26°

Freitag, 07.08.2020

|

zum Thema

Kino für die Ohren: Aufwendige Hörspiel-Produktion made in Fürth

Tonmeister Sirius Kestel und Regisseurin Milena Aboyan befassen sich mit dem Thema Ehrenmord - 11.07.2020 21:00 Uhr

Fröhliche Stimmung, ernster Stoff: Sirius Kestel (stehend) bei einem Dreh für das Hörspiel „Kälter als der Tod“. Die Aufnahmen machte er nicht im Studio, sondern in realen Kulissen in Fürth.

© Foto: Tim Händel


Es ist eine entsetzliche Szene. Eine junge Frau steht in den letzten Minuten ihres Lebens in einem gottverlassenen Wald ihren Mördern gegenüber. Die Täter sind ihr vertraut, es sind ihre Geschwister. Einer von ihnen will sie im nächsten Moment erschießen. Ein Verbrechen, das vor Gericht Ehrenmord genannt werden wird. . .

Die Hörer von "Kälter als der Tod" (Arbeitstitel) werden diese Schlüsselszene niemals sehen. Stattdessen können sie Ohrenzeugen der Spielsequenz sein, die nicht im Studio, sondern in Fürth in realistischer Kulisse von Profi-Darstellern gespielt und aufgenommen wurde. Eine Arbeitsweise, sagt Sirius Kestel, Produzent und Tonmeister, die freilich wesentlich anspruchsvoller ist, als eine Aufnahme im schalldichten Spezialraum: "Doch dafür verspreche ich mir davon eine merklich höhere Intensität im Miterleben für die Zuhörer."

Für den Filmtonmeister, der in Fürth zur Schule ging, anschließend an der Filmakademie Baden-Württemberg studierte und mit Diplom abschloss, ist es das zweite professionelle Hörspiel. Gemeinsam mit Diddi Meyer entstand im Vorjahr "Fünf nach Acht", eine Produktion, die von vielen Kritikern gelobt wurde. Als Autorin und Regisseurin engagiert sich jetzt Milena Aboyan. Sie wuchs in Armenien auf, hat eine Schauspiel-Ausbildung absolviert und erhielt anschließend ein Stipendium der Hessischen Filmförderung für junge Drehbuchautorinnen. Derzeit macht sie ihren Abschluss im Fach Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg. Ihr Skript für "Die Driton Bewegung" wurde im Februar mit dem UFA New Talent Award ausgezeichnet.

Im Hörspiel "Kälter als der Tod" greift Milena Aboyan ein Verbrechen auf, dem vor neun Jahren Arzu Ösmen, eine 18-Jährige deutsch-kurdische Jesidin aus Detmold, zum Opfer fiel. Sie wurde von ihren Geschwistern gewaltsam aus der Wohnung ihres Freundes entführt – eine Beziehung, die die Familie nicht duldete – und erschossen. Im Hörspiel übernimmt die Schauspielerin Rana Farahani die Rolle der jungen Frau. Hasan Tasgin, Suri Abbassi und Doguhan Kabadayi sind als ihre Brüder und eine Schwester zu erleben. Boris Keil, Ensemblemitglied am Stadttheater Fürth, spielt Arzus Freund.

Die Zusammenarbeit mit Milena Aboyan begann mit einer Anfrage, erinnert sich Sirius Kestel: "Ich habe mich bei ihr erkundigt, ob sie einen Autor oder eine Autorin für mein nächstes Projekt kennt und sie meinte: Willst du nicht mal mit mir reden?"

 

Stimme einer mutigen Frau

 

Mit ihrem Skript zu "Kälter als Tod" gibt Milena Aboyan einer Frau eine Stimme, die mutig "widersprach, ihre Rechte eingefordert hat und, obwohl sie die Konsequenzen kannte, dafür eingetreten ist". Auch die Täter kommen zu Wort. Gegensätzliche Weltanschauungen prallen aufeinander, unterschiedliche Hoffnungen und Vorstellung vom Leben. Wie ein Kammerspiel entwickelt sich dieses dramatische Gespräch während einer erzwungenen Autofahrt.

Auch diese Aufnahmen, so Kestel, wurden tatsächlich in einem mit Mikrofonen bestückten Fahrzeug gemacht. Geparkt war der Wagen dafür auf dem Gelände des Stadtjugendrings, der in der Produktion auch eine entscheidende Rolle spielt und das Projekt als lokale Koordinierungsstelle im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" fördert.

Gut anderthalb Tage dauerte die reine Aufnahme für den Hör-Thriller in Fürth, an dem ein Team aus acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beteiligt war. Für Kestel ist die Kleeblattstadt "aus vielen Gründen ein idealer Produktionsstandort". Bis das Ergebnis der Arbeit sich hören lassen kann, muss nun noch einiges getan werden: "Sounddesign, fehlende Geräusche aufnehmen, schneiden, abmischen, Cover für die CD gestalten. . .", zählt der Produzent auf. Voraussichtlich Ende Oktober gibt es das Hörspiel made in Fürth dann im Handel.

www.filmton.de

SABINE REMPE

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth