Lokalmatador siegt bei Marathon-Debüt

25.6.2012, 00:00 Uhr
Ansporn für den USA-Aufenthalt: Daniel Höflinger kam nach 2:38 Minuten als erster Marathonläufer ins Ziel.

© Winckler Ansporn für den USA-Aufenthalt: Daniel Höflinger kam nach 2:38 Minuten als erster Marathonläufer ins Ziel.

Tina Schwarzmann sagt, sie laufe „um zu entspannen“. Und genau so sieht die extrem zierliche 36-jährige Nürnbergerin nach dem Überqueren der Ziellinie auch aus. Obwohl sie gerade eben in 3:06 Stunden den Metropolmarathon als schnellste Frau beendet hat, muss sie weder stoßweise atmen noch ist ihre Miene vor Anstrengung zerfurcht. Nur die Achillessehne zwickt. Genaugenommen seit Kilometer 33. Sie hat den Schmerz so gut wie möglich ignoriert und ist weitergelaufen, immer dem Radfahrer an der Spitze des Feldes hinterher. „Ohne den“, räumt die scheinbar so unangestrengte Siegerin dann doch ein, „wäre ich nicht durchgekommen.“

Ein Sieg für den verstorbenen Opa: Tina Schwarzmann.

Ein Sieg für den verstorbenen Opa: Tina Schwarzmann.

Offenbar hat Schwarzmann auf den letzten Kilometern oft an ihren Großvater gedacht, an Alfred Schwarzmann, den dreifachen Olympiasieger von 1936 und deutschen Turner des 20. Jahrhunderts. Im März wäre die vor zwölf Jahren verstorbene Sportlerlegende des TV Fürth 1860 100 Jahre alt geworden. „Ihm widme ich diesen Lauf“, sagt Tina Schwarzmann, die sage und schreibe eine Viertelstunde Vorsprung auf die Zweitplatzierte hat.

Eine halbe Stunde früher ist für jeden offensichtlich, wem Daniel Höflinger seinen ersten Platz im Marathon verehrt. Kaum auf der Freiheit angekommen, hat der 24-jährige Oberasbacher schon wieder Luft für einen innigen Kuss. Nicht nur seine Freundin erwartete den früheren 10000-Meter-Spezialisten wohl nicht ganz so früh zurück. 2:38:21 Stunden stellen für einen jungen Marathon-Debütanten eine sehr ordentliche Zeit dar, zumal der etwas wellige Kurs in Fürth nicht gerade als Rennstrecke für persönliche Rekorde gilt.

Höflinger meldete sich übrigens erst am Samstag für den Lauf an. Er ist sozusagen ein Last-Minute-Sieger, der nun frischen Mut für die Fortsetzung seiner Läuferkarriere auf den langen Distanzen geschöpft hat. Ab August setzt der hagere Blondschopf sein Studium der internationalen Betriebswirtschaften in San Diego (USA) fort. An amerikanischen Universitäten wird Sport großgeschrieben. „Ich hoffe, dass ich dort noch einen Schritt nach vorne machen kann“, sagt Höflinger.

Den umgekehrten Reiseweg über den Atlantik hat kürzlich Erin Chernick zurückgelegt. Die 31-Jährige aus Boulder (Colorado) ist Doktor der Chemie und hat im März eine Stelle an der Uni Erlangen angetreten. Bald darauf verletzte sie sich bei einem Unfall am rechten Knie. Deswegen, sagt die mit Mann und kleiner Tochter nach Fürth gekommene Amerikanerin, habe sie zuletzt kaum trainieren können. Fürth sei eine Art Testlauf gewesen. Und was für einer. Etwas überraschend hält sie nach der Siegerehrung einen etwa 40 Zentimeter hohen Pokal in der Hand. In 1:30:38 triumphierte Chernick souverän im Halbmarathon der Frauen.

„Verblüffend gut“

Als Nico Jahreis die gleiche Strecke bereits in 1:11 Stunden zurückgelegt hat, staunt Organisator Bernd van Trill, der wegen eines Krankheitsfalls auch noch als Moderator einspringen musste, am Mikrofon: „Das ist ja eine Bombenzeit.“ So schnell wie er seine Konkurrenten in Grund und Boden gerannt hat, ist Jahreis auch schon wieder weg. Bei der Siegerehrung sucht man ihn vergebens.

Man weiß also auch nicht, ob er seinen ersten Platz im nächsten Jahr verteidigen wird. Erin Chernick ist sich da bereits sicher. Sie strahlt übers ganze Gesicht und findet Organisation, Strecke und Atmosphäre beim Metropolmarathon schlicht „amazing“, also verblüffend gut und will auf jeden Fall wiederkommen. Für die anderen Läuferinnen, die auf Pokale aus sind, ist das eher keine gute Nachricht. Wer weiß, wie schnell die frühere Triathletin läuft, wenn sie vorher ordentlich trainieren kann.

Ergebnisse

Marathon, Frauen: 1. Tina Schwarzmann 3:06:19 Stunden (kein Verein), 2. Marion Klaski (Team Synergy Sports) 3:21:45, 3. Ute Baird (Team Redlight) 3:28:13

Männer: 1. Daniel Höflinger (LAC Quelle), 2:38:21 Stunden, 2. Andreas Janker (DAV Röthenbach) 2:42:27, 3. Peter Liebelt (BSG Neuburg-Herrenwörth) 2:47:30

Halbmarathon, Frauen: 1. Erin Chernick (kein Verein) 1:30:38 Stunden, 2. Elvira Flurschütz (HW Hanseinvest) 1:33:00, 3. Natalie Kömpel (1:34:53)

Männer: 1. Nico Jahreis (HW Hanseinvest) 1:11:00 Stunden, 2. Matthias Flade (TV Münchberg) 1:13:38, 3. Markus-Kristan Siegler (Franken Speed Fighter) 1:16:20

Volkslauf (zehn Kilometer), Frauen: 1. Silke Bittel (LAC Quelle) 43:17 Minuten, 2. Birgit Schulz (Funrunners Neumarkt) 45:51, 3. Anke Noack 47:22

Männer: 1. Patrick Weiler (LAC Quelle) 36:01 Minuten, 2. Hans Joachim Hermann (Team Klinikum Fürth) 36:28, Norbert Schneider (DB Team) 37:21

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