Dienstag, 20.04.2021

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Mit dem Zug zur ,Bläih‘

»Was blieb vom Moggala?«: Historische Spurensuche - 10.05.2010

Anhand historischer Stiche und Fotografien erläuterte der Cadolzburger Geschichtsexperte Hans-Werner Kress (M.) die Geschichte des »Moggala«. Heute fährt auf der alten Trasse die moderne Mittelfrankenbahn.

12.02.2011 © Hans von Draminski


Mit den »Vizinalbahnen« wurde im 19. Jahrhundert das flache Land erschlossen. Im Gegensatz zu den schnellen Hauptbahn-Verbindungen kam eine Lokalbahn mit leichterem Gleisoberbau, simpleren Fahrzeugen und sehr viel niedrigeren Fahrgeschwindigkeiten aus. Ein Umstand, der jenen Bähnchen oft gutmütigen Spott eintrug.

Der Cadolzburger Geschichts- und Eisenbahnfan Hans-Werner Kress leitet seinen Rundgang zur Geschichte des »Moggala« daher auch mit zeittypischen Karikaturen ein: Da läuft eine Bauersfrau in fränkischer Tracht neben dem fahrenden Zug her, weil sie ins Gespräch mit ihrem Mann vertieft ist - und kann problemlos mithalten. Ein Scherz, der von der Wirklichkeit noch in den Schatten gestellt wurde. Musste die Bahnlinie zwischen Zirndorf und Cadolzburg doch Straßen im spitzen Winkel überqueren. Zur Unfallverhütung durfte der Zug das letzte Teilstück nur im Schritttempo zurücklegen, während ein Streckenwärter mit Warnflagge (am Tag) oder Laterne (nachts) vorausging.

Gebaut wurde die knapp 13 Kilometer lange Bahnlinie von der Münchner »Lokalbahn Aktien-Gesellschaft« (LAG). Die LAG unterhielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Strecken in ganz Deutschland - überall dort, wo aufgrund von Tourismus, Bodenschätzen, boomender Industrie oder auch Land- und Forstwirtschaft entsprechende Transportleistungen benötigt wurden. In Cadolzburg war der große Steinbruchbetrieb ein wichtiger Kunde der Bahn.

Cadolzburg galt vielen Fürthern bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als beliebter Ausflugsort. Vor allem die »Bläih« genannte Kirschblüte zog Scharen von Menschen an und bescherte der 1890 bis Zirndorf eröffneten Strecke, die zwei Jahre später nach Cadolzburg verlängert wurde, ein erstaunlich hohes Fahrgastaufkommen: »Im Mai 1912 benutzten am ersten Blütensonntag rund 8 000 Fahrgäste das ,Moggala‘«, zitiert Hans-Werner Kress aus Quellen zur Bahngeschichte. 1932 mussten zum gleichen Anlass sogar über 15 000 Menschen transportiert werden. Das Umfeld der Bahn veränderte sich ebenfalls: Im vormals ländlichen Cadolzburg entstanden Häuser »im städtischen Stil«. Die LAG selber baute zusammen mit dem Markt Cadolzburg den später »Bleistift« genannten Aussichtsturm. Eine weithin sichtbare Erinnerung an das »Moggala«.

Hans von Draminski

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