Neue Baumarten sind gefragt

Klimawandel: Der Wald im Landkreis Fürth braucht Hilfe

fn

12.6.2022, 10:38 Uhr
„Stabile und klimatolerante Mischwälder zu schaffen und zu erhalten, ist uns ein großes Anliegen“, erklärte Forstbetriebsleiter Norbert Flier (3. v. re.) bei der Staatswaldbegehung mit der Regionalinitiative „Gutes aus dem Fürther Land“ unter anderen Landrat Matthias Dießl (2. v. re.) und Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst (links).

© Foto: Landratsamt Fürth „Stabile und klimatolerante Mischwälder zu schaffen und zu erhalten, ist uns ein großes Anliegen“, erklärte Forstbetriebsleiter Norbert Flier (3. v. re.) bei der Staatswaldbegehung mit der Regionalinitiative „Gutes aus dem Fürther Land“ unter anderen Landrat Matthias Dießl (2. v. re.) und Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst (links).

1400 Hektar gehören dem Freistaat und werden vom Forstbetrieb Rothenburg der Bayerischen Staatsforsten bewirtschaftet. Einige Beispielflächen im Staatswald haben sich Vertreter der Regionalinitiative "Gutes aus dem Fürther Land" genauer angeschaut.

"Wälder haben eine vielfältige Bedeutung. Sie sind von gesellschaftlicher, energiepolitischer, ökologischer und ökonomischer Bedeutung. Wälder sind Lebensraum und Holzlieferant, Erholungsort und Arbeitsplatz. Der Wald ist ein wahres Multitalent in Sachen Vielfalt und eine nachhaltige Bewirtschaftung ist deshalb wichtig", unterstrich Landrat Matthias Dießl bei der Gelegenheit.

Die Fläche des gesamten Forstbetriebs Rothenburg umfasst insgesamt 20 000 Hektar und verteilt sich auf etwa 200 Einzelgebiete zwischen einem und 1100 Hektar Größe. Sie liegen in den Landkreisen Fürth, Ansbach und Neustadt/Aisch. Kiefern, Fichten, Buchen und Eichen wachsen hier, im westlichen Teil sind es eher Fichten und Laubbäume, im östlichen überwiegen Kiefern und Fichten.

"Stabile und klimatolerante Mischwälder zu schaffen und zu erhalten, ist uns ein großes Anliegen", so Forstbetriebsleiter Norbert Flierl. "Um das zu erreichen, ist eine natürliche Verjüngung von Tanne, Douglasie, Eiche, Buche, Kirsche, Ahorn, Elsbeere und Speierling erforderlich", erklärte er. Dazu bräuchte es Altbäume, doch Kirsche, Ahorn, Elsbeere und Speierling kämen nur selten vor. Sie müssen "künstlich eingebracht", also gepflanzt werden.

Im Gleichgewicht

Eine "waldgerechte" Jagd unter Berücksichtigung des Tierschutzgedankens und der ungeschriebenen Gesetze der Waidgerechtigkeit gewährleistet seiner Ansicht nach eine weitgehend ungehinderte Naturverjüngung. Wald und Wild müssten sich im Gleichgewicht befinden.

Der Forstbetrieb Rothenburg erwirtschaftet mit 130 000 Kubikmetern Einschlag im Jahr etwa 6,5 Millionen Euro. 50 Menschen sind im Betrieb beschäftigt, darunter Forstwirtschaftsmeister und Forstwirte sowie sechs Forstwirt-Azubis.

Herausfordernd sind für die Mitarbeitenden vor allem die Gefahren, denen der Wald ausgesetzt ist. Zahlreiche Trockenjahre, Stürme und natürlich der Borkenkäfer setzen auch den Flächen des Forstbetriebs Rothenburg zu.

"Wald bedeutet auch immer Generationenverpflichtung. Denn wer die Bäume ansät, wird sie selbst nicht ernten", so Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst. Das ziehe die große Verantwortung nach sich, den Forst zu erhalten und naturnah zu bewirtschaften, um den regional produziertem Werkstoff Holz bereitzustellen.

Doch die Wälder des Landkreises, gleich in wessen Besitz, sind wegen des fortschreitenden Klimawandels in einer schwierigen Situation. Darauf wies auch Christian Kölling, Forstbereichsleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim, hin. Die bislang vorherrschende, kältegewohnte Kiefer gerate deshalb unter starken Druck.

Die Forste müssen daher mit anderen Arten, die aus wärmeren Regionen stammen, angereichert und so stabilisiert werden. Dies sei eine Aufgabe sowohl für den staatlichen Waldbesitz, aber auch für die 4000 Privatbesitzer, die zusammen mit 80 Prozent den Löwenanteil im Landkreis bewirtschaften. Konzepte zum klimagerechten Umbau und Fördergelder stelle die Forstbehörde allen privaten Waldbesitzern zur Verfügung.

Ein Hektar Laubwald setzt pro Jahr 15 Tonnen Sauerstoff frei, ein Nadelforst sogar 30 Tonnen. Je nach Baumart werden auf einem Hektar zwischen 80.000 und 160.000 Kubikmeter neues Grundwasser im Bestandsleben gebildet.

Flierl ist es deshalb wichtig, dass Spaziergänger Rücksicht auf die Natur nehmen. So sind nicht öffentlich gewidmete Wege beispielsweise für motorbetriebene Fahrzeuge gesperrt.

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