Landkreis: Wallenstein soll die Touristen erobern

8.11.2017, 11:56 Uhr
In einem Diorama können sich Besucher des Städtischen Museums in Zirndorf schon heute einen Eindruck von Wallensteins Lager verschaffen.

In einem Diorama können sich Besucher des Städtischen Museums in Zirndorf schon heute einen Eindruck von Wallensteins Lager verschaffen. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Drei Kommunen befassen sich mit dem Projekt, das Geschichtsinteressierte locken soll. Zirndorf, Oberasbach und Stein werden dazu ihren Beitrag leisten und sich die Kosten teilen. Finanzielle Unterstützung gibt es aus dem sogenannten Leader-Topf – europäische Mittel, die innovative Projekte fördern.

In einem ersten Schritt wird der bestehende Wallenstein-Rundweg (siehe Artikel links) auf dem historischen Gelände von der Alten Veste in Richtung Stein aufgemöbelt und "erlebbar" gemacht, etwa mit neuen Informationstafeln und Erklärstationen. Auch Visualisierungen und Bänke gehören dazu. Dafür sind grob 300 000 Euro im Konzept eingeplant, das Landschaftsarchitekt Gerd Aufmkolk von der Initiative "Regionalpark Pegnitz-Rednitz-Regnitz" bereits im Sommer vorgestellt hat.

Auch ein Aussichtsturm, von dem Besucher von Steiner Gebiet in Richtung von Zirndorfs Alter Veste blicken können, gehört zum Plan. Allerdings würde dieser erst in einem nächsten Schritt folgen. In Stein seien allerdings noch Überlegungen im Gange, schränkt Aufmkolk auf FN-Anfrage ein. Möglich wäre stattdessen auch "ein Symbol oder Zeichen", das von der Alten Veste aus zu sehen ist, und den Betrachtern so einen Eindruck von der Dimension des Lagers vermittelt, so der Experte. Verständlich: Schließlich müsste die Faberstadt die geschätzten 350 000 Euro für den Turm allein berappen. Und das zusätzlich zu den besagten und auf drei Jahre verteilten 300 000 Euro, die die Kommunen für das gesamte Vorhaben gemeinsam zu stemmen haben.

Alle drei Städte müssen sich grundsätzlich dazu bekennen, dass sie die Entwicklung wünschen und dafür zusammenarbeiten. Geschehen ist das nun in Stein und Oberasbach. In Zirndorf stand der Punkt zwar zuletzt ebenfalls auf der Tagesordnung, jedoch hatte Bürgermeister Thomas Zwingel die Stadtratssitzung, wie berichtet, absagen müssen, weil das Gremium mangels personeller Masse nicht beschlussfähig war. Zwingel schickte das Projekt allerdings per dringlicher Anordnung auf den Weg.

Kritische Anmerkungen

In den anderen beiden Kommunalparlamenten gab es durchaus kritische Anmerkungen zum Vorhaben. Der Steiner Grünen-Stadtrat Dietmar Oeder wies darauf hin, dass es ihm wichtig sei, nicht das größte Feldlager aller Zeiten zu bejubeln, sondern auch den "größten Wahnsinn aller Zeiten" zu beschreiben, der unglaubliches Leid über die Bevölkerung gebracht habe. Schließlich hat die Schlacht nicht nur Opfer unter den Soldaten gefordert, sondern in den umliegenden Dörfern und Weilern die Bevölkerung drastisch dezimiert.

In Oberasbach merkte Franz X. Forman (FW) an, bei dem Projekt sei im Norden und im Süden etwas geplant, "aber in der Mitte ist Oberasbach, und da gibt es wenige Ideen". Auch CSU-Fraktionssprecher Jürgen Schwarz-Boeck charakterisierte das Vorhaben als "blutarm". Seiner Ansicht nach "wirkt es akademisch". Der Zustimmung tat dies keinen Abbruch: Einstimmig votierte der Oberasbacher Stadtrat für den Abschluss der Zweckvereinbarung mit Zirndorf und Stein.

Doch was fällt für Oberasbach in Sachen Wallenstein ab? Das habe die Stadt selbst in der Hand, meint Gerd Aufmkolk: "Sie müsste sich überlegen, welche Bausteine und Elemente sie will." Immerhin habe sich der größte Teil des Lagers auf heutigem Oberasbacher Gebiet befunden. Darauf könnten Informationstafeln im Zentrum ebenso hinweisen wie im südlichen und östlichen Teil der historischen Stätte.

Als nächsten Schritt müssten sich die drei Kommunen nach einem Planungsbüro umsehen, das sich des Projekts annimmt. Die Regionalpark-Initiative habe einen Vorschlag gemach, sagt Aufmkolk. Auch einen Förderantrag für das Leader-Programm braucht es. Klappt alles, könnte nach Ansicht des Landschaftsarchitekten "bereits im nächsten Jahr etwas passieren".

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