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Kritik am neuen Hallplatz: Eine gelungene Mischung?

Während Leser den Platz als "Steinwüste" titulieren, sind die Planer mit dem Ergebnis zufrieden - 10.07.2020 11:00 Uhr

Als leb- und seelenlos kritisieren manche FN-Leser den neuen Hallplatz. Die Baureferentin sagt: „Eine Kirche braucht Raum, um wirken zu können.“

© Hans-Joachim Winckler


Steinwüste. Tut das weh, wenn man ein derart hartes Urteil lesen muss? Baureferentin Christine Lippert geht gar nicht erst auf diese Frage ein und spricht stattdessen von einer gelungenen Mischung, die viele Erwartungen erfüllt habe: ein großzügiger Platz vor der Kirche, grüne Staudenterrassen und eine klassische Grünfläche mit altem Baumbestand. Das Endergebnis sei sehr nahe an dem, was man sich im Rathaus ausgedacht hatte.

Lippert vergisst nicht zu erwähnen, dass die Kärwa bei allem eine gewisse Rolle gespielt habe. Es passiert ja eher selten, dass Stadtplaner einen neuen Platz in Absprache mit dem Marktamt gestalten sollen. Die Kirchweih brachte also manche Vorgabe mit sich, etwa die, dass vor der Kirche Unsere Liebe Frau (ULF) weiter eine große, ebene Aufstellfläche für das beliebte Kettenkarussell gebraucht wird. Den Freiraum dort mögen manche als Steinwüste titulieren, für Lippert ist er auch anderweitig wichtig: "Eine Kirche benötigt Platz, um wirken zu können."

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Das oberste Ziel der Planer beschreibt sie so: Das Areal zwischen Stadttheater, Kirche und Amtsgericht sollte zu einer Einheit werden. Das verbindende Element ist das kleinteilige Pflaster – wie schon vor Jahrhunderten bogenförmig verlegt, was den denkmalgeschützten Bauten in unmittelbarer Nachbarschaft Rechnung tragen soll.

Zugleich erhält jedes Gebäude einen Vorplatz mit individueller Note. Beispiel ULF: Die Gliederung dort entspricht dem Raster des Kirchengrundrisses. "Wir haben es quasi hinaus auf den Platz getragen", sagt Lippert. Hätte man mit farbigem Pflaster stärkere Kontraste erzielen können, um dem Eindruck einer riesigen grauen Fläche entgegenzuwirken? Lippert hätte das nicht gut gefunden. "Das Areal soll ja trotzdem eine Einheit sein." Ein Kontrast entstehe bereits durch das verschiedenartige Material: das kleinteilige Pflaster mit seiner "behauenen" Oberfläche und der geschnittene Stein vor der Kirche.

 


Freiraum statt Autos: Der Hallplatz ist umgestaltet


 

Das Areal bietet ihr zufolge bewusst unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten. Vor dem Amtsgericht, wo die Planer das zur Straße abschüssige Gelände mit Terrassen in Form gebracht haben, halte man sich wohl eher kurz auf: vor oder in der Pause eines Theaterbesuchs oder vielleicht, um auf einen Termin beim Amtsgericht oder auf den Bus zu warten. Wer seine Mittagspause hier verbringen will, werde sich wohl eher in die ganz leicht vergrößerte Grünanlage hinter dem Hallplatz begeben. Und der Platz vor Unsere Liebe Frau werde jetzt schon rege als Treffpunkt für einen Plausch nach Gottesdiensten genutzt.

14 neue Bäume wurden gepflanzt. Das Areal sei dadurch grüner als zuvor, beteuert Lippert. Dass vor dem Amtsgericht schmal wachsende Stieleichen stehen, hat Gründe: Die stattliche Fassade des Gebäudes soll weiter ihre Wirkung entfalten können, und die Büros und Säle im Inneren müssen ausreichend Tageslicht erhalten. Schatten wiederum biete die besagte Grünfläche um die Ecke. Ab dem 20. Juli wird dort der Rollrasen verlegt, zudem werden die restlichen Bänke aufgestellt.

Für die Baureferentin steht fest: Wenn Bäume und andere Pflanzen eine gewisse Größe erreicht haben, wird hier ein wunderbarer Stadtplatz entstanden sein, wobei sie das Wort Platz betont, denn: Eine reine Grünanlage sei hier nie geplant gewesen.

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