Sonntag, 07.03.2021

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Kastners Sporttreff: Nach 36 Jahren ist Schluss

"Wir haben keine Chance": Kunden kaufen lieber im Internet - 15.05.2020 16:00 Uhr

Roland Kastner stand 36 Jahre lang in seinem „Kastners Sporttreff“. „Ohne Stammkunden hätten wir es nicht geschafft“, sagt der ehemalige Torhüter der SpVgg Fürth.

13.05.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Nein, das wird kein Artikel über ein Opfer der Corona-Krise, auch Wehmut wird in den folgenden Zeilen so gut wie keine Rolle spielen. Denn in Roland Kastner ist bereits im vergangenen Jahr der Entschluss gereift, seinen Mietvertrag in der Friedrichstraße nicht zu verlängern.

Am 30. Juni wird er "Kastners Sporttreff" zusperren, das Fachgeschäft für Sportartikel hat es dann 36 Jahre und vier Monate in Fürth gegeben. "Ich will nicht mehr verlängern", erklärt der 64-Jährige derzeit den Stammkunden, die sich seit der Wiederöffnung nach der Corona-Pause "in schönen Rückmeldungen" persönlich verabschieden.

Sich noch einmal mit einem längerfristigen Mietvertrag zu binden, das macht für den 64-Jährigen keinen Sinn mehr. Er formuliert es deutlich: "Ich habe endlich begriffen, dass wir keine Chance mehr haben." Die Eröffnung der Decathlon-Filiale in der Südstadt habe er zwar nicht gespürt, dafür aber das veränderte Konsumverhalten der Fürther, die wie die meisten Deutschen nicht erst seit diesen Tagen lieber im Internet einkaufen als beim Fachhändler in der Stadt. "Ich muss lachen", sagt Kastner sarkastisch, "dass der Einzige, der in der Corona-Krise gewonnen hat, der Herr Amazon ist."

Doch es habe für einen kleinen Laden wie seinen auch weniger abstrakte Bedrohungen als das Internet gegeben: "Ich habe fünf Baustellen überlebt, von denen eine bis zu zwei Jahre gedauert und mich Umsatz gekostet hat." Zuerst am Grünen Markt, wo ihm die Verkehrsberuhigung nach 16 Jahren das Geschäft vermiest habe, und bis zuletzt in der Friedrichstraße.

Über sie fällt er ein vernichtendes Urteil: "Die Neue Mitte hat mir nichts gebracht, aus einem Boulevard vor meinem Laden ist nichts geworden. Wir haben eine Rennstrecke und ich muss meine Kunden vor den Radfahrern warnen, die an meiner Tür vorbeischießen." Die fünfeinhalb Wochen dauernde Schließung wegen Corona gingen von der Zeit seines Räumungsverkaufs ab.

Den letzten "Fürthlauf" gab es in anderer Form

Für viele Hobbyläufer in der Region geht aber noch eine weitere Ära zu Ende: Den "Fürthlauf", den Kastner 16 Jahre lang als Werbung für sein Geschäft organisiert hat, wird er ebenfalls einstellen. Im Absagenhagel der vergangenen Wochen wäre beinahe untergegangen, dass die letzte Ausgabe am 24. April mehr oder weniger trotzdem stattgefunden hat.


Fürth verliert den Kioski: "Wo wart ihr denn die ganze Zeit?"


Statt wie in Spitzenzeiten 1200 Teilnehmer waren es immerhin 200, die seinem Aufruf gefolgt sind, individuell die zehn Kilometer abzuspulen, Bilder davon zu mailen und sich die Urkunden von seiner Internetseite herunterzuladen. "Einer hat seinen Kumpel auf der Freiheit mit der Quetsch’n angefeuert", berichtet Kastner lachend. Als teilnehmerstärkste – und leider auch einzige – Schule holt sich die Adalbert-Stifter-Schule nächste Woche einen Scheck über 1000 Euro ab.

Der ehemalige Torhüter der SpVgg Fürth erzählt das gerührt, aber nicht wehmütig. Er selbst will sich nun die drei Jahre bis zur Rente noch einmal anstellen lassen. "Aber nicht im Verkauf", antwortet er auf Nachfrage. Er klingt zufrieden.

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