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Kärwa-Porträt: Die bekannte Schaustellerfamilie Grauberger

Baggers, Veteranen-Club, Südtiroler Bergdorf: Die Graubergers sind fester Teil der Fürther Kirchweih - 05.10.2019 21:00 Uhr

„Wer gute Plätze will, muss seine Anlage top in Schuss halten“: Kurt Grauberger. © Peter Budig


Im Verkehrsgarten „Veteranen Club“ zuckeln Kurt Graubergers Oldtimer durch sanft hügelige Landschaften. Ein Klassiker der Kinderbelustigung, der heuer schon ganz schön herumgekommen ist: Zweimal stand er auf den Nürnberger Volksfesten, in Bayreuth, Straubing und jetzt auf der Fürther Kärwa – auf der Freiheit direkt vorm Wöhrl. Stets musste das Fahrgeschäft in Eile auf- und abgebaut werden.

Seit 25 Jahren steht das Grauberger‘sche Fahrgeschäft regelmäßig in Fürth. Das ist Schaustellerleben: mittelständisches Unternehmertum mit Reiseverpflichtungen. Geschäft und Wohnsitz werden von Veranstaltung zu Veranstaltung transportiert. Im Fall von Kurt Grauberger wird das ergänzt durch einen Eis- und einen Mandel-Süßigkeiten-Verkauf. Was nicht heißt, dass man immer auf den selben Plätzen Standrecht bekommt.

Anlage muss top gepflegt sein

Im Winter, nach den Weihnachtsmärkten, kommen die Grauberger-Geschäfte in die familieneigene, 55 mal 25 Meter große Halle in Cadolzburg.Dort werden sie begutachtet,überholt,repariert,neu lackiert. „Wer gute Plätze will, muss seine Anlage top in Schuss halten“, sagt der 63-jährige gebürtige Fürther. Handwerkliche Begabung und umfangreiches Wissen gehören zum Schaustellerberuf, doch die Fähigkeiten von Grauberger senior genießen selbst in diesen Kreisen einen legendären Ruf.

„Wenn etwas gar nicht mehr geht,dann rufen wir den Kurt“, erzählt der Nürnberger Schaustellerchef Lorenz Kalb (in Fürth wieder mit „Heidi’s Treff“), der mit Grauberger seit Jahrzehnten eng befreundet ist und mit ihm auch den Stadtstrand auf der Nürnberger Insel Schütt betreibt. Grauberger hat nämlich die meisten seiner Geschäfte – allerdings nicht den „Veteranen Club“ – eigenhändig gebaut. „Als ich begann mit dem Beruf, wollte ich einen besonders schönen Wohnwagen zum Leben haben, ein gemütliches Zuhause für meine Frau Ulrike und mich“, blickt er auf über 30 Jahre zurück.

Wie baut man einen Wohnwagen? „Man besorgt sich Achsen, Räder und einen riesigen Haufen Eisen“, zählt Grauberger lächelnd auf. „Den Rest hab’ ich dann schon hier drinnen“, meint er, auf seinen Kopf deutend. Je nach Arbeitsfortschritt wird er als Schlosser, Schreiner, Elektriker oder Lackierer tätig – ohne je eine handwerkliche Lehre absolviert zu haben.

Zusammenhalt ist wichtig

„Ich habe von Kindesbeinen an meinem Vater geholfen, und den Rest habe ich mir selbst beigebracht“, sagt der Unternehmer, der auch den „Baggers“Verkaufswagen seiner Tochter Nicole eigenhändig gebaut hat (der Wagen steht in der Friedrichstraße gegenüber der Sparda-Bank). „Nur für die Kunstmalerei am Schluss beschäftigen wir einen Spezialisten“, schränkt Grauberger ein.

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Erfolgreiche Schausteller halten zusammen – der Familienverbund der Graubergers ist dafür das beste Beispiel: Ob Kurt juniors „Alte Bierhütt’n“ oder die Geschäfte seines Bruders Franz – „wenn einer Hilfe braucht, machen wir das gemeinsam. Alles ist eins und die Arbeit ist unsere. Getrennt ist nur das Geschäft an sich, die Arbeit teilen wir ohne viel Reden“, erzählt Grauberger, der von sich behauptet, dass er „sehr gerne arbeitet“.

Zehn bis zwölf Mitarbeiter

Im Winter und in den Sommerwochen ohne Festplatz hat er die Eisenbahn der Kinderweihnacht komplett zerlegt und erneuert. Ein privates Hobby? „Ich gehe gerne Ski fahren.“ Sonst zieht es ihn eher wieder in die Werkhalle.

 Zwischen zehn und zwölf Mitarbeiter sind beim Grauberger beschäftigt, „sie kommen aus Rumänien und sind schon lange bei mir“,erklärt er. „Doch es wird immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden,die verlässlich sind. Ein Geschäft wie der ,Veteranen Club’ ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß.Viel zu personalintensiv – und die Generation Kinder, die damit fahren mag, wird jünger und jünger. Schon die Zehnjährigen wollen heute in die Wilde Maus“, seufzt Kurt Grauberger.

Er steht für die dritte Schausteller-Generation seiner Familie, der Großvater hat mit einer Berg-und-Tal-Bahn angefangen. Auch eine Schiffsschaukel und ein Kinderkarussell mit Holzpferden gehörten zur Krick & Grauberger GmbH & Co. KG. „Krick war der Mädchenname meiner Mutter“, erinnert er sich. Die ist immer noch aktiv und hat gerade das Zwetschgenmus frisch gemacht, das Nicole zu ihren Baggers anbietet.

 Auch Graubergers Sohn Kurt führt die Traditionen fort: Seine „Alte Bierhütt’n“ hat er mit dem Schwager eigenhändig entworfen und natürlich selbst gebaut. Nur in einem hat Kurt junior die Gewohnheiten verändert: Seine Frau Ana stammt nicht aus Fürth, sondern aus Venezuela, er hat sie einst im Urlaub kennen- und lieben gelernt.

Matteo erobert die Kirchweih

Beider Sohn Matteo kam dieses Jahr zur Welt, und für ihn nimmt sich der Opa Kurt gerne Zeit und fährt mit dem Kinderwagen herum,zeigt ihm die Festplätze der Welt. Bis er groß genug ist, eine Flex zu bedienen.Aber das ist dann eine neue Geschichte.

Peter Budig

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