Jubiläum

Jubiläum für Rot-Gold-Casino: Fürths Tanzelite kommt aus der Reithalle

13.6.2021, 16:00 Uhr
Immer schön Haltung bewahren. Das Kaderpaar Sophie Kondratenko und Adrian Enes schwebt elegant durch den geräumigen Tanzsaal des TSC auf dem früheren Kasernengelände.

Immer schön Haltung bewahren. Das Kaderpaar Sophie Kondratenko und Adrian Enes schwebt elegant durch den geräumigen Tanzsaal des TSC auf dem früheren Kasernengelände. © Foto: Peter Romir

Konzentriert und dennoch voller Leichtigkeit bewegen sich Sophie Kondratenko und Adrian Enes durch die große Halle des „TSC Rot-Gold-Casino-Nürnberg“. Als Bundeskader-Paar der Deutschen Nationalmannschaft gehören sie zu den besten Latin-Tänzergespannen der Nation – und das obwohl sie beide noch zur Schule gehen.

"Tanzen ist mein Leben – ohne Tanz wäre ich sicher ein anderer Mensch", glaubt Sophie. "Ich war ein sehr hyperaktives Kind, hatte aber eingedrehte Beine und meine Mama dachte, dass Tanzen vielleicht helfen könnte."

Tat es auch: "Tanzen ist ein sehr gesunder Sport", bestätigt Cheftrainerin Andrea Grabner "Es fördert körperliche Fitness, trainiert aber auch das Gehirn – und kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden."

Dementsprechend bunt ist die Mischung unter den gut 600 Mitgliedern des Clubs: Von den Dreijährigen, die erste Schritte auf der Tanzfläche wagen, über die ambitionierten Wettkampfsportlerinnen und -sportler bis hin zum Seniorenbereich in den 80ern reicht das Spektrum.

Gegründet wurde der Club vor 60 Jahren – am 8. Juni 1961 – in Nürnberg. Deshalb trägt er den Namen der großen Nachbarstadt noch immer im Namen, obwohl er seit der Jahrtausendwende in Fürth ansässig ist.

Ehemalige Reithalle

Und zwar an einem ganz besonderen Platz: Der große Tanzsaal ist eine ehemalige Reithalle der königlich bayerischen Kavallerie auf dem früheren Kasernengelände mitten in der Südstadt. In den Nebenräumen standen früher die Futtertröge der Pferde.

Nach dem Krieg reparierte die US-Armee hier, in den Darby-Barracks, ihre Panzer, bevor schließlich die Tanzbegeisterten Einzug hielten. "Wir mussten erst mal die Stadtverwaltung davon überzeugen, dass ein Verein der ,Rot-Gold-Casino‘ heißt, nichts mit Nachtclubs zu tun hat", erinnert sich Vorstand Frank Pöhlau lachend.

"Aber inzwischen sind wir sehr stolz auf diese Halle, die wir mit viel Eigenleistung ausgebaut haben." Sie biete ein einzigartiges Flair und genug Platz, damit auch die Formationen mit bis zu acht Paaren gemeinsam trainieren können.


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Zumindest in "normalen" Jahren. Die Covid-Vorschriften wirbelten auch bei Rot-Gold den Trainingsplan gehörig durcheinander: "Eine Zeit lang war es mir nicht erlaubt, hier in der großen Halle mit einem Paar zu üben – in einem kleinen Wohnzimmer aber schon", sagt Trainerin Grabner kopfschüttelnd.

Dann durften lange Zeit nur die Kaderpaare in die Halle, während die Breitensportlerinnen vor verschlossenen Türen standen: "Das war eine unglückliche Trennung, die alle als sehr ungerecht empfunden haben", erinnert sich Vorstand Pöhlau. "Aber wir waren machtlos und wollten zumindest unseren Wettkämpferinnen das Training ermöglichen, schließlich wurde in anderen Bundesländern schon seit Monaten wieder geübt."

Darby-Kaserne, 19. Dezember 1995: Zum letzten Fahnenappell treten Soldaten an – die Zeit der US-Armee in Fürth findet damit ein Ende.

Darby-Kaserne, 19. Dezember 1995: Zum letzten Fahnenappell treten Soldaten an – die Zeit der US-Armee in Fürth findet damit ein Ende. © Foto: Dietmar Bruckner

Und der TSC hat durchaus einen Ruf zu verteidigen: Sportlich gehört er zu den zehn erfolgreichsten Vereinen Deutschlands und zu den Top 3 in Bayern, wovon zahllose Pokale auf Regalbrettern am Rand der Halle zeugen. Demnächst will man von Fürth aus sogar nach olympischem Gold greifen: "Standard und Latin-Tanz sind leider keine olympischen Disziplinen", sagt Andrea Grabner. Aber Breakdance sei ab 2024 dabei. "Und da wir im Verein immer eine gute Mischung aus Tradition und Moderne wollen, haben wir uns angemeldet."


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Die Feierlichkeiten zum runden Jubiläum – geplant war unter anderem ein Ballabend – wurden pandemiebedingt abgesagt. Stattdessen will man in den kommenden Wochen alles daransetzen, den regulären Trainingsbetrieb zu starten.

"Das ist auch für unsere Trainerinnen wichtig", meint Pöhlau. Denn anders als im Profifußball könne man beim Tanzen nicht viel verdienen. "Daher sind die meisten ehemaligen Profis darauf angewiesen, unterrichten zu können."

Zum Glück haben die meisten Mitglieder dem Verein auch in der Corona-Krise die Treue gehalten: "Es gab nicht mehr Austritte als sonst – aber eben auch kaum Neuzugänge, weil wir keine Veranstaltungen machen konnten", so Pöhlau. "Aber auch das werden wir nachholen."

Genaueres ist rechtzeitig unter der Adresse www.rgc-nuernberg.de zu erfahren.

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