stadt und Landkreis gemeinsam erstellt haben. Sie soll Migranten helfen, sich zurechtzufinden. © Foto: Wolfgang Händel

Die Antwort kommt prompt: Ja, sagt Salua Nassabay Pardo, eine solche Unterstützung hätte sie sich auch gewünscht, als sie vor 16 Jahren aus Kolumbien erst in Spanien und dann über Umwege in Deutschland Wurzeln schlug. "Immer wenn ich in eine neue Stadt gekommen bin, hab’ ich mich gefragt, was ich jetzt alles machen muss und wo ich etwas finde", erzählt Nassabay Pardo.

Heute unterstützt sie mit ihrer Arbeit Menschen in ähnlichen Situationen. Seit zwei Jahren arbeitet sie bei der Digitalfabrik "Tür an Tür", die die App "Integreat" entwickelt hat – und half dabei, diese auch für die Stadt Fürth und den Landkreis bereitzustellen.

Wo gibt es Sprachkurse?

Die Idee hinter der Anwendung ist so simpel wie hilfreich. In der App finden sich sämtliche brauchbare Informationen für Geflüchtete, Migranten oder Zugewanderte. Etwa, welche Behörden und Ämter man ansteuern muss und wo man sie findet, wo es Sprachkurse gibt, in welchen Vereinen sich vielleicht neue Kontakte knüpfen lassen und welche Firmen Praktika oder Arbeit vermitteln.

Darüber hinaus gibt es immer wieder kurze Erklärtexte, beispielsweise dazu, welche Formen der Kinderbetreuung es gibt oder warum in Deutschland Dokumente und Zertifikate so wichtig sind. Alle Informationen finden sich auf Deutsch sowie auf Arabisch, Bulgarisch, Englisch, Griechisch, Rumänisch und Türkisch.

Bei der Auswahl der Sprachen hat man sich an den Herkunftsländern der Migranten orientiert. Die meisten Menschen, die hier Fuß fassen wollen, stammen aus dem europäischen Ausland, sagt Landrat Matthias Dießl, viele kämen aus Südosteuropa. Da die Texte auf Deutsch bewusst einfach gehalten sind, lässt sich auch zwischen der Muttersprache und der neu zu lernenden hin- und herspringen; das unterstützt den Spracherwerb.


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64 Kommunen in Deutschland haben die App bereits eingeführt, Kooperationen wie die zwischen Fürth und dem Landkreis gibt es bislang allerdings nur sehr wenige. Als eine "gelungene Zusammenarbeit" loben Bürgermeister Markus Braun und Landrat Dießl die Einführung.

Bei der Bestückung der Anwendung mit Informationen und Adressen haben das Bildungsbüro der Stadt Fürth und die Koordinierungsstelle Integration des Landratsamts zusammengearbeitet. Die Angebote, die man in der App findet, weisen manchmal aber auch über Fürth und die Landkreisgrenzen hinaus. Eine spezielle Beratungsstelle für traumatisierte Menschen beispielsweise gibt es nur in Nürnberg. Auch sie ist in der App hinterlegt.


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Diese lässt sich nach und nach problemlos erweitern und mit aktuellen Adressen, Informationen oder Institutionen versehen. Ausdrücklich gewünscht ist, dass die Nutzer Rückmeldung darüber geben, was sie neu entdeckt oder wo sie Hilfe bekommen haben.

Zunächst einmal sollen aber möglichst viele Migranten von der App erfahren. Rudolf Dellermann, Bildungskoordinator für neu Zugewanderte am Landratsamt, plant etwa Aktionen an Schulen, wo Flyer verteilt werden sollen. Außerdem sollen einschlägige Ämter die Information weitergeben.

"Am besten läuft die Verbreitung der App aber über Mund-zu-Mund-Propaganda", weiß Salua Nassabay Pardo aus Erfahrung.

"Integreat" kann man kostenlos im App Store oder Google Play Store herunterladen, auch als Web-App ist sie erhältlich. Sie ist auch offline nutzbar.

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