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Leere Läden, deprimierte Händler: So lief "Click and Meet" mit Test an

Inzidenz in der Kleeblattstadt erneut über 200 - 18.04.2021 06:00 Uhr

Auch die C & A-Filiale durfte in dieser Woche nur Kunden Zutritt gewähren, die einen Nachweis über einen negativen Test mitbrachten oder sich vor der Tür selbst testeten.

13.04.2021 © Hans-Joachim Winckler, NN


Der Montag war eine Zäsur. "Heute", schrieb das Team von "Erlebe Wigner" in Zirndorf am 12. April auf Facebook, "haben wir feststellen müssen, dass auch wir mit unserer Kreativität, unserer Begeisterung und unserer Energie an den aktuellen Vorgaben der Politik scheitern." Erstmals in dieser Pandemie traf Chef Eberhard Wigner die Entscheidung, den Laden für einige Tage zuzusperren. Er hatte gerade die Variante "Click & Meet mit Test" kennengelernt.

"Jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem du nicht mehr kannst", sagte er, als die FN anriefen. Um 14 Uhr schloss er den Laden zu, er wollte seinen Mitarbeitern nicht noch weitere deprimierende Stunden zumuten: Zwei Drittel der Kunden drehten frustriert um, als sie an der Tür erfuhren, dass sie wegen der Inzidenz über 100 nur mit negativem Test rein dürfen, erzählt er. Selbsttest-Kits lagen bereit, keiner aber ließ sich darauf ein: "Die Hürde ist zu hoch", meint Wigner.

Tags darauf sah er sich in Nürnberg um, in der Hoffnung, Händler zu entdecken, die der schwierigen Situation mit kreativen Ideen begegneten. Er fand keine. Die Regierung, sagt er bitter, habe es wirklich geschafft, die Geschäfte "totzuregulieren". Nun gehe die dritte Saison kaputt; auch Mode sei "verderbliche Ware": "Das kann man nicht einfach in neue Kollektionen reinhängen."

Die Kunden, so Wigner, wollen sich umsehen, Spaß haben – das gelinge mit den Vorgaben nicht mehr. Vorerst wird das Geschäft nur noch freitags und samstags geöffnet sein, für "Click & Meet mit Test". Kaum Anrufe gab’s unter der Woche und die Kunden, die am Freitag kamen, konnte man an einer Hand abzählen, sagt der Chef.

"Jetzt ist es ein richtiger Krampf geworden"

"Jetzt ist es ein richtiger Krampf geworden", sagt auch Axel Herbst, Inhaber von "Axel’s Sportshop" in der Fürther Südstadt, "nix passiert mehr." Click & Meet, also das Einkaufen mit Termin, das habe noch funktioniert, um ein bisschen Umsatz zu machen. Der Test aber schrecke die Leute ab.

„Jetzt ist es ein richtiger Krampf geworden“: Axel Herbst hat Selbsttests besorgt, um Kunden aushelfen zu können. Aber es lässt sich kaum jemand blicken.

13.04.2021 © Hans-Joachim Winckler, NN


Am Montag und Dienstag blieb der Laden leer, danach war es kaum besser. Auch Axel Herbst hat Selbsttests besorgt, falls Kunden ohne einen Nachweis vor der Tür stehen. Bietet er ihnen die Option am Telefon an, wird genervt abgelehnt: Verdrossen seien die Leute. "Sie haben keine Lust, einen Test vor der Ladentür zu machen und 20 Minuten in der Kälte zu stehen." Zumal ein Selbsttest vor dem Laden - anders als ein Schnelltest-Nachweis - nur für dieses eine Geschäft gültig wäre.

Schwer hatte es der Handel vorher schon. Nun aber sei’s "ganz, ganz schwierig", sagt Herbst. Viele Menschen wüssten angesichts der ständigen Änderungen auch gar nicht mehr, was nun wo gilt. Mit all dem, das ist seine Sorge, treibt man sie ins Internet. "Sie verlernen das Einkaufen." Einer sagte ihm mit Blick auf "Click & Meet" am Telefon ganz direkt: "Wenn ich klicke, bestell’ ich gleich im Internet."


Einzelhändler in Not: Click – und wie weiter?


Allein im Laden zu stehen, manchmal stundenlang, ohne dass jemand anruft, das sei freilich frustrierend, sagt Herbst. Immer wieder hat er seine Öffnungszeiten angepasst, erst jetzt wieder mit Blick auf Montag.

Ab Montag wieder neue Regeln in Fürth

Denn dann ist "Click & Meet mit Test" zwar im Fürther Landkreis weiter möglich - in der Kleeblattstadt fürs Erste aber schon wieder Geschichte: Weil das Robert-Koch-Institut hier am Samstag erneut eine Inzidenz über 200 gemeldet hat, bleibt den Fürther Einzelhändlern nur noch "Click & Collect" - genauso ist es ab Montag in Nürnberg. Kunden können Ware bestellen und abholen oder geliefert bekommen. "Wie soll das bei Wanderschuhen funktionieren?", fragt Herbst. Sie sollen ja passen.

Konstanz, eine Regelung, die mal über einige Wochen hinweg gilt – das wäre so wichtig für die Händler, findet die Innenstadtbeauftragte Karin Hackbarth-Herrmann. Stattdessen gebe es ein "Öffnungschaos."

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Der Auftakt der neuen Regelung mit dem negativen Test sei wirklich enttäuschend verlaufen. Das habe sich in der ganzen Stadt ausgewirkt, auch auf die Läden, die noch geöffnet haben durften. Nur für bestimmte Geschäfte seien Kunden bereit, einen Test zu machen – für Brautmode etwa oder um ein Klavier zu kaufen. Andere Händler bekamen zu hören: "Ich mach doch keinen Test, um bei euch einzukaufen."

Aber Hackbarth-Herrmann vermutet: "Jede Variante braucht Zeit, bis sie sich einspielt." An den Test würde man sich vielleicht gewöhnen, wie man sich an die Maske gewöhnt hat.

C & A-Filiale: "Es könnte sich gut entwickeln"

Toni Weinert, Leiter der Fürther C & A-Filiale, kann sich sogar vorstellen, dass "Click & Meet mit Test" sich nach dem anfänglichen Zögern richtig gut entwickeln könnte. Er spürt, dass der Kaufwunsch da ist bei vielen Kunden. Viele bräuchten zum Beispiel für die Kinder neue Sachen.

Der Start aber war auch bei C & A schwach. Der Personaleinsatz wurde aufs Minimum zurückgefahren, die Öffnungszeiten wurden gekürzt – und immer noch lohnte sich das Ganze nicht. Die Verunsicherung der Kunden erleben Weinert und seine Kollegen am Telefon: 80 Prozent der Anrufe der letzten Wochen waren "rein informativ". Die Kunden wollten vor allem wissen, welche Regelung denn nun vor Ort fürs Einkaufen gilt.

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Sollte die Politik am Einkaufen mit Test festhalten - noch ist unklar, was die Bundes-Notbremse bringen wird - , bräuchte es unbedingt mehr Testkapazitäten, sagt Weinert. Vor den Apotheken, die den Abstrich anbieten, bilden sich inzwischen lange Schlangen. Mitunter wartet man eine Stunde oder länger. Spontan shoppen zu gehen, sei so oft nicht möglich.

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