Inzidenz steigt: Britische Mutation breitet sich in Fürth aus

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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23.2.2021, 06:00 Uhr
Wechselunterricht in der Grundschule am Kirchenplatz: Die Hälfte der Schüler sitzt im Klassenzimmer, die andere Hälfte lernt zuhause.

Wechselunterricht in der Grundschule am Kirchenplatz: Die Hälfte der Schüler sitzt im Klassenzimmer, die andere Hälfte lernt zuhause. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Der Neustart der Kitas und Schulen in Nürnberg ist schon beendet. "Richtig bitter" sei das für alle, sagt Fürths Schulreferent Markus Braun mitfühlend. Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz der Nachbarstadt am Montag bei über 100 lag (exakt: 101,5), müssen dort bereits ab heute die meisten Schülerinnen und Schüler wieder von zuhause aus lernen. Krippen, Kindergärten und Horte wechseln zurück zur Notbetreuung.


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"Das führt vor Augen, wie schwierig die Situation ist", sagt Braun. "Ich hatte gehofft, wir sind weiter." Auch in Fürth ist der Inzidenzwert zuletzt wieder kräftig gestiegen. Am 12. Februar noch war die Freude groß, weil die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen erstmals seit Oktober unter 35 lag.

Die 100er-Marke schien weit weg – doch das änderte sich schnell: Am vergangenen Wochenende war die 70 erreicht, am Montag meldete das Robert-Institut (RKI) für Fürth einen Wert von 73,9 und für den Landkreis von 71,3. Dort sind die Schwankungen geringer, die Inzidenz war nur auf unter 50 gesunken.

Nürnbergs Gesundheitsreferentin Britta Walthelm wähnt die Stadt am Wendepunkt zu einer dritten Welle – und führt das auch auf die ansteckenderen Virus-Varianten zurück. Sie machen in Nürnberg inzwischen 22 Prozent der neuen Corona-Fälle aus.

Mutationen: Anteil liegt zwischen 20 und 33 Prozent

In und um Fürth ist das Bild ähnlich: Der Anteil der Mutationen beträgt bei den Neuinfektionen mittlerweile zwischen 20 und 33 Prozent, sagt auf FN-Nachfrage Landratsamtssprecher Christian Ell. Insgesamt gab es bisher 45 Mutationsfälle in Fürth und 34 im Landkreis (aktuell positiv sind noch 36 bzw. 30 der Betroffenen). In 16 Fällen liege das genaue Ergebnis noch nicht vor, in allen anderen wurde Ell zufolge stets die britische Variante nachgewiesen.


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Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz in Fürth auf über 100 steigen, würden Schulen und Kitas auch hier "sofort am nächsten Tag" auf Distanzunterricht und Notbetrieb umstellen, stellt Braun klar. Die Kommunen hätten da keinen Ermessensspielraum. Für die Einrichtungen im Landkreis ist dabei die Sieben-Tage-Inzidenz des gesamten Kreises entscheidend, nicht die der einzelnen Kommune.

Fällt der Inzidenzwert schon tags darauf wieder unter die kritische Grenze, stünde theoretisch die nächste Rolle rückwärts an. Es wäre ein Hin und Her, das man den Schulen nicht zumuten kann, so Braun. Wahrscheinlich würde man dann für den Rest der Woche nichts mehr ändern.


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Mit dem Wechselunterricht habe für die Lehrer nun ein "gut gemeintes", aber "sehr belastendes" Modell begonnen. Sie müssen sich parallel um eine Schülergruppe im Klassenzimmer und eine zuhause kümmern; an den Grundschulen kommt die Notbetreuung noch hinzu.

Kitas: Wie sinnvoll ist die komplette Öffnung?

Eine stufenweise Öffnung hätten sich unterdessen manche Familien und Erzieherinnen auch für die Kitas gewünscht. Stattdessen dürfen alle Mädchen und Jungen zurückkehren. Die Gemengelage sei schwierig, sagt Tobias Thiem, im Jugendamt zuständig für den Bereich Kindertageseinrichtungen.


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Die Eltern seien stark belastet und bei den Kindern, gerade bei Einzelkindern, sei die Sehnsucht nach den Freunden groß. Viele Familien hätten ja auch privat stark auf Kontakte verzichtet. Gleichzeitig versteht Thiem die Sorgen des Personals.

Die Entscheidung der Staatsregierung für die komplette Öffnung der Kitas laufe spätestens im Hortbereich dem Bemühen um Schutz an den Schulen entgegen, gibt er zu bedenken: denn hier dürfen alle Kinder gleichzeitig betreut werden. "Man teilt die Klassen mühsam, aber hier kann es zur Durchmengung kommen." Das sei schon etwas absurd.


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Am Montag waren die Fürther Kitas Thiem zufolge im Schnitt zu "unter 75 Prozent" belegt, die Horte etwas weniger. Mit Blick auf die Mutationen verzichten manche Familien weiter darauf, die Kinder zu bringen.