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Kühnes Konzept: Wochenmarkt in der Fürther Adenaueranlage

Unternehmer Jochen Schreier will Lebensfreude in den Innenstadt-Park bringen - 03.04.2014 11:00 Uhr

Die Darstellung zeigt, wie sich Jochen Schreier das Markttreiben rund um den Pavillon vorstellt. © VauKa


Jochen Schreier ist gebürtiger und überzeugter Fürther – er betont das im Gespräch ausdrücklich, um zu verdeutlichen, was ihn antreibt: Nicht um geschäftliche Interessen und Gewinne gehe es ihm, sagt Schreier, sondern darum, seine Heimatstadt attraktiver zu machen.

Für den studierten Pharmazeuten, einst Mitbegründer der EuromedClinic samt Pyramide und noch heute im Familienunternehmen ABF mit Apotheken, Labor und Großhandel engagiert, der „mit Begeisterung“ Märkte besucht, heißt das: Fürth braucht endlich einen Wochenmarkt, der seinen Namen verdient, denn geradezu „erbärmlich“ findet Schreier, was diesbezüglich seit Jahren zu beobachten ist. Er spielt auf das auch von anderer Seite oft beklagte Vagabundieren der Händler zwischen Freiheit, Breitscheidstraße und Bahnhofplatz an, wo deren Stände nun äußerst provisorisch untergekommen sind.

Bunte Mixtur

Dass ein fester Platz her muss, darüber besteht auch auf politischer Ebene längst Konsens, doch Schreiers Vorschlag ist neu. Während man im Rathaus allenfalls den randständigen Fontänenhof der Adenaueranlage als Marktplatz anpeilt, will Schreier im rund 5000 Quadratmeter umfassenden Mittelteil der Grünzone das ganz große Rad drehen. Dort sollen mobile, vermietbare Stände ganzjährig im Rechteck um den Musikpavillon eine bunte Mixtur aus reichlich Lebensmitteln und etwa einem Viertel Gastronomie bieten.

Der Titel dafür, den der Ideengeber samt flottem Logo schon mal urheberrechtlich schützen ließ: „Fürther Schnabuliermarkt“. Schnabulieren – für alle, die es nicht wissen – heißt so viel wie „behaglich essen“. Genuss, Lebensfreude und Kommunikation sollen am Eingangstor der künftigen Neuen Mitte dominieren, so Schreiers Vision – und das unter mächtigen Bäumen. „So etwas“, schwärmt er, „gibt es in ganz Deutschland nicht.“

In Eigeninitiative, auf eigene Kosten und, wie er unterstreicht, ohne jeglichen Auftrag oder Abstimmung mit Behörden hat Schreier mit einem Landschafts- und einem Innenarchitekten fast ein Jahr lang getüftelt. Das entsprechend professionell anmutende, 41-seitige Konzept ist inklusive aufwendigen Darstellungen und der Möglichkeit der Kommentierung jetzt im Internet zu finden. Es zeigt, wie sich die Marktstände von Anbietern aus der ganzen Region unter schützenden Segelkonstruktionen gruppieren sollen und wie an den Stirnseiten Glasbauten für Gastronomie andocken.


Das alles freilich wird bei städtischen Grünflächenexperten und Naturschützern, die sich bereits der Nutzung des Fontänenhofs für Marktzwecke vehement verweigern, die Alarmglocken schrillen lassen. Schreier ist sich dessen bewusst und hält dagegen: Sämtliche Großbäume blieben ebenso erhalten wie die historische Struktur der 1827 entstandenen Anlage. Diese werde dank des „Schnabuliermarkts“ sogar erheblich aufgewertet – was in Schreiers Augen auch dringend nötig ist, denn zu sehr präge „eine ständig erlebbare Fehlnutzung“ ihr Erscheinungsbild. Nur wenige, kritisiert der Unternehmer, schätzen die Anlage „in ihrer eigentlichen Zweckbestimmung“, stattdessen treffe man „regelmäßig Gruppen von Alkohol konsumierenden Mitmenschen an“.

Der Initiator hält seinen Part nun vorerst für abgehakt, er spielt den Ball an die Politik weiter, die sich, ebenso wie die Öffentlichkeit, mit den Ideen auseinandersetzen soll – und, nicht zu vergessen, mit der noch völlig offenen Frage der Finanzierung. Auch die drei Stadtratsfraktionen hat Schreier zwischenzeitlich informiert. Er freue sich auf eine „offene Diskussion“ und werde Argumente für und wider sammeln.

Die gibt es schon an höchster Stelle: Während der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller durchaus Sympathien für den Vorstoß hegt, wie er auf FN-Anfrage sagte, hat Oberbürgermeister Thomas Jung gemischte Gefühle. „Unstrittig“ sei zwar, dass man dem „wenig einladenden“ Wochenmarkt einen festen Standort geben und dass dieser Standort an der „künftigen Haupteinkaufsachse Rudolf-Breitscheid-Straße“ liegen müsse; dafür aber biete sich der Fontänenhof geradezu an – auch weil Jung für Fürth gar nicht genug Händler-Potenzial sieht, um die „Schnabuliermarkt“-Fläche zu bestücken.

Der Rathauschef glaubt, dass der Markt im zentralen Teil den Charakter der Anlage zu sehr beeinträchtigen würde. Zudem laufe die Kommune möglicherweise Gefahr, die 860000 Euro an staatlichen Fördermitteln, die im Jahr 2005 in die Sanierung flossen, zumindest teilweise zurückzahlen zu müssen.

Dennoch will Jung der Debatte nicht zu sehr vorgreifen. Nach Ansicht von Wirtschaftsreferent Müller muss zunächst „die Standortfrage schnellstmöglich und endgültig geklärt werden“, spätestens nach der Sommerpause werde sich der Stadtrat mit der Gestaltung des Wochenmarkts beschäftigen müssen, so der OB. Und natürlich komme dabei auch das Schreier-Konzept auf den Tisch.



www.schnabuliermarkt.de

Wolfgang Händel

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