Montag, 30.03.2020

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Machtvolle Demo gegen rechte Gewalt

Zug durch die Innenstadt - Fürther Neonazi-Treff im Visier - Kritik an der Haltung der Polizei - 31.05.2010

Massenhaft drängen die von Polizei flankierten Demonstranten durch die belebte Fußgängerzon © Horst Linke


Die Innenstadt im Ausnahmezustand: Rund 800 Demonstranten und ein Großaufgebot an Polizei haben am Samstag für Aufsehen gesorgt. Der Auftrieb galt neonazistischen Übergriffen auf Antifaschisten.

Vor vier Wochen hat - wie berichtet - ein einschlägig bekannter Fürther einen 17-jährigen Nürnberger krankenhausreif geprügelt. Und erst in der Nacht zum letzten Samstag war es vor einem Treffpunkt der rechtsextremen Szene am Rathaus wieder zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung gekommen.

Fürths Polizeichef Roman Fertiger, dem die Demonstranten unzureichendes Durchgreifen und Verharmlosen der Gefahr von Rechts vorwerfen, sprach auf Nachfrage der Fürther Nachrichten von drei Festnahmen. Ihm zufolge hatte übermäßiger Alkoholkonsum entscheidenden Einfluss auf die Eskalation gehabt. Die Kneipe am Rathaus war dann auch Ziel des Demonstrationszuges, der sich vom Bahnhofplatz aus durch die Fußgängerzone bewegte.

Kräfte des Unterstützungskommandos der Polizei riegelte allerdings die Ludwig-Erhard-Straße ab. Autonome wollten sich damit zunächst nicht abfinden, zogen dann aber doch mit den übrigen Demonstranten durch die Wasserstraße zum Ziel am Obstmarkt. Von hier aus fuhr ein Großteil mit der U-Bahn zum zweiten Protestzug nach Nürnberg.

Durch Feuerwerkskörper erlitten vier Polizisten ein Knalltrauma. Ein weiterer Polizist bekam beim Gedränge im U-Bahnhof Rathaus einen Schlag auf den Kopf und musste im Klinikum behandelt werden. Die Polizei wiederum nahm im Vorfeld der Demo fünf Teilnehmer vorübergehend fest, weil sie Feuerwerkskörper, einen Schlagring und Vermummungsgegenstände mitführten.

Der Polizei warfen Sprecher bei Kundgebungen auf dem Bahnhofplatz und am Obstmarkt vor, das Naziproblem in Fürth zu leugnen. Und OB Thomas Jung, dass er sich auf die Seite der Polizei stellt. »Im Kampf gegen Nazis kann man sich nicht auf die Stadt verlassen«, klagte ein Redner. Ihm zufolge haben Neonazis bei Anschlägen - unter anderem auf das Gewerkschaftshaus - in Fürth in den letzten zwei Jahren 20000 Euro Sachschaden angerichtet.

Flugblattaktionen von Neonazis gegen Gewerkschaften und Migranten verurteilte eine Vertreterin der IG-Metalljugend Fürths. Gerade in der gegenwärtigen Krise seien viele Menschen anfällig für die scheinbar einfachen Problemlösungen der rechten Szene, die sich sozial gebe, aber solidarische Aktionen der Arbeitnehmer torpediere. Gerade die mit sehr viel Unsicherheit und Ungerechtigkeit konfrontierten Jugendliche hätten es momentan nicht leicht, sagte die Rednerin. Rechts sein beginne bei ausländerfeindlichen Parolen Betrunkener und ende bei lebensgefährlichen Attacken wie die vor vier Wochen am U-Bahnhof Plärrer.

Die Polizei, der eine Sprecherin des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Nürnberg vorwarf, sich mit Brutalität schützend vor Nazis zu stellen, hielt sich während der Fürther Demo weitgehend im Hintergrund - auch wenn es auf der Strecke rund im die Fürther Einkaufsmeile schon recht eng zuging. Passanten und Geschäftsleute verfolgten staunend das Spektakel. Konfrontationen blieben aus. (Weiterer Bericht im Nürnberger Lokalteil der Fürther Nachrichten)

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