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Klinikum Fürth: Millionenverluste seit 2015

Die Stadt muss ihr Krankenhaus über Jahre stützen — Stellenabbau wird ausgeschlossen - 27.02.2019 13:00 Uhr

Das Klinikum befindet sich in einem Transformationsprozess. © Foto: hjw


Sieben Mal in Folge – von 2008 bis 2014 – erwirtschaftete das Klinikum einen Überschuss, in manchem Jahr fast zwei Millionen Euro. Das Geld wurde umgehend reinvestiert. Die fetten Jahre sind vorbei, die Bilanzzahlen längst tiefrot. 2015 belief sich das Minus auf 2,7 Millionen, 2016 auf 2,5 und 2017 sogar auf 3,7 Millionen Euro. Auch für 2018 wird ein Defizit erwartet – in noch unbekannter Höhe. Für die Stadt wird das zum Problem: Sie muss die Verluste ihrer Tochter ausgleichen.

Stellt sich die Frage: Was ist seit 2015 passiert? Klinikvorstand Peter Krappmann holt zur Erklärung etwas weiter aus. Das Fürther Krankenhaus habe im vergangenen Jahrzehnt seine Leistungen stark ausgeweitet. 2010 richtete es eine Neurologie ein, kurz darauf eine Akutgeriatrie. Die Zahl der Betten und der Patienten stieg auch deshalb steil an, folglich musste personell nachgerüstet werden. "In zwei Jahren haben wir jeweils über 100 neue Mitarbeiter eingestellt", sagt Krappmann, "in zwei weiteren waren es je 70 bis 80." Die Personalkosten schossen entsprechend in die Höhe.

Was ebenfalls durchschlägt: Nach jahrelangen Protesten gegen die 2004 geschaffene "Service GmbH" wurde sie 2014 beerdigt. Die darin ausgelagerten Mitarbeiter, darunter Reinigungspersonal und Küchenkräfte, wurden wieder unter das Dach des Krankenhauses geholt, wo sie deutlich mehr verdienen. Hinzu kamen Tarifsteigerungen. Krappmann fast zusammen: 2011 habe man jedem Mitarbeiter im Schnitt 53 000 Euro gezahlt, 2017 waren es 61 000 Euro.

Und: Weil es schwierig sei, offene Arztstellen zu besetzen, müsse das Klinikum in Spezialgebieten häufiger auf Honorarkräfte zurückgreifen, also auf selbstständige Mediziner, die sich nur für eine gewisse Dauer in den Dienst des Krankenhauses stellen. "Das kommt uns wesentlich teurer", bedauert Krappmann.

Die deutlich höheren Personalausgaben trafen ab 2015 auf ein stark abgeschwächtes Wachstum bei den Patientenzahlen. "Und ohne Wachstum", so der Klinikchef, "bist du ganz schnell in der Verlustzone." Aber deshalb Personal abzubauen, lehnt Krappmann kategorisch ab. "Das würde bloß die Patientenversorgung verschlechtern."

Rückblick: 2007 halfen die Krankenhausmitarbeiter mit einem befristeten Gehaltsverzicht, das Klinikum aus einem chronischen Defizit zu führen. Thomas Jung war schon damals Oberbürgermeister, heute schließt er einen solchen Weg kategorisch aus. Es sei "ein Gebot der Fairness", die Menschen angemessen zu bezahlen, sagt er, räumt aber auch ein: Im heutigen Gesundheitswesen würde man mit Dumpinglöhnen ohnehin schnell untergehen. Jede Pflegekraft, jeder Arzt habe etliche Stellenangebote.

Der Landkreis in der Pflicht?

Eine kritische Botschaft schickt der Sozialdemokrat nach Berlin und an seine eigene Partei: "Die Bundesregierung macht keine krankenhausfreundliche Politik." Für viele Leistungen gebe es keine angemessene Vergütung. Weil sich das so schnell nicht ändern werde, stellt man sich im Rathaus darauf ein, die Tochter über mehrere Jahre stützen zu müssen – indem die Stadt Verluste ausgleicht und Investitionen bezuschusst.

Dass es Fürth derzeit finanziell gut geht, werde dabei helfen, dennoch dürfe das Defizit kein Dauerzustand werden. Jung hofft, dass das große Investitionspaket "Klinikum 2030", für das der Freistaat rund 100 Millionen Euro überweist, dem Haus wieder "wirtschaftliche Stabilität" bringt. Wie berichtet, sollen nicht nur OP-Säle und ganze Gebäude erneuert werden, auch die Zahl der Betten soll von aktuell 771 auf bis zu 1000 wachsen.

Der Rathauschef wird zudem nicht müde, eine uralte Forderung zu wiederholen: Aus dem Landkreis Fürth kommen ihm zufolge ein Drittel der Klinikumspatienten, da wäre es "nur fair", wenn sich der Landkreis endlich an der Finanzierung des Hauses beteiligen würde. Jung: "Das ist doch eine moralische Verpflichtung." 

Johannes Alles

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