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Freitag, 24.05.2019

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Kicken mit gutem Gewissen

Künftig rollen die "Kleebälle" auf Rasen und Hallenparkett - 15.05.2019 16:00 Uhr

Freuen sich über den fairen Ball: Robert Weber von der „Bad Boyz Ballfabrik“, Sportreferent Markus Braun, Willi Kamm von der U 17 der SpVgg, der Fürther Fairtrade-Beauftragte Philipp Abel und Welthaus-Leiter Andreas Schneider (von links). © Hans-Joachim Winckler


Andreas Schneider, Leiter des Fürther Welthauses freut sich: Ab sofort setzt die Kleeblattstadt – wie übrigens schon Zirndorf, Stein und Langenzenn – auf fair produzierte Fußbälle, die den Arbeitern in dem südasiatischen Land bessere Arbeitsbedingungen und einen gerechteren Lohn sichern. 200 dieser "Kleebälle", die mit dem Fürther Wahrzeichen geschmückt sind, stellt die Stadt für Schulen und Vereine zur Verfügung. Angestoßen haben die Anschaffung Philipp Abel, Fairtrade-Beauftragter der Stadt, und der Weltladen.

Geht es nach Markus Braun, sollen bald mehr dieser Bälle im Umlauf sein. Schließlich, so der Sportreferent, seien in der Stadt Tausende im Einsatz. Das Schulverwaltungsamt, bei dem Anfragen nach neuen Bällen eingehen, soll künftig dafür sorgen, dass nur noch faire Spielgeräte ausgegeben werden.

Unerträgliche Bedingungen

Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Stadt Robert Weber von der Nürnberger "Bad Boyz Ballfabrik" ins Boot geholt. Sie lässt in Pakistan, wo in rund 700 Firmen etwa 80 Prozent der Fußbälle weltweit gefertigt werden, produzieren. Dort schuften die meisten Arbeiter unter unerträglichen Bedingungen, bekommen einen Lohn, der zum Leben kaum reicht, und haben wenig Rechte.

Weber, der die "Bad Boyz Ballfabrik" gemeinsam mit seiner Tochter führt, setzt dagegen seit 2014 auf eine faire Herstellung und kooperiert dazu mit einem der wenigen Unternehmen in Pakistan, die sich an Fairtrade-Richtlinien halten. 15 Prozent werden dazu auf den üblichen Preis aufgeschlagen. Fünf Prozent davon muss der Hersteller für soziale Zwecke verwenden, die restlichen zehn Prozent bleiben innerhalb des Unternehmens und kommen den Mitarbeitern zugute.

"Unser Produzent stellt zum Beispiel den Kindern seiner Mitarbeiter zum Schuljahresbeginn das Unterrichtsmaterial zur Verfügung", erzählt Weber. Darüber hinaus gibt es medizinische Betreuung oder ein kostenloses Mittagessen am Tag. Außerdem werden die Mitarbeiter besser bezahlt als ihre Kollegen in herkömmlichen Firmen. Doch auch das runde Leder muss sich nicht verstecken. Es entspricht den Vorgaben der FIFA, sagt Weber.

Fürth, seit Anfang 2016 offizielle Fair-Trade-Stadt, möchte sein Engagement in weiteren Bereichen ausbauen. Auf sportlicher Ebene könnte sich Braun etwa vorstellen, dass irgendwann auch Trikots und Shirts an den Schulen aus fairer Produktion kommen.

Wer privat fair kicken will, kann den "Kleeball" übrigens im Weltladen (Gustavstraße 31) oder im Fürth-Shop am Kohlenmarkt für 29,95 Euro kaufen. 

Gwendolyn Kuhn

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