Montag, 27.01.2020

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Kampf gegen Kippen: Fürth rüstet jetzt Abfalleimer nach

Giftiges Müllproblem in der Kleeblattstadt - Kreative Lösungen - 13.12.2019 06:00 Uhr

Hier können Kippen richtig entsorgt werden: Für den neuen Wochenmarkt hat die Stadt bereits Abfallbehälter mit Ascher angeschafft. © Hans-Joachim Winckler


Die Stummel sind schwer abbaubar und hoch toxisch. Sie enthalten Tausende Chemikalien und diverse Schadstoffe: Arsen, Blei, Cadmium, aromatische Kohlenwasserstoffe, Nikotin, Teer. . . Bei Regen werden diese herausgewaschen, sie sickern in Böden und Gewässer. Im kontaminierten Wasser oder durchs Verschlucken der Filter gehen Fische und andere Lebewesen zugrunde.

Die Menge macht die kleinen Reste zur gewaltigen Belastung für die Umwelt: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass jährlich 4,5 Billionen Stummel achtlos weggeworfen werden. Im Juni sammelten Jugendliche bei einer Fridays-for-Future-Aktion in zweieinhalb Stunden etwa drei Kilo Kippen aus der Fürther Willy-Brandt-Anlage und der Hornschuchpromenade.

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Auch das Rathaus will handeln. Zusammen mit Nürnberg, Erlangen und Schwabach setzt sich Fürth zum einen dafür ein, dass der Freistaat höhere Bußgelder für Abfallsünder ermöglicht. Zum anderen will die Stadtverwaltung im nächsten Jahr Abfallbehälter nachrüsten – allerdings in begrenztem Umfang.

Weil den meisten öffentlichen Mülleimern Ascher fehlen, drücken manche Raucher, die die Kippen eben nicht auf den Boden schnippen wollen, sie am Rand der Behälter aus und werfen sie dann hinein. Andere lassen sie auf dem Rand liegen, damit sich nichts entzünden kann.

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Dass das kein Zustand ist, findet die CSU-Fraktion, die nun forderte, dass die öffentlichen Abfallbehälter mit Aschenbechern oder Glutlöschern ausgestattet werden. Im Umweltausschuss einigte man sich darauf, nach und nach nachzubessern, vor allem an viel frequentierten Orten. In einem ersten Schritt werden im Frühjahr für rund 3500 Euro 15 der 56 Müllbehälter im Südstadtpark nachgerüstet. Das sei seit einiger Zeit geplant, es gebe dort die heftigsten Beschwerden über Zigarettenkippen, heißt es aus dem Grünflächenamt. Von einer Testphase ist die Rede.

Hohe Kosten für die Stadt

Eine grundsätzliche Umrüstung aller Behälter lehnt die Stadt dagegen ab – sie wäre mit hohen Ausgaben verbunden. Viele Modelle seien schwierig zu ergänzen, erklärt das Tiefbauamt, zugleich koste die Komplettierung meist schon halb so viel wie ein neuer Behälter. Der Preis eines Standardexemplars liegt laut Stadtverwaltung bei 350 Euro.


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Das Grünflächenamt betreut selbst mehr als 600 Abfallbehälter in Grünanlagen und auf Spielflächen. Alle entsprechend auszustatten, wäre zum einen sehr teuer, betont die Behörde ebenfalls, zum anderen wäre es "kontraproduktiv", auf Spiel- und Bolzplätzen sowie Jugendspielbereichen tätig zu werden – dort sei das Rauchen verboten.

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Wo neue Mülleimer aufgestellt werden, setze man bereits möglichst auf Modelle mit integriertem Ascher, versichert das Tiefbauamt. Beim Wochenmarkt etwa gibt es sie schon, oder in der Gustavstraße.

Auch künftig soll das die Regel beim Neukauf sein, das hat der Ausschuss festgehalten. Zudem wurde die Stadtverwaltung beauftragt, zu prüfen, ob in absehbarer Zeit auch die Abfalleimer in der Fußgängerzone optimiert werden können. Dort handelt es sich nicht um Standardbehälter, sondern um schickere, teurere Modelle aus Baubronze. Mit der infra wiederum wird die Stadt darüber sprechen, was im Bereich von Bushaltestellen möglich ist. Die dort aufgestellten Abfalleimer beschafft das städtische Verkehrsunternehmen.

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