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Dienstag, 17.09.2019

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Kulinarik trifft Wagemut: Zara Fakhar und ihre Geschichte

Kurse, Catering, Reisen: Die Iranerin hat sich in Stein viel aufgebaut - 11.09.2019 17:00 Uhr

Zara Fakhar mag es bunt. Deswegen gilt für sie auch beim Kochen: Das Aussehen der Speisen ist genauso wichtig wie der Geschmack. Und das vermittelt sie gerne weiter: Fakhar betreibt einen Catering-Service und bietet Kochkurse an. © Foto: Isabel Pogner


Zara Fakhar ist eine Frau mit Temperament. Auch als die 60-Jährige jetzt, in ihrem Büro, am Rechner ihren jüngsten Auftrag Revue passieren lässt, sprüht sie vor Energie. Fakhar betreibt in Stein einen Catering-Service, neulich hat sie eine Hochzeitsgesellschaft mit Köstlichkeiten aus der orientalischen Küche beglückt. 

Begeistert kommentiert sie nun die Fotos von Fleischspießen, Auberginenpaste, Reiskuchen. . . "Vom Nachtisch konnte ich leider kein Bild machen", sagt sie dann, und es klingt fast enttäuscht. Doch sie war an jenem Sonntag einfach zu beschäftigt, Fakhar schmiss das Catering, wie oft, im Alleingang.

Dass die Iranerin heute für deutsche Hochzeiten kocht, Kochkurse gibt und auch Iran-Reisen organisiert, hat sich mehr oder weniger einfach ergeben. Zara Fakhars Geschichte beginnt 1959 im Iran. Sie wuchs dort in einer mittelständischen Familie auf, studierte Buchführung und arbeitete in einer Telekommunikationsfirma für Siemens.

Eine gute Ausbildung war damals nichts Ungewöhnliches für iranische Frauen, erzählt Fakhar: "Als ich jung war, regierte Mohammad Reza Pahlavi." Unter dem Schah hatten Frauen viele Freiheiten, vergleichbar mit jetzigen westlichen Ländern. Mit der Islamischen Revolution 1979 – Zara Fakhar war 20 Jahre alt – änderte sich das. Unter Ayatollah Khomeini wurden die Rechte der Frauen stark beschnitten, ihre Meinung galt nicht mehr allzu viel.

Bei einer Familienfeier fragte eine entfernte Verwandte Zara, die inzwischen 26 war, ob sie vielleicht heiraten wolle. Es gebe da einen jungen Kfz-Mechaniker in Deutschland, der aus dem Iran stamme. . . Fakhar fackelte nicht lange, ließ sich seine Telefonnummer geben, nahm Kontakt auf.


Fünf Rezepte: So gelingt ein persisches Menü


Beide redeten miteinander, tauschten sich über vieles aus, auch über ihre Erwartungen ans Leben. Und: Es funkte. Nach zwei Monaten wusste Zara Fakhar: "Ich heirate diesen Mann und ziehe in ein fremdes Land." Auch die Abenteurerin in ihr war elektrisiert. Denn: Gelegenheiten, die sich ihr bieten, ergreift Fakhar nur allzu gerne.

So fährt sie bald schon zum dritten Mal als Reiseleiterin in den Iran. Einfach, weil sie jemand gefragt hat, ob sie das nicht mal machen wolle. Es gibt einen Spruch in ihrer Heimat. Fakhar musste ihn sich als Kind oft von ihrer Mutter anhören: "Mädchen, du versuchst, drei Melonen gleichzeitig mit nur einer Hand aufzuheben."

Hochzeit ohne Bräutigam

Fakhar heiratete dann noch, bevor sie das Land verließ. Nur: Weil ihr Bräutigam kein Visum bekam, fand die Hochzeit ohne ihn statt. Sein Onkel sprang ein, schritt bei der Trauung an der Seite der Braut und ließ sich – stellvertretend – mit ihr vermählen. "Meine Kolleginnen dachten, ich spinne", sagt Fakhar. "Aber ich wusste, ich packe das."

Herzklopfen hatte sie dennoch vor dem ersten Treffen – im fremden Land, mit fremdem Ehemann. Sie hatte Glück und einen Partner gefunden, der sie in ihr neues Leben lotste.

Da war sie wieder, die Abenteuerlust

Fakhar belegte Sprachkurse, fand schnell Freunde, bekam ein Kind, fand einen Job und arbeitete später im Büro der Kfz-Werkstatt ihres Mannes. Es sollte allerdings noch ein wenig dauern, bis sie ihren Catering-Service aufbaute. Als ihr Mann schon in Rente und der Sohn aus dem Haus war, wollte sie "nicht nur daheim rumsitzen". Eines Tages hatte ihr Neffe die entscheidende Idee: "Du kochst doch so gerne. Mach doch Catering."

Da war sie wieder, Fakhars Abenteuerlust. Mit einem Partyservice machte sie sich selbstständig. Inzwischen bietet sie an den Volkshochschulen im Landkreis orientalische Kochkurse an. Die Rezepte gehen ihr offenbar so schnell nicht aus. Zara Fakhar lächelt, öffnet in ihrem Büro einen Schrank und präsentiert sechs pralle Aktenordner, gefüllt mit mutmaßlich 1001 Rezepten. 

Isabel Pogner

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