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König Fußball vor dem Sturz ins Bodenlose

Fürth vor 25 Jahren: Steffi Graf lässt Torwart zittern, die Bergwacht seilt sich ab und die DKP zieht gen Osten - 09.06.2013 19:00 Uhr

Nein, das ist keine Spezialeinheit bei der Anti-Terror-Übung, sondern nur die Fürther Bergwacht, die am Quelle-Kaufhaus zeigt, wie der Gramminger-Sitz funktioniert. © Kögler


Tennis boomt, kein Wunder. Man muss sich ja nur selber fragen: Sieht man lieber Uli Borowka bei einer gepflegten Grätsche von hinten in den Mann zu? Oder vielleicht doch lieber Steffi Graf bei einer krachenden Vorhand? Mit dem passenden Fernseher geht beides.

Unter dem Titel „EM aktuell“ versucht ein Fürther Fachbetrieb kurz vor Turnierbeginn via FN-Inserat TV-Geräte unters Volk zu bringen. Grundig, Blaupunkt, Telefunken und Schneider sind im Angebot. Das Highlight ist aber der Nordmende 8208 VT: 70 cm Bildschirmdiagonale, Black-Matrix-Bildröhre, Fernbedienung und Videotext – für 2090 DM.

Immerhin ist König Fußball noch nicht derart abgestürzt, dass sich die Bergwacht um ihn kümmern müsste. Die zeigt zur Feier ihres 50-jährigen Bestehens ihr alpines Können an der Freiheit. Zwischen 9 und 12 Uhr kann man sich an der Fassade des Quelle-Kaufhauses abseilen lassen, und zwar auf dem Rücken eines Bergwachtlers im „Gramminger Sitz“.

Wenn der Fußball in diesen Tagen Schnupfen hat, dann liegt die SpVgg mit Blinddarmdurchbruch auf der Intensivstation: Das letzte Saisonheimspiel in der Landesliga gegen Schlusslicht Forchheim wollen nur 590 Zuschauer sehen. Die SpVgg gewinnt 5:0. In Dambach schauen am selben Wochenende der SG Quelle 2500 Menschen zu. Die Quelle schlägt Ebermannstadt im Bezirksfinale und steigt damit auf – und zwar zur SpVgg in die Landesliga. SG-Trainer Erich Tauchmann blickt schon mal nach vorn: „Auch im Ronhof werden wir nicht mit schlotternden Knien den Platz betreten.“

Nun aber genug mit Blinddarm und Geschlotter: Viereinhalb Jahre lang wurde gewerkelt, jetzt ist der Neubau hinter dem alten Krankenhaus fertig, die ersten vier nagelneuen Stationen werden bezogen. „Kein Vergleich, ich fühle mich wie in einem Sanatorium“, wird eine Patientin in den FN zitiert.

Und auf Fürth wartet noch mehr Gesundheit. Die Nürnberger Renta-Gruppe stellt vor, was sie ab 1989 am Kavierlein an der Poppenreuther Straße hochziehen möchte: ein Erholungs- und Gesundheitszentrum, gespeist mit Thermalheilwasser aus der König-Ludwig-Quelle, dazu eine Rehabilitationsklinik, ein Tagungszentrum mit Hotel, Ladenflächen und zwei Parkhäuser. Damit könne Fürth durchaus in Konkurrenz zu Bad Kissingen treten, heißt es.

Aber auch jenseits dieses Luftschlosses ist im Juni ’88 einiges geboten. In Burgfarrnbach eröffnet das „Obstgärtla“, die Fürther DKP veranstaltet mit den Jungen Pionieren ein Ferienlager in der DDR, und der dienstälteste Bürgermeister Bayerns erhält zum 40. Amtsjahr ein besonderes Geschenk: In Obermichelbach wird eine Straße nach Hans Tauber benannt, der die Gemeinde seit sage und schreibe 1948 führt.

Apropos Urgestein. SpVgg-Vizepräsident Edgar Burkart zählt zu denen, die in den FN den Europameister von 1988 vorhersagen. Kastner meint Deutschland, Tauchmann tippt Italien, SpVgg-Trainer Paul Hesselbach Deutschland, Spanien oder Dänemark. Burkart sagt: Holland. Das schmerzt wie eine Borowka-Grätsche – ist aber leider richtig.

  

JOHANNES ALLES

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