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Kritik am Dambacher Bauprojekt

Anwohner und Naturschützer bangen um Flora und Fauna — Diskussion mit Verantwortlichen - 24.07.2012 09:00 Uhr

„Maßvoll neu bebaut“ werden soll das Gelände westlich des Möbel-Maag-Areals. Der Stadtrat hat das Projekt abgesegnet, Kritiker haben aber noch viele Fragen. © Edgar Pfrogner


Der Maag-Komplex grenzt an den Rednitzgrund und damit an Wasserschutzgebiet, Überschwemmungsgebiet, Landschaftsschutzgebiet. Wer in diese Umgebung Häuser stellen will, muss mit Gegenwind rechnen. Doch hat sich bisher nur ein laues Lüftchen erhoben. Am 9. Mai winkte der Bauausschuss beim Tagesordnungspunkt zwei ab. Die Informationen zum Thema „Umnutzung und bauliche Ergänzung im Bereich Möbel Maag“ standen erst bei Sitzungsbeginn als Tischvorlage zur Verfügung. Zu spät, um sich ein Bild zu machen von dem Vorhaben in diesem „äußerst sensiblen Bereich“, so Grünen-Stadtrat Harald Riedel.

Der Ausschuss überließ die Entscheidung dem Stadtrat. Und der nahm am 23. Mai die zwischen Bauträger, Wasserwirtschafts-, Ordnungs- und Stadtplanungsamt ausgehandelten Planungen „zustimmend zur Kenntnis“. Sieben Stadträte, darunter Harald Riedel, taten das nicht.

„Maßvoll neu bebaut“ werden sollen 600 Quadratmeter auf einem Gelände der infra und der Stadt westlich des Maag-Areals. Wie berichtet, toleriert dies das Wasserwirtschaftsamt laut Baureferent Joachim Krauße, weil P&P angekündigt hat, im Gegenzug die alten Ausstellungspavillons des Möbelhauses abzureißen.

Er habe sein Okay verweigert, so Riedel, weil ihm bei der Angelegenheit die nötige Transparenz fehle. Als Kommunalpolitiker fühle er sich von der Verwaltung mit dürren Informationen abgespeist. Diese habe „kritische Punkte im Verfahren nicht vorgelegt, wohl um längere Diskussionen zu verhindern“. So frage er sich, wieso der Abriss von Pavillons, „die sowieso voll in den Talraum hineinragen und schon früher nicht hätten genehmigt werden dürfen“, kompensiert werden soll. „Man legitimiert so doch nur nachträglich einen Fehler.“ Ebenso wenig verstehe er, wieso in einem Gebiet gebaut werden darf, „für das es keinen gültigen Bebauungsplan gibt“.

Das ist auch Reinhard Scheuerlein ein Rätsel. Laut Flächennutzungsplan, kritisiert der Fürther Vorsitzende des Bundes Naturschutz, handle es sich hier nicht um eine Bau-, sondern um eine Grünfläche. Scheuerlein befürchtet Rodungen auf dem „biotopartigen Gelände im noch erhaltenen Abschnitt des Dambach-Talgrunds“ und fordert eine „fundierte landschaftspflegerische Begutachtung“. Es gehe nicht an, „dass in diesem landschaftlich hochwertigen Bereich zugunsten einer Bebauung ,Tabula rasa‘ gemacht wird“. Überdies, bemängelt er, werde dem BN der aktuelle Planungsstand vorenthalten. Bei der Beurteilung des Vorhabens sei er auf Andeutungen angewiesen.

Riedel und Scheuerlein wollen dabei sein, wenn am Mittwoch ab 19.30 Uhr (Einlass: 19 Uhr) im Gemeindesaal der Erlöserkirche, Zirndorfer Straße 51, über das Projekt diskutiert wird. Eingeladen hat Anwohner Bernd Galsterer. Nach seinem Eindruck hat der Stadtrat „über ein schönes Stück Natur ohne weitere Ortskenntnis“ entschieden.

Das Gebiet, argumentiert er, sei Heimat vieler Vögel, Fledermäuse, Amphibien und Standort „sehr alter und großer Bäume“. Welche Bäume sollen gefällt werden? Was ist mit Ausgleichsflächen für die Tierwelt? Wie muss man sich den „maßvollen Ausbau“ der Weiherhofer Straße vorstellen? Antworten auf diese und andere Fragen erhofft sich Galsterer am Mittwoch. Neben diversen Stadträten haben, wie er sagt, auch Vertreter von infra und Behörden sowie P&P-Chef Michael Peter ihr Kommen angekündigt.

  

BIRGIT HEIDINGSFELDER

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