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Freitag, 07.08.2020

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Langenzenn: Vorstudie zu Mega-Treibhäusern

Der Stadtrat will klären, ob die Ausweisung von Konzentrationsflächen die Projekte verhindern kann - 01.08.2020 16:00 Uhr

Der Protest der Bürger in Keidenzell und Hardhof hält an. Sie erwägen, selbst ein Gutachten in Auftrag zu geben, um nachzuweisen, dass das Wasser nicht reicht.

© Foto: Heinz Wraneschitz


Für insgesamt 190 000 Quadratmeter Glashausfläche in Hardhof und Keidenzell könnten demnächst, wie berichtet, Bauanträge im Rathaus eingehen. Der Stadtrat will die Gebäude mehrheitlich nicht. Doch über die im Baugesetzbuch festgeschriebene Privilegierung für Landwirtschaftsgebäude im Außenbereich fühlt sich das Gremium in seiner kommunalen Selbstbestimmung eingeschränkt.

Klaus Roscher (SPD), als Bauingenieur Fachmann in diesem Bereich, brachte seinen Ärger so zum Ausdruck: "In einem Bebauungsplan diskutieren wir über Kniestockhöhen. Und bei fast 200 000 Quadratmetern Glashäusern schießt man uns raus." Thomas Ziegler (CSU), Landwirt aus dem betroffenen Hardhof forderte: "Das Baurecht muss regional angepasst werden. Wir schreiben woanders die Farbe vom Gartenzaun vor, aber hier sind wir machtlos."

Eine kleine Chance, als Kommune auch bei privilegierten Vorhaben Einfluss zu nehmen, könnten so genannte Konzentrationsflächen bieten. Dies hatte Rechtsanwalt Gerhard Spieß in der vorangegangenen Sitzung vorgetragen.

Einstimmiger Beschluss

Die Fraktionen haben sich in der Zwischenzeit offenbar intensiv beraten. Nun gibt es einen einstimmigen Beschluss für ein Vorgutachten. Das soll die Frage klären: Wie groß ist diese kleine Chance, über die Ausweisung von Konzentrationsflächen die von Knoblauchsland-Gemüsebauern geplanten riesigen Treibhäuser auf Langenzenner Flur zu verhindern? Bei der Diskussion kam immer wieder das Thema Wasser zur Sprache. Alle Anwesenden zeigten sich – anders als die Bauherren – davon überzeugt, dass das auf den Glasdächern gesammelte Regenwasser bei weitem nicht zur Versorgung des geplanten Biogemüseanbaus reichen wird. Käme Leitungswasser dafür in Frage? Die Wasserversorgung Dillenberggruppe werde diese Problematik erst dann, "individuell prüfen, wenn es zu einer Wasserlieferungsanfrage kommt", stellte Betriebsleiter Utz Emme gegenüber den FN klar.

Und was, wenn neue Brunnen fürs Wasser sorgen sollen? Bauer Ziegler (CSU) forderte mehrfach ein "hydrologisches Gutachten". Was genau das beantworten soll, darüber diskutierten die Stadträte heftig. Am Schluss stimmten alle dem Vorschlag von Bürgermeister Jürgen Habel (CSU) zu: "Wir werden zunächst das Wasserwirtschaftsamt um eine offizielle Stellungnahme bitten."

Bei nur vier Ja-Stimmen abgelehnt hat der Stadtrat dagegen den Verwaltungsvorschlag, das Gespräch mit den Gemüsebauern zu suchen. Für Verhandlungen hatte sich unter anderen Grünen-Ratsmitglied Michael Gawehn ausgesprochen: "Im Dialog verändern wir unsere Rechtsposition nicht. Vielleicht machen die ja ein Angebot?" Birgit Osswald (CSU) meinte dagegen: "Reden können wir nach der Vorstudie immer noch."

Auch betroffene Dorfbewohner kamen in der Sitzung zu Wort. Albert Goos aus Keidenzell forderte eine "Grundsatzentscheidung. Denn worüber wollen wir verhandeln: Ob die Tore grün oder blau werden?"

Er wie auch andere Keidenzeller Bürger zeigten sich nach der Ratssitzung sichtlich unzufrieden. Sie erwägen nun, selbst ein hydrogeologisches Gutachten in Auftrag zu geben. "Bei bekannten Daten dürfte das auf 3000 bis 5000 Euro kommen", so Geologe Knut Hanke vom Ingenieurbüro Blasy-Overland aus Eching. Muss erst gebohrt werden, dürften die Kosten jedoch fünfstellig werden.

Heinz Wraneschitz

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