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Sonntag, 13.06.2021

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Mehr Personal statt Hightech-Tonnen: Fürth will sein Müllproblem lösen

Parks und Innenstadt sollen sauberer werden - 11.05.2021 05:59 Uhr

Wegen des To-Go-Abfalls stapelt sich bisweilen noch mehr Müll an den und um die Behälter, wie hier am vergangenen Sonntag in der Adenaueranlage. Am Wochenende kann das Grünflächenamt die Eimer personalbedingt nicht leeren – die Stadt möchte jetzt aber Abhilfe schaffen.

10.05.2021 © Foto: Wolfgang Händel


Es ist ein Phänomen, das Jahr für Jahr wiederkehrt: Sobald die Sonne im Frühling hervorspitzt, zieht es die Menschen ins Freie in die City und in die Grünanlagen. Was nach einem Tag an der frischen Luft bleibt, ist der Abfall, der sich immer wieder in und um die Behälter türmt. Verstärkt wird dieses Phänomen durch die Pandemie: Wenn man nicht mehr im Restaurant essen kann, nimmt man die Speisen eben mit und entsorgt die Verpackung bei nächstbester Gelegenheit.

Die CSU hatte sich eine mögliche Lösung für das Problem überlegt: solarbetriebene Abfalleimer mit integrierter Pressfunktion. "Müllminimierung durch die Kraft der Sonne würde der Solarstadt Fürth gut zu Gesicht stehen", meint CSU-Fraktionschef Max Ammon.

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Die Verwaltung aber ist von derlei Hightech-Tonnen weniger überzeugt. Ein Grund: Weil die Hinterlassenschaften zusammengedrückt werden, schwindet zwar einerseits das Volumen, andererseits erhöht sich aber auch das Gewicht. Folglich bräuchte es ein neues, spezielles Fahrzeug, um die Eimer zu leeren.

Keine Verbesserung

Weiterer Nachteil: In den ersten fünf Jahren sendet der Behälter oft kostenfrei eine Meldung aufs Smartphone oder auf den Computer, wenn er voll ist - später schlägt diese Funktion mit fünf Euro pro Stück und Monat zu Buche.

Während man entsprechende Mülleimer in Nürnberg momentan testet, hat Regensburg diese Phase schon hinter sich. Mit dem Ergebnis, "dass die hohen Anschaffungskosten in keinem Verhältnis zu den Einsparungen stehen und sich die Sauberkeit nicht wesentlich verbesserte", wie es heißt.

Das untermauert die Skepsis von Bauhof-Chefin Doris Langhardt. Wird ein neues System eingeführt, könnten "Kinderkrankheiten" auftreten, befürchtet sie. Wenn sich etwa eine Flasche in der Presse verhakt, sei der Mülleimer schnell lahmgelegt; dann müsse jemand zum Reparieren anrücken.

Langhardts Team ist für die Abfallentsorgung in der Innenstadt zuständig. Behälter öffnen, vollen Beutel raus, neuen Beutel rein, Behälter schließen - diese Vorgehensweise habe bislang gut funktioniert, sagt sie. Vor kurzem erst wurden die Abfallbehälter in der Fußgängerzone durch neue, größere ersetzt. Statt 50 fassen sie jetzt 90 Liter.


Dreck in Fürth: Größere Mülleimer sind bitter nötig


Dreimal täglich von Montag bis Freitag sind Langhardts Kollegen hier, in den umliegenden Straßen und auf den Plätzen auf Entsorgungsmission - zweimal am Samstag, einmal am Sonntag. Bei diesem Turnus sei man "einigermaßen zufrieden mit dem Erscheinungsbild", so die Bauhof-Leiterin.

Fürs Reinemachen in den Parks ist dagegen das Grünflächenamt zuständig - allerdings mit weniger Kapazitäten. Das macht sich bemerkbar: Bürger hätten von zunehmender Vermüllung in Grünzonen berichtet, monierte kürzlich die AfD. In einem Antrag bat man um Lösungsvorschläge.

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Nachhaltigkeits-Quiz

© Patrick Pleul dpa

Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

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Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

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Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

© dpa

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Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

© Colourbox.de

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Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

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Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

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Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

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Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

© colourbox.de

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Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

© Patrick Pleul dpa

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

Amtsleiter Ernst Bergmann zufolge hat es zwar schon immer Unrat in den Grünanlagen gegeben, aber er räumt ein: "Natürlich ist das ein verstärktes Problem in der jetzigen Zeit." Bergmann hat - anders als das Tiefbauamt - indes keinen Trupp zur Verfügung, der allein fürs Säubern zuständig ist. Gärtnerinnen und Gärtner müssen das quasi nebenher erledigen.


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In den warmen Monaten, von April bis Oktober, sind sie an besucherstarken Orten wie dem Stadtpark oder der Adenaueranlage dreimal pro Woche im Einsatz - montags, mittwochs und freitags. "Das reicht nicht, das sieht man ja", stellt Bergmann fest. Er wünscht sich deshalb mehr Personal.

Als sich dieser Tage der städtische Bauausschuss mit dem Thema beschäftigte, erschien dies allen Kommunalpolitikern am sinnvollsten – auch jenen der CSU. Die intelligenten Mülleimer sind damit vom Tisch. Stattdessen wurde beschlossen: Die Stadt schafft zwei Stellen, zudem wird ein weiteres Fahrzeug gekauft.

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